Paderborner Kreisbrandmeister grüßen Feuerwehrsenioren mit alten Geschichten
Kohls Platz war ganz durchgesessen

Büren/Delbrück (WB). Gelebte Hilfe am Mitmenschen und eine besondere Art der Kameradschaft prägen die Arbeit der Feuerwehrleute. Dank sagen für zum Teil jahrzehntelange Einsatzbereitschaft wollen Kreisbrandmeister Elmar Keuter und die drei Ehrenkreisbrandmeister Wilhelm Hecker, Bernhard Lücke und Franz Rickert den Feuerwehrsenioren im Kreis Paderborn. Am vergangenen Samstag wollte der Verband der Feuerwehren im Kreis Paderborn diesen Dank öffentlich machen beim Seniorennachmittag in der Bürener Stadthalle, doch die Coronapandemie machte auch diesen Termin zunichte.

Montag, 26.10.2020, 06:00 Uhr aktualisiert: 26.10.2020, 07:04 Uhr
Die vier Kreisbrandmeister (von links) Franz Rickert, Elmar Keuter, Bernhard Lücke und Wilhelm Hecker, hier mit historischer Feuerwehrtechnik, grüßen die Feuerwehrsenioren im Kreis Paderborn auf ungewöhnliche Weise. Der Seniorennachmittag in der Stadthalle Büren musste in diesem Jahr aufgrund der Pandemie ausfallen. Foto: Verband der Feuerwehren/Ralph Meyer
Die vier Kreisbrandmeister (von links) Franz Rickert, Elmar Keuter, Bernhard Lücke und Wilhelm Hecker, hier mit historischer Feuerwehrtechnik, grüßen die Feuerwehrsenioren im Kreis Paderborn auf ungewöhnliche Weise. Der Seniorennachmittag in der Stadthalle Büren musste in diesem Jahr aufgrund der Pandemie ausfallen. Foto: Verband der Feuerwehren/Ralph Meyer

Jährlich nimmt an dieser Veranstaltung ein Großteil der 869 Mitglieder der Ehrenabteilungen teil. Im Mittelpunkt dieses Nachmittags stehen stets viele persönliche Begegnungen mit Erinnerungen an gemeinsame Einsätze und die vielen Jahre im blauen Rock. Ein Blick zurück stand auch beim Treffen der vier Kreisbrandmeister im Gerätehaus in Ostenland im Mittelpunkt.

Feuerwehrgene in der Familie

Für Wilhelm Hecker (74) waren es „die Kumpel“ aus der Freundesclique, die ihn zum Eintritt in die Feuerwehr motivierten. Für Franz Rickert (79) und Elmar Keuter (58) lagen Feuerwehrgene in der Familie. Oft waren schon die Väter und Großväter in den Feuerwehren aktiv, und die damals 17 bis 19-Jährigen setzten die Familientradition fort. „Ohne meinen Vater wäre ich heute nicht in der Feuerwehr“, erinnert sich Keuter. Bernhard Lüke (67) trat in die Feuerwehr Fürstenberg ein, als dort massive Nachwuchsprobleme herrschten. Ein Freund hatte ihn „beschwatzt“.

Zwar gibt es auch heute noch Quereinsteiger, doch der Großteil des Feuerwehrnachwuchses kommt inzwischen über die Jugendfeuerwehren in die Einsatzabteilungen. Eine umfassende Grundausbildung in Theorie und Praxis, wie sie heute Standard ist, gab es in den 1960er- und 70er-Jahren nur vereinzelt. „Die alten Hasen haben uns mitgezogen und einsatztauglich gemacht“, erinnert sich Franz Rickert. Eine kreisweit standardisierte Ausbildung entwickelte sich erst mit der Einrichtung der Kreisfeuerwehrzentrale. Eine gemeinsame Grundausbildung über kommunale Grenzen hinweg ist heute Standard in der Feuerwehr.

Nicht einmal Handschuhe für alle

So dürftig wie die Ausbildung war auch die persönliche Schutzausrüstung. Blaumann, ein Hakengurt und ein schwarzer Helm mussten genügen, selbst einfache Lederhandschuhe für jeden Feuerwehrmann waren nicht überall Standard. Von Anfang an wirkten die jährlichen Leistungsnachweise teambildend innerhalb der teilnehmenden Gruppen, und auch die Zusammenarbeit der einzelnen Wehren verbesserte sich. Alle Kreisbrandmeister haben irgendwann in ihrer Laufbahn Karriere gemacht, wurden Gruppen-, Zug- und später auch Wehrführer, doch niemand trat in die Feuerwehr ein, um einmal ganz oben zu stehen. „Wenn Du was gemacht hattest, wurdest Du nach vorn geschoben“, erinnert sich das Quartett übereinstimmend. Für die Ehrenkreisbrandmeister waren die Wendezeit und die Aufbauhilfe Ost bewegende Episoden. „Ich hatte oft das Wort Kameradschaft gehört, doch im Osten wurde sie stets gelebt“, sagt Willi Hecker, und die anderen stimmen ihm zu.

Überrascht waren die Aufbauhelfer vom Stand der Feuerwehrlöschtechnik im Osten: „Die hatten schon Höhenretter, als es hier noch keine Konzepte gab, und von Atemschutzgeräten auf Tragkraftspritzenanhängern haben wir nur geträumt“, sagt Hecker. Prägend waren für alle auch die zahlreichen Lehrgänge und Fortbildungen, oft auf Landes- und Bundesebene. Dort lernten die Chefs aus dem Kreis Politiker Planer und Entscheider kennen und hatten Zugang zu Top-Informationen aus erster Hand.

„Das war schon interessant“, sagt Hecker, und Bernhard Lücke erinnert sich an einen Hubschrauberflug durch das Rheintal in einem Regierungs-Hubschrauber: „Ich saß auf dem Platz von Helmut Kohl, und dieser Sitz war ganz durchgesessen.“

Auf dem Platz von Helmut Kohl

Unvergessen bleiben auch die überörtlichen Einsätze bei Waldbränden in Brandenburg oder beim Hochwasser an der Elbe. Auch große Einsätze in der Region bleiben haften – etwa ausgedehnte Flächenbrände auf dem Truppenübungsplatz Senne, die um ein Haar mehreren Einsatzkräften das Leben gekostet hätten, wären da nicht erfahrene Feuerwehrleute im Spiel gewesen, die in letzter Sekunde das Leben ihrer Kameraden retteten. „Profis erkennt man daran, dass sie im Ernstfall erfolgreich improvisieren können“, bilanziert Wilhelm Hecker.

Für die kommenden Jahre rechnen die vier Kreisbrandmeister mit großen Herausforderungen durch zunehmende Unwettereinsätze mit Flächen- und Waldbränden, Sturm und Hochwasserlagen. Ansonsten wissen sie: „Alles schon mal dagewesen.“ Und damit meinen sie Warnung der Bevölkerung per Sirene oder den Einsatz kleiner, geländegängiger Tanklöschfahrzeuge bei Feld- und Waldbränden.

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