Mit Jutta Schmidt hört die letzte Frau auf: nur noch männliche Ortsvorsteher im Stadtgebiet Büren
„Jetzt sind die Jüngeren dran“

Büren-Brenken -

Die Funktion des Ortsvorstehers im Stadtgebiet Büren ist zu einer reinen Männerdomäne geworden. Zwölf Männer haben jetzt die Ämter inne. Letzte Frau in der Gilde war Jutta Schmidt aus Brenken. Nach 31 Jahren Ratsmitgliedschaft und 21 Jahren als Ortsvorsteherin Brenkens hatte die 66-Jährige bei den Kommunalwahlen nicht mehr kandidiert.

Sonntag, 17.01.2021, 02:10 Uhr
Jutta Schmidt an der Wanderbrücke bei Pommers Schütt in den Almeauen zwischen Brenken und Büren.
Jutta Schmidt an der Wanderbrücke bei Pommers Schütt in den Almeauen zwischen Brenken und Büren. Foto: Hans Büttner

„Es war lange genug, jetzt sind Jüngere dran“, hatte Jutta Schmidt ihren Abschied angekündigt. Neuer Ortsvorsteher ist nun der 35-jährige Matthias Kaup.

Ebenso alt wie Matthias Kaup war Jutta Schmidt, als sie 1989 in die Kommunalpolitik Einlass fand. Dabei war es zunächst überhaupt nicht ihre Absicht, sich aktiv in politischer Funktion zu engagieren. „Mein Mann Ulrich war gebeten worden, für den Kreistag zu kandidieren. Als unterstützende Ehefrau habe ich ihn damals zu einer Versammlung der Brenkener Ortsunion begleitet“, erinnert sich Jutta Schmidt noch sehr gut an ihre Anfänge in der Politik.

Es waren bewegende Zeiten in der Lokalpolitik. In Brenken kämpfte SPD-Mann Gerhard Ossenbrink mit seinen Genossen um die politische Vorherrschaft in der Gemeinde. Johannes Kluthe und Hermann Haneke waren von Seiten der Brenkener CDU-Ortsunion für den Stadtrat nominiert worden. „Sie hatten sich aber nicht über die Reserveliste absichern lassen“, erinnert sich Jutta Schmidt noch gut an den entscheidenden Abend vor dem Wahlkampf. „Nachdem alles geregelt war, wurde ich gefragt, ob ich nicht auch kandidieren möchte. Warum sollte ich nicht, ich war politisch interessiert, und so fand ich mich auf der Reserveliste wieder“, sagt Schmidt. Dann kamen die Wahlen: Die SPD-Kandidaten Gerd Ossenbrink und Klaus Schäpermeier holten weit mehr als 50 Prozent der Stimmen und die Brenkener CDU wurde zum Verlierer. Lediglich Jutta Schmidt schaffte, weil abgesichert, den Einzug in den Stadtrat. Ortsvorsteher wurde Gerd Ossenbrink.

„Der Anfang war nicht leicht, Hilfestellungen gab es kaum, ich musste mich damals erst einmal freischwimmen, Leute kennenlernen, Strukturen durchschauen und Netzwerke knüpfen“, erinnert sich Jutta Schmidt, „so tat es mir richtig gut, als wir 2002 die neue Brücke bei Pommers Schütt eröffnen konnten. Damit wurde endlich der Rundwanderweg fertiggestellt, der schon lange zuvor auf den Weg gebracht worden war.“ Für die junge Kommunalpolitikerin der erste öffentliche Erfolg.

Das Wohlergehen der Bürger lag und liege ihr immer am Herzen. „Ich bin gerne unter Menschen und ich helfe gerne“, sagt die zweifache Mutter.

Jutta Schmidt belässt es nicht bei ihrem Engagement für das Dorf, besonders Menschen in großer Not finden bei ihr immer Unterstützung. 2016 wurde ihr das Bundesverdienstkreuz verliehen, auch als Dank für ihren Einsatz in der Flüchtlingshilfe.

Glücklich ist Jutta Schmidt darüber, dass es in Brenken eine funktionierende Dorfgemeinschaft gibt und sich viele Menschen ehrenamtlich engagieren: „Unser Dorf ist ein lebendes Dorf, wir haben viele Vereine, zahlreiche und schöne Veranstaltungen, und in Brenken kann man auch gut feiern.“

Auch die Infrastruktur in dem 2240 Einwohner zählenden Almedorf sei noch recht passabel. Es gibt einen Arzt, einen Priester, ein Geldinstitut, mehrere Gaststätten, einen Backshop mit Lebensmittelverkauf und auch eine stattliche Anzahl von Handwerksbetrieben. „Was uns fehlt ist ein Supermarkt, ein Discounter“, bedauert Schmidt. Noch zum Ende ihrer Amtszeit als Ortsvorsteherin habe sie Gespräche mit Discountern geführt und dabei durchaus positive Signale erhalten. „Schön wäre es, wenn sich ein Investor finden würde, ein geeignetes Grundstück stünde zur Verfügung“, so die Brenkenerin.

Jutta Schmidt würde es gerne sehen, wenn die Ortsteile bei politischen Entscheidungen eine größere Berücksichtigung fänden und dass die Ortsvorsteherrunde beim Bürgermeister wieder eingeführt wird. Sie selbst wird sich jetzt mehr um ihr Enkelkind kümmern, ihre Arbeit in der Flüchtlingshilfe weiterführen und sich weiterhin als Vize-Vorsitzende des Trägervereins des Mauritiusgymnasium engagieren.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7769851?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198401%2F2851064%2F
Gymnasialeltern fordern Präsenzunterricht für alle
Gymnasialeltern in NRW fordern, dass alle Jahrgänge in den Schulen unterrichtet werden.
Nachrichten-Ticker