Mi., 05.12.2018

Delbrücker Unternehmen fertigt Isetta-ähnlichen Zweisitzer in Serie Knutschkugel aus OWL: Artega baut E-Kabinenroller

Die Delbrücker Autoschmiede Artega fertigt künftig elektrische Stadtflitzer im Stil der aus den 50er Jahren bekannten Kabinenroller, die den Beinamen Knutschkugel trugen.

Die Delbrücker Autoschmiede Artega fertigt künftig elektrische Stadtflitzer im Stil der aus den 50er Jahren bekannten Kabinenroller, die den Beinamen Knutschkugel trugen.

Von Oliver Horst

Delbrück (WB). Die Delbrücker Autoschmiede Artega fertigt künftig elektrische Stadtflitzer im Stil der aus den 50er Jahren bekannten Kabinenroller, die den Beinamen Knutschkugel trugen.

1,50 Meter breit, 2,40 Meter lang – und ein Frontausstieg statt Seitentüren: Optisch ähnelt der »Microlino« legendären Kabinenrollern wie der Isetta aus den 1950er Jahren – aber unter der Haube des Mikrowagens steckt modernste Technik: Die Autoschmiede Artega wird den Elektro-Zweisitzer künftig in Delbrück in Serie bauen. Für den ab 12.000 Euro erhältlichen Stadtflitzer liegen mehr als 10.000 Reservierungen vor.

Die Fertigungsrechte für das »knuffige Fahrzeug zum Liebhaben« hat das von Auto-Enthusiast Klaus Dieter Frers geführte Unternehmen durch die Übernahme der zur italienischen Tazzari-Gruppe gehörenden Mikroautosparte Tecno Meccanica Imola (TMI) erworben. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Maßgeblich entwickelt wurde der Wagen von der Schweizer Micro Mobility Systems AG, die als Erfinder der zusammenfaltbaren Tretroller und Kickboards um die Jahrtausendwende weltweit Erfolg hatte.

Was zunächst eher Marketinggag war, erlangte in Zusammenarbeit mit TMI schließlich Serienreife.

Microlino auf die Straße bringen

Artega soll den Microlino jetzt auf die Straße bringen. Dazu investiert die bislang für exklusive Sportwagen bekannte Autoschmiede drei Millionen Euro in Anlagen und eine 3000 Quadratmeter große Halle auf dem früheren Areal des insolventen Möbelherstellers Nolte in Delbrück. Auf dem Rest des Geländes wollen der von Frers geführte Autozulieferer Paragon und dessen auf Batteriesysteme für E-Mobilität spezialisierte Tochter Voltabox ihre bislang sieben Standorte in der Stadt bis 2020 zusammenführen.

Derzeit bringen Lastwagen Montageanlagen und Teile von TMI in Imola nach Delbrück. Im Januar sollen hier die Arbeiten für die letzte Vorserienproduktion von 25 Microlino-Autos anlaufen. »Wir wollen ihm noch den letzten Schliff geben«, sagt Frers. »Im Frühjahr wird die Serienproduktion starten.« 50 Mitarbeiter sollen dann zunächst pro Jahr rund 8000 Stück des Stadtflitzers bauen. »Bei Bedarf haben wir Erweiterungsmöglichkeiten.«

Verbindlich im deutschsprachigen Raum und Italien

Verbindlich sind die bislang vor allem aus dem deutschsprachigen Raum und Italien, aber auch aus Übersee vorliegenden Reservierungen für den Wagen nicht. Wenn die Interessenten, die sich im Internet registrieren können, bestellen, wird eine Anzahlung fällig. Vertrieb und Service werden komplett vom Schweizer Partner Micro Mobility organisiert.

»Wir konzentrieren uns auf unsere Kompetenzen Entwicklung und Autobau«, spricht Frers von einer idealen Arbeitsteilung. Für Wartung und Reparaturen in der Schweiz, wohin die ersten Fahrzeuge ausgeliefert werden sollen, hat Micro Mobility bereits einen Vertrag mit dem Werkstattnetz von Bosch abgeschlossen. Eine solche Zusammenarbeit ist auch für andere Länder geplant – allen voran für Deutschland.

Fahrzeugklasse »L7e«

Der Microlino als Wagen der Fahrzeugklasse »L7e«, deren prominentester Vertreter der Renault »Twizy« ist, sei kein vollwertiges Auto für längere Strecken. »Es ist ein kleiner, flinker Stadtflitzer, perfekt zum Parken, mit Kofferraum und für seinen Zweck absolut ausreichend«, sagt Frers. Abhängig von der Kapazität der zwei Batterievarianten komme er auf 125 oder 200 Kilometer Reichweite und eine Spitzengeschwindigkeit von 90 Stundenkilometern.

»Er zieht gut an, beschleunigt von Null auf 50 in fünf Sekunden«, sagt Frers. Im Wettbewerb weise der Microlino Vorteile auf – auch preislich. Die Batterie lasse sich an jeder Haushaltssteckdose in vier bis sechs Stunden aufladen. Mit einem speziellen Stecker verkürzt sich die Ladezeit auf eine Stunde.

Während in Deutschland für den Microlino ein Autoführerschein nötig ist, sei in vielen anderen europäischen Ländern ein Mofaführerschein ausreichend, sagt Frers. Für »L7e«-Fahrzeuge sind weder Airbags noch Sicherheitssysteme wie ABS oder ESP verpflichtend vorgeschrieben. »In Weiterentwicklungen könnte dies aber einfließen«, erklärt Frers. Crashtests habe das Fahrzeug »ganz propper überstanden«. 

Geprüft werde für die Zukunft auch der Einsatz von Komponenten von Paragon oder Voltabox. Speziell die Batteriemodule von Voltabox will Frers möglichst bald einbauen. Und den Microlino damit noch mehr zu einem Wagen aus der »Autostadt Delbrück« machen. »Mit dem kleinen Stadtauto wollen wir unser Angebot nach unten abrunden und in das interessante Marktsegment einsteigen«, sagt Frers. Gerade in der Stadt gehöre der E-Mobilität die Zukunft.

Der neue Artega Elektro-Sportwagen »Superelletra« mit 1000-PS-Antrieb soll indes als Prototyp Mitte 2019 fahrbereit sein und 2020 zu Kunden rollen.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Mehr zum Thema

Anzeige


https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6235427?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198401%2F2851065%2F