Noch keinen Insolvenzantrag für Paderborn-Lippstadt gestellt – Flughafen-Geschäftsführer Marc Cezanne lehnt Fusion ab
Flughafen-Chef: „Finanzierung wird kommen“

Paderborn (WB). Die Betriebsgesellschaft des Flughafens Paderborn/Lippstadt nimmt am Dienstag Gespräche über einen Sozialplan mit dem Betriebsrat auf. 105 der 170 Beschäftigten sollen ihre Stellen verlieren, um die Personalkosten des OWL-Airports zu reduzieren und mit den Einsparungen einen Teil des Defizits zu senken. Im Oktober soll der Sozialplan ausverhandelt sein.

Montag, 17.08.2020, 22:04 Uhr aktualisiert: 18.08.2020, 21:08 Uhr
Im Oktober soll es für mehr als 100 der im Moment noch 170 Beschäftigten des Flughafens Paderborn/Lippstadt einen Sozialplan geben. Die Flughafen-GmbH beginnt am Dienstag die Verhandlungen mit dem Betriebsrat. 65 Mitarbeiter sollen bleiben. Foto: Hannemann
Im Oktober soll es für mehr als 100 der im Moment noch 170 Beschäftigten des Flughafens Paderborn/Lippstadt einen Sozialplan geben. Die Flughafen-GmbH beginnt am Dienstag die Verhandlungen mit dem Betriebsrat. 65 Mitarbeiter sollen bleiben. Foto: Hannemann

Cezanne: „Kündigungen nicht zu vermeiden“

„Wir müssen die Kostenstruktur an die zu erwartenden Erlöse anpassen. Da werden Kündigungen nicht zu vermeiden sein“, erklärte am Montag Flughafen-Geschäftsführer Marc Cezanne und bezifferte den aktuellen monatlichen Verlust auf 600.000 bis 700.000 Euro. Einen Antrag auf Insolvenz in Eigenverantwortung habe er wegen der Gespräche unter den sieben Anteilseignern noch nicht gestellt, sagte Cezanne. Trotzdem wolle man die Zeit bis dahin nutzen, um für „die Mitarbeiter Klarheit zu schaffen und für so viele wie möglich neue Stellen zu finden“. Laut Cezanne lägen die Kosten für eine Planinsolvenz bei 12,5 Millionen Euro (inklusive drei Millionen Euro Startkapital) für eine Sanierung bei 21,5 Millionen Euro außerhalb der Insolvenz. Das Konzept des Geschäftsführers basiert auf einer Reduzierung der Fluggastzahlen von 690.000 auf 300.000 und setzt etwa 500 touristische Flüge pro Jahr sowie die viermal täglichen Starts und Landungen nach und aus München voraus. „Das ist eine konservative Annahme, weil einem heute nicht mal jemand sagen kann, was im September ist. Bis vorigen Freitag sind wir davon ausgegangen, dass Eurowings ab 1. September sieben Mal pro Woche nach Mallorca fliegen wird. Und diese Flüge stehen bei Eurowings auch im Buchungssystem“, so Cezanne. Ob Rückkehrer aus Mallorca am Airport getestet werden müssten, sei Sache des Kreisgesundheitsamtes.

„Mit Verlustübernahme von 2,5 Millionen Euro pro Jahr auskommen“

Die Situation in der Flugbranche sei „eine sehr offene. In den nächsten Jahren werden wir den Stand von 2019 nicht wieder erreichen können.“ Sehr deutlich betonte Cezanne, dass der Flughafen Paderborn/Lippstadt nicht verkleinert werde, aber das Team kleiner werde. „Und wenn es mehr Flüge und mehr Passagiere geben sollte, dann besorgen wir uns das notwendige zusätzliche Personal. Wir müssen Verkehrsflughafen sein und mit einer Verlustübernahme der Anteilseigner in Höhe von 2,5 Millionen Euro pro Jahr auskommen. Das sind die Ziele.“

Nach Informationen des WESTFALEN-BLATTES gibt es wegen der Corona-Krise und ihren Folgen erneut Überlegungen, eine Westfalen-Flughafen-Gesellschaft zu gründen. Diese könnte den Betrieb der drei Flughäfen Dortmund, Münster/Osnabrück und Paderborn/Lippstadt übernehmen. „Ziel ist es, die erfolgreichen Nischen, die jeder der drei Flughäfen hat, zu stärken und Doppelangebote zu streichen“, heißt es aus beteiligten Kreisen. Die höchste Hürde sei die Sorge des Flughafens Münster/Osnabrück, von Dortmund dominiert zu werden und an Bedeutung zu verlieren, heißt es weiter.

Schäffler: „Neue Struktur unter Einbindung der Wirtschaft“

Darauf angesprochen, sagte Cezanne: „Das ist eine politische Vorstellung. Die Airline oder der Reiseveranstalter entscheiden, von wo geflogen wird. Es ist nicht möglich, dass sich drei Airports den Flugverkehr in Westfalen aufteilen. Auch der FDP-Bundestagsabgeordnete Frank Schäffler aus Bünde (Kreis Herford), der sich für den Erhalt des Flughafens in OWL einsetzt, hält eine Fusion der westfälischen Flughäfen für einen „Irrweg. Der Flughafen muss von seinen Kosten runter. Und dann braucht es eine neue Struktur unter Einbindung der Wirtschaft.“

Zu einer neuen Struktur könnte es kommen, wenn einige der derzeit sieben Anteilseigner aus der Flughafen-GmbH aussteigen wollen, wie der Kreis Gütersloh, der Kreis Lippe und Bielefeld . „Das ist unschädlich und hat sogar Vorteile“, sagte Cezanne. Es könnten, müssten aber nicht sieben sein. Was er meinte: „Mit zwei oder drei Anteilseignern ist es einfacher als mit sieben.“ Und: „Die Finanzierung wird kommen, davon bin ich felsenfest überzeugt.“

Update: Ablehnung einer Fusion auch aus Greven

Derweil lehnt auch der Geschäftsführer des Flughafens Münster/Osnabrück in Greven, Rainer Schwarz, die Idee eines westfälischen Verbundes mit dem Flughafen in Dortmund entschieden ab. „So ein Konstrukt bietet keine Synergieeffekte“, sagte Schwarz auf Nachfrage. Dortmunds SPD-Oberbürgermeisterkandidat Thomas Westphal hatte die Idee geäußert und Un­ter­stüt­zung von seinen Mitbewerbern erhalten. Durch die ­Corona-Krise seien die Flughäfen in ihrer Existenz bedroht, so Westphal. Arbeiteten sie künftig enger zusammen, sei das für sie wie für ihre Kunden von Vorteil. (er)

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7539433?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198401%2F2851064%2F
Rolle rückwärts beim Kreis Höxter: Corona-Einschränkungen gelten doch schon ab Montag
Von Montag an gelten verschärfte Regeln im Kreis Höxter. Foto: dpa
Nachrichten-Ticker