Delbrück am schwersten betroffen - zwei Hochwassertote in NRW
Millionen-Schäden nach Flutregen in Ostwestfalen

Delbrück (WB/ca/dpa). Hagel, Regen, Sturm und Überschwemmungen haben in der Nacht zum Freitag Verwüstungen in Nordrhein-Westfalen verursacht. Am schwersten traf das Unwetter Delbrück im Kreis Paderborn. In der Stadt sollen Schäden zwischen 25 und 30 Millionen Euro entstanden sein.

Samstag, 11.08.2007, 00:00 Uhr
Gerettet: Züchter Reinhard Franzsander und die THW-Helfer Dieter Tepper (l.) und Rainer Dahm bringen Junghennen in Sicherheit. 8000 Tiere waren auf dem Hof des Delbrückers ertrunken. Foto: Christian Althoff
Gerettet: Züchter Reinhard Franzsander und die THW-Helfer Dieter Tepper (l.) und Rainer Dahm bringen Junghennen in Sicherheit. 8000 Tiere waren auf dem Hof des Delbrückers ertrunken. Foto: Christian Althoff

Bei Arnsberg riss die Regenflut ein Straßenstück fort. Die Golf-Fahrerin blieb unverletzt.

»Wir haben Wohn- und Geschäftshäuser gesehen, bei denen das Wasser einen Schaden von 100.000 Euro zurückgelassen hat«, sagte Delbrücks Wehrführer Reinhard Brand am Freitag.

Innerhalb von zwei Stunden waren am Donnerstagabend in Delbrück 98 Liter Regen pro Quadratmeter niedergegangen. Sonst werden hier im gesamten August nur 89 Liter gemessen. Gottesdienstbesucher wurden Donnerstagabend aufgefordert, in der Pfarrkirche zu bleiben, weil das Wasser vor der Tür bereits knietief stand. Auf einem Bauernhof ertranken 8000 Hennen, hunderte von Kellern mussten leergepumpt werden. In einigen Ortsteilen wurden Bewohner von THW-Helfern geweckt, weil deren Keller bereits unter Wasser standen. Kranke und alte Menschen mussten in der Nacht aus tieferliegenden Häusern in Sicherheit gebracht werden.

100 verängstige Kinder und Jugendliche

350 Feuerwehrleute aus den Kreisen Gütersloh und Paderborn, 150 THW-Kräfte aus Paderborn, Gütersloh und Detmold sowie 55 Helfer des Deutschen Roten Kreuzes waren eingesetzt. »Die Zusammenarbeit hat perfekt geklappt«, lobte Delbrücks Feuerwehr-Vizechef Lothar Mühlbrand. Die Wassermassen hatten allerdings in einigen Stadtteilen so große Flächen überflutet, dass die THW-Kräfte überhaupt keine Chance hatten, das Wasser aus Häusern irgendwohin zu pumpen.

Dramatische Szenen hatten sich Donnerstagabend auch in Nieheim (Kreis Höxter) abgespielt. Dort brachten Feuerwehrmänner 100 verängstige Kinder und Jugendliche in Sicherheit, deren Zeltplatz überschwemmt worden war. Die Mädchen und Jungen aus dem Raum Mainz wurden in einer Schulturnhalle untergebracht. Sie wollen ihre Sommerfreizeit fortsetzen, wenn der Zeltplatz wieder nutzbar ist.

In Arnsberg wurden Autos fortgespült

Nicht einmal 24 Stunden nach den sintflutartigen Regenfällen vom Donnerstag wurde der Kreis Paderborn erneut von Starkregen heimgesucht. Auch am Freitag war Delbrück besonders stark betroffen. Der Ortskern stand erneut teilweise unter Wasser. Die Situation war aber bei weitem nicht so dramatisch wie am Donnerstag. Trotzdem musste die Feuerwehr erneut bei 40 Einsätzen Keller vollgelaufene vom Wasser befreien. Auch in Salzkotten und Büren musste die Feuerwehr zu Wassereinsätzen ausrücken.

In Arnsberg ertrank Donnerstagabend ein 61-jähriger Mann, als er in seinem Keller von einströmendem Wasser überrascht wurde. In Mönchengladbach erlag ein 81-Jähriger, der sich um den Wassereinbruch im Keller kümmern wollte, einem Schwächeanfall. In Arnsberg wurden Autos fortgespült, in der Nähe der Stadt rutschte ein Hang auf die A 46. Sie blieb stundenlang gesperrt. Die Bahnstrecke zwischen Hagen-Letmathe und Siegen-Werdohl wurde gesperrt, weil die Gleise auf 500 Metern unterspült waren.

Am Wochenende sorgt ein Zwischenhoch für Wetterentspannung. Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes werden die Niederschläge an diesem Samstag im Westen aufhören.

 

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