Wildschutz beim Mähen – Absprache zwischen Landwirten, Jägern und Lohnunternehmern
Kitz, pass auf!

Delbrück (WB). Beim ersten Grünschnitt des Jahres kommt es auf landwirtschaftlichen Flächen immer wieder zu folgenschweren Begegnungen zwischen Wild und Landmaschinen. Das kann schlimm enden: Tiere werden durch das Mähwerk schwer verletzt oder gar getötet. Doch es geht auch anders...

Mittwoch, 03.06.2015, 11:50 Uhr aktualisiert: 03.06.2015, 12:31 Uhr
Wildschutz beim Mähen –  Absprache zwischen Landwirten, Jägern und Lohnunternehmern : Kitz, pass auf!
Norbert Timmermann (links) und Lohnunternehmer Daniel Deppe besprechen, wie sie Wildtiere beim Mähen vor ihren Maschinen schützen können. Foto: Axel Langer

Das zeigt die  Erfahrung von Landwirt Norbert Timmermann, Jäger Berthold Schulte und Lohnunternehmer Daniel Deppe.
 »Besonders gefährlich für die Tiere sind die ersten Mäharbeiten im späten Frühjahr, da die Jungtiere im hohen Gras kaum erkannt werden«, erläutert Norbert Timmermann, dass gerade im Augenblick bei den Mäharbeiten große Aufmerksamkeit gefragt ist.

»Rehwild ist besonders gefährdet,  gerade auf waldnahen Wiesen.  Gefahr droht aber auch   Fasanengelegen oder den Nestern anderer bodenbrütender Vögel«, umreißt Timmermann. Verschärft wird die Problematik durch das natürliche Verhalten der jungen Rehkitze: Bei Gefahr ducken  sie sich noch tiefer in das Gras, um sich zu verstecken. »Kitze flüchten nicht automatisch« weiß Berthold Schulte.

Gute Erfahrungen haben  Timmermann und  Schulte mit einer ganz einfachen Maßnahme gemacht: Weiße Tüten werden auf dünne Stange gezogen und am Abend vor der Mahd auf der entsprechenden Fläche aufgestellt. »Die Tüten bewegen sich im Wind und rascheln. So wird das Wild von der Fläche vertreiben. Auch Hasen verlassen so die Wiese«, wendet Norbert Timmermann eine altbewährte, aber gut funktionierende Methode an. Je Hektar Fläche werden vier Tüten aufgestellt und nach der Mahd wieder abgebaut. Wichtig ist, dass die Tüten erst am Tag vor der Mahd aufgestellt werden, da sich das Wild sonst an das Geräusch gewöhnt und zurückkehrt.

Neben den Grünlandflächen bieten auch Grünroggenflächen ein großes Gefährdungspotenzial. »Die Schnittroggenflächen werden im frühen Sommer gemäht, da der Roggen noch Grün in die Biogasanlagen kommt«, erläutert Schulte. Allerdings ist diese Methode sehr aufwendig: Die Landwirt müssen mit den Jägern einen Tag vor der Mahd Kontakt aufnehmen, um  genügend Vorbereitungszeit sicherzustellen. »Wenn es dann einen kurzfristigen Wetterumschwung gibt, macht man die Arbeit auch schon mal vergeblich. Wird die Mahd vorgezogen, bleibt einem nichts anders übrig, als die Grünflächen mit Hunden abzusuchen«, liegt Norbert Timmermann der Schutz der Wildtiere am Herzen. Eigens für diese Arbeit kommen ausgebildete Vorstehhunde zum Einsatz. »Die Hunde bleiben dann beispielsweise vor einem Rehkitz stehen und greifen es nicht an. Daher auch der Name«, sagt  Timmermann, der selber entsprechende Hunde ausbildet.

Die Zusammenarbeit klappt nach Auskunft von Berthold Schulte inzwischen gut: »Viele Landwirte und Lohnunternehmer informieren uns im Vorfeld.« Leider gebe es in der Branche aber vereinzelt noch Schwarze Schafe. Wird das Wild nicht vertrieben, droht eine Anzeige wegen des Verstoßes gegen das Tierschutzgesetzt, außerdem droht dem Landwirt eine Prämienkürzung.

Auch Lohnunternehmer Daniel Deppe unterstützt die Maßnahmen zur Wildrettung.  Sein Arbeitsgerät verfügt über einen  Wildwarner. Am Mähwerk ist ein kleiner Kasten angebracht, der Schallwellen aussendet und das  Wild vertreibt. »Bei neun Metern Schnittbreite ist es schwierig, den gesamten Bereich im Blick zu haben, da leisten die Wildwarner gute Arbeit«, so  Deppe. Außerdem hat der Lohnunternehmer aus Mantinghausen in den vergangenen  Jahren seine Arbeitsweise beim Mähen einer Grünfläche verändert:  »Eine Grünfläche wird von innen nach außen gemäht, so dass das Wild Gelegenheit zur Flucht hat.« Liegt die zu mähende Wiese an einem Waldstück, wird vom entferntesten Stück der Wiese aus  auf den Wald zugemäht, so dass Wildtiere in den Wald laufen können und   Zuflucht finden.

»Untersuchungen  haben ergeben, dass dieses Verfahren nicht zeitaufwendiger ist als das alte Verfahren, von außen nach innen zu mähen«, erläutert Deppe. »Keinem Landwirt oder Lohnunternehmer ist der Mähtod von Wildtieren gleichgültig. Es gibt einfache Möglichkeiten, die Mähverluste effektiv zu reduzieren«, wirbt Norbert Timmermann für das Vergrämen des Wildes oder die  am landwirtschaftlichen Gerät angebauten Wildwarner.

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