Applaus, Gelächter, zufriedene Gesichter: Wie die Kanzlerin im Zelt in Delbrück-Steinhorst zurechtkommt
Ein Tag zum Wohlfühlen für Angela Merkel

Delbrück (WB). Formell ist es der Auftakt zum Wahlkampfendspurt der CDU für ganz Deutschland. Ganz persönlich ist es ein Wohlfühltermin für Angela Merkel.

Montag, 11.09.2017, 11:20 Uhr aktualisiert: 11.09.2017, 12:38 Uhr
Das Schlussbild der Volkspartei: Ralph Brinkhaus, Hermann Gröhe, Angela Merkel, Carsten Linnemann und Annegret Kramp-Karrenbauer mit Schwester Arnoldis, Schwester Birgit und Schwester Mechthildis von der Kongregation der Franziskanerinnen in Salzkotten. Foto: Oliver Schwabe
Das Schlussbild der Volkspartei: Ralph Brinkhaus, Hermann Gröhe, Angela Merkel, Carsten Linnemann und Annegret Kramp-Karrenbauer mit Schwester Arnoldis, Schwester Birgit und Schwester Mechthildis von der Kongregation der Franziskanerinnen in Salzkotten. Foto: Oliver Schwabe

Auch die Seele der mächtigsten Frau der Welt will mal gestreichelt werden.  Tomaten in Heidelberg, Trillerpfeifen in Finsterwalde, Randale in Wolgast –  da kommt man gern nach Delbrück-Steinhorst .

Hier warten die Fans zu Tausenden,  und die Störer sind an einer Hand abzuzählen . Ein paar Kritiker tragen draußen weit vor dem Zelt ihre Meinung zur Schau, Merkel müsse ins Gefängnis. Die Wirkung ist eng begrenzt. Die meisten Besucher bekommen davon gar nichts mit.

Erst Klönen dann Wahlkampf

Bundeskanzlerin Angela Merkel in Steinhorst

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  • Bundeskanzlerin Angela Merkel und NRW-Ministerpräsident Armin Laschet im Festzelt.

    Foto: Friso Gentsch/dpa
  • Am Vormittag ist das Interesse bereits groß am Besuch der Kanzlerin.

    Foto: Besim Mazhiqi
  • Die Besucher warten auf den Einlass ins Festzelt.

    Foto: Besim Mazhiqi
  • Lange Schlange vor dem Festzelt – im Hintergrund Wahlplakate.

    Foto: Besim Mazhiqi
  • »Willkommen in Steinhorst« heißt es für Merkel.

    Foto: Besim Mazhiqi
  • Blick aufs Festzelt am Sonntagmorgen.

    Foto: Besim Mazhiqi
  • Vor dem Festzelt ist viel los.

    Foto: Ingo Schmitz
  • Bläser des Musikvereins »Cäcilia Ostenland«.

    Foto: Ingo Schmitz
  • Foto: Besim Mazhiqi
  • Angela Merkel ist angekommen.

    Foto: Besim Mazhiqi
  • Helmut Kersting aus Steinhorst.

    Foto: Ingo Schmitz
  • Eine Nonne mit einem »Angela Merkel«-Transparent.

    Foto: Friso Gentsch/dpa
  • »Voll muttiviert« in Steinhorst.

    Foto: Ingo Schmitz
  • Angela Merkel ist im Festzelt angekommen.

    Foto: Friso Gentsch/dpa
  • Foto: Besim Mazhiqi
  • Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU)

    Foto: Friso Gentsch
  • Bundeskanzlerin Angela Merkel und NRW-Ministerpräsident Armin Laschet.

    Foto: Friso Gentsch/dpa
  • Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) steht nach ihrer Rede mit Parteifreunden auf der Bühne.

    Foto: Friso Gentsch
  • Elmar Brok ist auch vor Ort.

    Foto: Oliver Schwabe
  • Im Zelt gibt es Blasmusik.

    Foto: Oliver SchwabeOliver Schwabe
  • Die Zuschauer klatschen Beifall.

    Foto: Oliver Schwabe
  • Die Merkel-Raute dient als Plakatvorlage.

    Foto: Besim Mazhiqi
  • Angie hat Angie getroffen.

    Foto: Besim Mazhiqi
  • Auch vor dem Zelt wird das Publikum mit Musik unterhalten.

    Foto: Besim Mazhiqi
  • Wer die Kanzlerin nicht persönlich getroffen hat, macht ein Foto von der Liveübertragung nach draußen.

    Foto: Besim Mazhiqi

Anders als bei Auftritten in der zurückliegenden Woche wird auf dem Schützenplatz nicht rumgebrüllt. Hier stellt man sich gesittet in die Warteschlange vorm Zelteingang. Erst Klönen in der Mittagssonne, dann geduldiges Warten auf den Holzklappstühlen an den Tischen.

Das Lauteste ist noch die krankheitsbedingt brüchige Stimme des CDU-Wahlkreiskandidaten Carsten Linnemann, der kurz nach 13 Uhr die Begrüßungsworte spricht. Linnemann heizt die Stimmung derart an, dass man sich fragt, was jetzt noch kommen kann.

Linnemann als Anheizer

Steinhorst stehe stellvertretend für den ländlichen Raum in ganz Deutschland, sagt der Bundesvorsitzende der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung (MIT) der CDU/CSU. Jubel.

Er spricht über die vielen Vereinsmitgliedschaften und das ehrenamtliche Engagement der Menschen hier: »Die fragen nicht nach dem Staat, die packen selber an!«. Noch mehr Jubel. Nach der Überleitung zur Kanzlerin feiert das Zelt den Lokalmatadoren, der alles aus sich herausgeholt hat, was die Gesundheit hergibt. Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe wird ihm später scherzhaft zur Zweitstimme raten. Nach Linnemann hat die Wahlkampfregie ruhigere Passagen vorgesehen. Kommt die Stimmung zurück, wenn die Kanzlerin spricht?

Merkel mal witzig

Kein Problem, die Menschen hängen an ihren Lippen. Und freuen sich, dass die im Fernsehen oft so spröde Regierungschefin hier auch mal witzig ist. Dass sie einmal vom »Münsterland« spricht – geschenkt. Dass sie mit der Moderatorin der Kundgebung nicht recht harmoniert – egal.

Merkel bringt den Wahlkampfbestseller von den drei Landtagswahlsiegen in Serie (Saarland, Schleswig-Holstein, Nordrhein-Westfalen) und dass jetzt der Bund und Niedersachsen folgen sollen. Dafür sind fast alle Hauptdarsteller nach Steinhorst gekommen. Der schleswig-holsteinische Ministerpräsident Daniel Günther habe auch zugesagt, aber dann: »Dann kam raus, er läuft heute in Kiel ... Marathon, Halbmarathon, irgendwas jedenfalls, was ich nicht kann.«

Gelächter. Nach einer guten Minute Merkelrede ist klar: Der Auftritt in der »hochburgigsten Hochburg« (CDU-Bezirkschef Ralph Brinkhaus) ist das heimspieligste Heimspiel.

Zuhörer finden sich wieder

Merkel kokettiert mit den schon zwölf Jahren, die sie an der Macht ist. Bei einem Besuch 2005 hätte im Zelt noch niemand ein Smartphone gehabt, sagt sie. Heute dagegen hätten bestimmt viele Zuhörer beim Abendessen Probleme, ihre Kinder vom Handy zu trennen. Nicken in den Reihen. Die Zuhörer finden sich wieder.

Merkel gibt solchen Geschichten Raum. Weltpolitik wie die Nordkoreakrise dagegen hält sie heute knapp. »Wir halten nur eine diplomatische Lösung für vertretbar«, sagt sie. In der »Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung« hatte sie noch angedeutet, dass Deutschland wie im Atomstreit mit dem Iran selbst vermitteln könnte: »Wenn unsere Beteiligung an Gesprächen gewünscht wird, werde ich sofort ja sagen.«

Die Kanzlerin ganz routiniert

Die Flüchtlingspolitik referiert sie routiniert. Die Nachricht, die sie in Steinhorst produziert, betrifft die Türkei. Auf die »Reisewarnung« aus Ankara kontert sie mit einer Beschreibung der deutschen Reise- und Meinungsfreiheit. Viel Applaus. Noch mehr für ein Bekenntnis zu Europa, das »größte Friedenswerk, das es je auf dem Kontinent gegeben hat«.

Einmal streift Merkel die viele Kritik, die ihr andernorts entgegenschlägt. Sie möge den Menschenschlag in ländlichen Regionen, erzählt sie. So seien die Ostwestfalen den Menschen in ihrer Heimat, der Uckermark, nicht unähnlich: Diese seien »vergleichsweise schweigsam, im Vergleich zu den Sachsen zum Beispiel.« Gelächter.

»Die CDU hat keine einzige Stimme zu verschenken«, sagt Merkel gegen Ende bei ihrem Wahlaufruf. Glaubt man Ralph Brinkhaus, wird ihr da niemand einen Vorwurf machen können. Er stellt fest: »Hier geht heute keiner aus dem Zelt raus, der nicht begeistert ist.« Die Parteivorsitzende selbst sieht auch so aus. 

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