So., 21.10.2018

Karnevalverein Delbrück dankt Wigbert Rath – Peter Josephs ist neuer Vorsitzender »Mit Gold nicht zu bezahlen«

Rolf Schröder (rechts), Präsident des Bundes Westfälischer Karneval sowie (von links) Lars Rodewald (neuer 2. Vorsitzender des KV Eintracht Delbrück ) und der neue Eintracht-Vorsitzende Peter Josephs bedankten sich bei Wigbert Rath für den langjährigen herausragenden Einsatz und überreichten dessen Ehefrau Maria Pottmeier-Rath einen herbstlichen Blumenstrauß.

Rolf Schröder (rechts), Präsident des Bundes Westfälischer Karneval sowie (von links) Lars Rodewald (neuer 2. Vorsitzender des KV Eintracht Delbrück ) und der neue Eintracht-Vorsitzende Peter Josephs bedankten sich bei Wigbert Rath für den langjährigen herausragenden Einsatz und überreichten dessen Ehefrau Maria Pottmeier-Rath einen herbstlichen Blumenstrauß. Foto: Jürgen Spies

Von Jürgen Spies

Delbrück (Wb). Eine lange und überaus erfolgreiche Ära im ältesten und mitgliederstärksten Karnevalverein im Bund Westfälischer Karneval (BWK) ist am Freitagabend zu Ende gegangen: Nach 24 Jahren an der Spitze des Delbrücker Karnevalvereins »Eintracht von 1832« hat sich Vorsitzender Wigbert Rath nicht erneut zur Wahl gestellt. Neuer Vorsitzender des KV Eintracht (aktuell 1104 Mitglieder) ist der bisherige Vize Peter Josephs.

Narrenschar sagt Danke

Zwar hatte Wigbert Rath seinen Rückzug in die Reihen des Elferrates schon vor Monaten angedeutet, doch als er jetzt in der Stadthalle vor der Narrenschar am Mikrofon stand und während der Generalversammlung seinen Abschied vom Vorstandsposten kurz erläuterte, musste er sich mehrfach räuspern, versagte ihm fast die Stimme, hatte er Tränen in den Augen. »Es fällt mir nicht ganz leicht. Es war eine schöne Zeit, die mir großen Spaß gemacht hat. Ich lass es jetzt langsamer angehen«, sagte der 55-Jährige, der allen großen Dank für die Unterstützung und Mithilfe in all den Jahren aussprach.

»Er hat es verdient!«

Diesen Faden griff Ehrenpräsident Reinhold Hartmann in seiner Laudatio auf: »Wigbert Rath hat sich nie in den Vordergrund gedrängt, er hat sich vielmehr immer wieder und bei jeder Gelegenheit bedankt. Heute ist es an der Zeit, dass wir uns bei ihm bedanken! Er hat es verdient.«

Mitgliederzahl fast verdoppelt

Dass Wigbert Rath unter anderem aus gesundheitlichen Gründen den Vorsitz nach fast einem Vierteljahrhundert nun niederlege, sei verständlich, mache aber auch traurig, denn »die Lücke, die du hinterlässt, wird nicht so einfach zu schließen sein. Der KV Eintracht verdankt dir so viel, du hast viele Impulse gegeben, hast regelrecht geackert, musstest in deiner Amtszeit etliche schwierige Entscheidungen treffen und dich mit heiklen Themen befassen. Unter deiner Führung wuchs die Mitgliederzahl des Vereins um fast 86 Prozent – von 592 auf jetzt mehr als 1100. Wir verlieren einen perfekten Vorsitzenden, der aber auch schon mal – wenn es sein musste – Ecken und Kanten haben konnte. Schön, dass du dem Elferrat künftig nach wie vor mit Rat und Tat zur Seite stehen wirst. Genieße es, dass du jetzt alles etwas entspannter und lockerer erleben kannst.«

Schon als kleiner Junge Karnevalist

Einige Stichpunkte zeigen, dass Wigbert Rath eben mehr geleistet hat, als »nur« 24 Jahre Vorsitzender zu sein: 1972 hatte er als kleiner Junge erstmalig am damals neu ins Leben gerufenen Kinderzug teilgenommen. Zusammen mit seinem Kumpel und langjährigen karnevalistischen Wegbegleiter Heiner Kleine mimte er beim Umzugsmotiv »Hoch auf dem gelben Wagen« eines der beiden Pferde, die die kleine Kutsche zogen. Von 1976 bis 1980 war er Mitglied der damaligen Jugendtanzgruppe, von 1980 bis 1988 Tanzmajor. Tanzpartnerin war Astrid Wilmes. Zusammen mit Heiner Kleine und Manuela Gähl hatte der KV Eintracht damals ein Doppelpaar, das auch überregional erfolgreich war (2. Platz bei der Westfalenmeisterschaft).

Kranzkönig im Jahr 1983

1983 errang Rath die Würde des Kranzkönigs beim historischen Kranzreiten, der ältesten und wichtigsten Tradition in der schon 186 Jahre währenden Geschichte des Karnevalvereins. Zur Kranzkönigin erwählte er seine damalige Freundin (und heutige Ehefrau) Maria Pottmeier-Rath. 1985 wurde er in den Elferrat gewählt, 1994 zum Vorsitzenden als Nachfolger von Albert Wilmes.

BWK-Orden in Gold

Am Freitagabend war auch der Präsident des BWK, Rolf Schröder, nach Delbrück gekommen. »Ich habe erst vor drei Wochen zufällig erfahren, dass Wigbert Rath heute verabschiedet wird. Da hab’ ich mir gesagt: Da musst du unbedingt dabei sein und ebenfalls Danke sagen für die außerordentlich gute Zusammenarbeit zwischen dem BWK und dem KV Eintracht, aber auch ganz persönlich mit dir, Wigbert.«

Freundschaft mit amüsantem Hintergrund

Schröder und Rath kennen sich seit Jahrzehnten und pflegen eine Freundschaft, die über eine größere räumliche Distanz schon lange hält. Ein amüsanter Hintergrund: »Rolf war in den 80er Jahren ebenfalls Tanzmajor und hat Astrid und mir damals bei der Westfalenmeisterschaft mit seiner Tanzpartnerin den Titel vor der Nase weggeschnappt...«, berichtete der scheidende Vorsitzende, der nun aus den Händen von Rolf Schröder den BWK-Verdienstorden in Gold überreicht bekam. Etliche andere herausragende Ehrungen, auch seitens des Bundes Deutscher Karneval (BDK), hatte Wigbert Rath schon vor Jahren, erhalten. Weitere Dankesreden hielten Christiane Grothoff-Kowalewski als Sprecherin des Damenelferrates des KV Eintracht, Josef We­sterhorstmann als Sprecher des Kranzkönigsclubs und Michaela Goer-Rodewald als Sprecherin des Kranzköniginnenclubs. Rosen überreichte die Prinzengarde, angeführt von Tochter Judith Rath.

Stadtkapelle spielt passendes Lied

Ehe es schließlich zur Wahl des neuen Vorstandes kam, nutzte Wahlleiter Meinolf Päsch ebenfalls die Gelegenheit zu einem Rückblick. »Wir hatten in den vergangenen Jahrzehnten schließlich viele Berührungspunkte rund um den Karneval«, sagte der ehemalige Delbrücker Bürgermeister, ehemalige Kranzkönig und Prinz Karneval sowie heutige Vorsitzende der Demag. Päsch strich insbesondere das große Verantwortungsbewusstsein und den Weitblick des scheidenden Vorsitzenden heraus. Die Stadtkapelle unter der Leitung von Gregor Hüllmann spielte Wigbert Rath zu Ehren das passende Lied »Der Junge aus Westfalen ist mit Gold nicht zu bezahlen.«

Ein Paar «große Schuhe«

Einstimmig wählte die Versammlung den bisherigen 2. Vorsitzenden des KV Eintracht, Peter Josephs, zum neuen Chef. Der 54-Jährige, Mitglied seit 1979, verfügt ebenfalls über eine lange und herausragende Karnevals-Vita. Der ehemalige Kranzkönig (1992) gehört seit 1993 dem Elferrat an, seit 1994 dem geschäftsführenden Vorstand, zunächst als stellvertretender Schriftführer, danach längere Zeit als Schriftführer und seit 2012 als Vize-Vorsitzender. Peter Josephs: »Ich habe mir in den vergangenen Wochen schon ein paar mal gedacht: Das sind aber große Schuhe, in die du jetzt schlüpfen musst! Und das hat nichts damit zu tun, dass ich nur Schuhgröße 39 habe und Wigbert 43.« Größere Veränderungen wird es unter der Leitung von Peter Josephs nicht geben, denn: »Wir sind seit langem auf einem guten Kurs, solide und sicher aufgestellt.« Erste Amtshandlung des neuen Chefs war der einstimmig angenommene Vorschlag, Wigbert Rath zum Ehrenvorsitzenden zu ernennen.

Büttenredner-Qualitäten

Neuer 2. Vorsitzender ist Lars Rodewald, Kranzkönig 2003 und Elferratsmitglied seit 2004. Mit seiner launig-spontanen Rede zum Amtsantritt bewies er am Freitag übrigens echte Büttenredner-Qualitäten.

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