Fr., 07.12.2018

Dokumentarfilmprojekt über Hövelhofer Weltenbummler Heinz Stücke Der Mann, der alles sehen wollte

Die Hüfte macht nicht mehr so richtig mit. Auch deshalb kehrte Heinz Stücke im Jahr 2014 nach 52 Globetrotter-Jahren nach Hövelhof zurück. In seiner Wohnung hat das Fahrrad, mit dem er rund 480.000 der insgesamt 648.000 Kilometer abspulte, einen Ehrenplatz: Das »Dreigang-Torpedo Triepad«, einst hergestellt bei Trienens in Paderborn, erwies sich als äußerst stabil.

Die Hüfte macht nicht mehr so richtig mit. Auch deshalb kehrte Heinz Stücke im Jahr 2014 nach 52 Globetrotter-Jahren nach Hövelhof zurück. In seiner Wohnung hat das Fahrrad, mit dem er rund 480.000 der insgesamt 648.000 Kilometer abspulte, einen Ehrenplatz: Das »Dreigang-Torpedo Triepad«, einst hergestellt bei Trienens in Paderborn, erwies sich als äußerst stabil. Foto: Jürgen Spies

Von Jürgen Spies

Hövelhof (WB). Der Hövelhofer Weltenbummler Heinz Stücke (76) hat noch viele Ideen – und einen ganz besonderen Wunsch: »Dass der Dokumentarfilm über mich und weite Teile meines Lebens zustande kommt«. Das Filmprojekt ist längst angelaufen; nun aber fehlen ein paar tausend Euro, um der 90-minütigen Dokumentation, die international gezeigt werden soll, den letzten Schliff zu geben.

Gedreht wird der Film mit dem Arbeitstitel »The Man Who Wanted To See It All« (übersetzt: »Der Mann, der alles sehen wollte«) von Albert Albacete, einem 57-jährigen Spanier, den Stücke 1983 in Barcelona kennengelernt hatte. Damals war Albacete noch junger Bank­angestellter und kein Dokumentarfilmer.

Sie teilten sich eine Zeit lang eine Wohnung, und aus diesem kurzen gemeinsamen Aufenthalt entstand eine besondere Freundschaft. Dennoch verliefen sich recht bald ihre Wege, weil sich Heinz Stücke wieder still weiter auf den Weg per Fahrrad um die Welt machte.

Vor Jahrzehnten in Hongkong: Heinz Stücke musste dort sein geliebtes Torpedo-Triepad reparieren lassen.

»Albert und ich haben uns aber vor einiger Zeit zufällig wieder getroffen – anlässlich einer Zweiradausstellung in Barcelona«, berichtet der Hövelhofer, der von 1962 bis 2014 mehr als ein halbes Jahrhundert lang praktisch ununterbrochen unterwegs war, dabei 648.000 Kilometer auf dem Fahrrad zurücklegte (das WV berichtete mehrfach), 196 Länder der Erde und 86 Territorien bereiste, auf eigene Faust erkundete und einige Jahre als »weitestgereister Mann der Welt« im Guinness-Buch der Rekorde stand.

Beim Wiedersehen äußerte Stücke schließlich den Wunsch zu einem Filmprojekt. Der spanische Dokumentarfilmer weiß, dass Heinz Stücke seine beispiellose Reise um den Globus bildlich dokumentiert hat auf mehr als 100.000 Fotos und Dias, textlich auf rund 15.000 eng beschriebenen Tagebuchseiten und außerdem die ganzen Erlebnisse, Eindrücke sowie Begegnungen mit Menschen in seinem Gedächtnis abgespeichert hat, abrufbar wie auf einer Computer-Festplatte. Stückes Freund Albert Albacete hat deshalb nicht vor, 52 Jahre Reisezeit in einem 90-minütigen Film schildern zu wollen.

Filmteam war schon mehrfach in Hövelhof

»Es wird hauptsächlich um meine Motivation gehen, die mich über ein halbes Jahrhundert immer wieder angespornt hat, immer weiter zu fahren; um die ganze Philosophie, die dahinter steckt«, erzählt Heinz Stücke.

Gleichwohl wird der Film natürlich auch einige der beeindruckenden Reisefotos zeigen, aber auch zu Stückes Wurzeln zurückkehren: »Das Filmteam war schon mehrfach in Hövelhof. Unter anderem gab es ein Interview mit meinem Freund seit Kindertagen, Bruno Meier, in dessen Betrieb ebenfalls schon gedreht wurde.«

Albert Albacete selbst fasst sein Filmprojekt so zusammen: »Indem wir die Geschichte des Mannes erzählen, der alles sehen wollte, müssen wir dies tun, während wir seine Essenz bewahren, die eines schönen und außergewöhnlichen Abenteuers. Wir möchten der Dokumentation einen eigenen Stil der Filmproduktion geben, die technischen und ästhetischen Aspekte berücksichtigt.«

7500 Euro fehlen zur Filmfinanzierung

Zum Finanzierung schlug Albacete vor, dies über das Modell des Crowdfunding zu tun (Infos dazu im nebenstehenden Infokasten). Daran können sich alle Interessierten beteiligen; auch kleinere Beträge sind willkommen. Das Geld wird benötigt, um in Ton- und Bildnachbearbeitung, Originalmusik, Grafikdesign, Schnitt- und Vertriebskopien etwas Hochwertiges herstellen zu können.

Heinz Stücke: »Ich werde mich durch den Film finanziell in keiner Weise bereichern. Darum geht es mir nicht. 125 Unterstützer haben sich bereits beteiligt. Aktuell fehlen noch knapp 7500 Euro. Die Aktion endet bereits am Mittwoch, 12. Dezember. Wer mehr wissen möchte, sollte im Internet bei Google einfach die Begriffe »kickstarter man who wanted« eingeben, dann muss man nicht lange suchen und landet sofort an der richtigen Stelle.«

Im Laufe seiner jahrzehntelangen Reise um die Welt hat Stücke, der in dieser Zeit mehrere Sprachen autodidaktisch erlernt hat – darunter Englisch perfekt – rund 3000 Adressen von Menschen gesammelt, mit denen er mehr als nur ein paar Sätze gesprochen hat. Menschen, die ihn beeindruckt haben, Menschen, die ihm behilflich waren. Einige Adressen hat er dem Filmemacher Albacete gegeben, der wiederum einige wenige besucht hat, um diese für die Dokumentation über Heinz Stücke zu interviewen.

Nach Angaben des Hövelhofers möchte Albert Albacete den Film, wenn er fertiggestellt ist, für ein Filmfestival anmelden. »Darüber werden aber eh noch Juroren entscheiden«, hat Stücke erfahren.

Crowdfunding

Mit Crowdfunding lassen sich Projekte, Produkte, Startups und vieles mehr finanzieren. Das Besondere beim Crowdfunding ist, dass eine Vielzahl an Menschen ein Projekt finanziell unterstützt. Crowdfunding-Projekte werden meist über das Internet organisiert. Oftmals gibt es eine im Vorfeld definierte Mindestsumme, die in einem festlegten Zeitraum erreicht werden muss, damit das Crowdfunding erfolgreich ist und das Projekt realisiert wird. Beim klassischen Crowfunding erhalten Unterstützer eine nicht-finanzielle Gegenleistung (Dankeschön).

Bislang hat die Aktion bereits über 10.000 Euro von gewünschten 15.000 Euro erreicht (Stand Freitag, 7. Dezember).

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