Delbrücker Autozulieferer wird von AG zur KGaA – Frers sichert seinen Einfluss
Paragon ändert Rechtsform

Delbrück (WB). Gegen Kritik von Aktionärsschützern und Gegenstimmen von Kleinanlegern wechselt der Autozulieferer Paragon seine Rechtsform: Die Delbrücker Aktiengesellschaft (AG) wird zur Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA). Damit sichert Gründer Klaus Dieter Frers den Einfluss seiner Familie für die Zukunft. Und die soll großartig werden.

Mittwoch, 09.05.2018, 06:00 Uhr
Paragon-Gründer und Vorstandschef Klaus Dieter Frers (links) hätte bei der Hauptversammlung die notwendige Mehrheit für den Rechtsformwechsel alleine zustande gebracht. Er wird den Delbrücker Konzern auch künftig mit Stefan Schwehr führen. Foto: Besim Mazhiqi
Paragon-Gründer und Vorstandschef Klaus Dieter Frers (links) hätte bei der Hauptversammlung die notwendige Mehrheit für den Rechtsformwechsel alleine zustande gebracht. Er wird den Delbrücker Konzern auch künftig mit Stefan Schwehr führen. Foto: Besim Mazhiqi

Die notwendige 75-Prozent-Mehrheit für den Rechtsformwechsel wurde am Dienstag bei der Hauptversammlung mit 86,46 Prozent der Stimmen erreicht. Angesichts der Präsenz von nur 62 Prozent des Grundkapitals sorgte allein Mehrheitsaktionär Frers, der 50 Prozent plus eine Aktie an Paragon hält, für 80,48 Punkte.

Frers will mit Unternehmen in neue Dimensionen vorstoßen

Frers will mit dem 1988 gegründeten Unternehmen in ganz neue Dimensionen vorstoßen. Er nannte die Schaffung neuer Führungsstrukturen für das weitere Wachstum, das Vermeiden von Interessenskonflikten seiner Familie bei möglichen Kapitalerhöhungen, die zu einem Verlust der Mehrheit führen könnten, sowie die Abwehr von Übernahmeversuchen als Gründe für die Umwandlung.

Die hat zur Folge, dass die Geschäftsführung der KGaA durch eine neue Paragon GmbH als persönlich haftende Gesellschafterin gestellt wird. Die Anteile der GmbH liegen zu 100 Prozent bei der Familie Frers, die dann auch die Geschäftsführung einsetzt. Als Geschäftsführer sollen die bisherigen Vorstände Klaus Dieter Frers und Dr. Stefan Schwehr fungieren. »Das Wechselspiel des familienorientierten, aber börsennotierten Mittelständlers ist ein wesentliches Rezept des Paragon-Erfolgs«, erklärte Frers.

»Der Rechtsformwechsel beschneidet die Eigentumsrechte der übrigen Aktionäre und stärkt die Macht von Klaus Dieter Frers«, stellte Christian Rettkowski von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) fest. Gleichwohl hielt Rettkowski es Paragon und Frers zugute, »dass die Ausgestaltung der Umwandlung einigermaßen aktionärsfreundlich« erfolge. »Und faktisch ist der Einfluss von Klaus Dieter Frers als Mehrheitsaktionär schon heute ähnlich.«

Anfechtungsklagen sind möglich

Im Auftrag dreier Aktionäre gab Rettkowski Widerspruch zum Beschluss zu Protokoll. Damit sind Anfechtungsklagen möglich.

Auch Ulrich Back als Vertreter der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) kritisierte die KGaA-Umwandlung zulasten der freien Aktionäre. Sie führe zu weniger Transparenz.

Derweil lobten beide die Entwicklung der Paragon AG – trotz eines Nettoverlusts von 657.000 Euro. Geht es nach Frers, war das Jahr 2017 mit dem Börsengang der Tochter Voltabox nur ein bedeutender Zwischenschritt. Der Umsatz von zuletzt 124,8 Millionen Euro soll »in wenigen Jahren« auf 500 Millionen steigen. In Delbrück soll bis 2020 auf einem von Voltabox gekauften Areal eine »Paragon-Welt« entstehen, in der die bislang sieben Standorte in der Stadt gebündelt werden. Die Zahl der Mitarbeiter in Delbrück könne von 269 auf 500 steigen, im Konzern von 808 auf über 1000.

Mit einem Carsharing-Modul zur Nutzerprüfung, einem Feinstaubfilter und Zukunftsthemen wie einem Streamingdienst für Mehrkanal-Musik sei Paragon auf dem Weg vom Zulieferer zum Systemanbieter. Von 2015 bis 2017 sei mit dieser Strategie der Produktpreis im Schnitt um 25 Prozent gestiegen. Der Konzern verfüge über ein Orderbuch von zwei Milliarden Euro bis 2022, die Hälfte entfällt auf Voltabox. Je Aktie zahlt Paragon 25 Cent Dividende.

Wachstum im ersten Quartal dank Voltabox – aber Verlust

Im ersten Quartal 2018 hat Paragon seine Umsätze zum Vorjahr um fast ein Drittel auf 34,2 Millionen Euro gestiegen – ein Rekordwert. Dabei büßte das Stammgeschäft der Elektroniksparte sogar 3,9 Prozent auf 21,7 Millionen Euro ein. Wachstumstreiber war die Übernahme der Karosseriekinematikfirma HS Genion, wodurch in diesem Bereich der Umsatz von 0,8 auf 7,5 Millionen stieg. Die auf E-Mobilität spezialisierte Tochter Voltabox verdoppelte den Umsatz auf 5,1 Millionen. Der Konzerngewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) wuchs um fast 20 Prozent auf 1,6 Millionen. Unterm Strich steht aber ein Verlust von 0,3 Millionen – nach einem Vorjahresplus von 100.000 Euro.

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