Do., 07.02.2019

Fachleute der Bezirksregierung nehmen Stellung zur Realschuldebatte in Delbrück »Rein rechtlich ist das möglich«

Viele Dutzend Eltern, außerdem Lehrerinnen und Lehrer aller Schulformen in Delbrück, politisch Interessierte und die Mitglieder der Initiative »Eine Realschule für Delbrück« verfolgten am Montagabend in der Schulausschusssitzung die Debatte.

Viele Dutzend Eltern, außerdem Lehrerinnen und Lehrer aller Schulformen in Delbrück, politisch Interessierte und die Mitglieder der Initiative »Eine Realschule für Delbrück« verfolgten am Montagabend in der Schulausschusssitzung die Debatte. Foto: Jürgen Spies

Von Jürgen Spies

Delbrück (WB). Nicht erst seit der Gründung der Elterninitiative »Eine Realschule für Delbrück« vor einigen Monaten gab und gibt es immer wieder Diskussionen darüber, ob in Delbrück eine weitere Schulform neben Gymnasium und Gesamtschule nötig und möglich ist. In der Schulausschusssitzung am Montagabend wurde zumindest eine damit zusammenhängende Frage jetzt klar beantwortet: Das schon 2013 beschlossene Auslaufen der Johann-Sporck-Realschule Delbrück ist unumkehrbar.

Das sagte Volker Friese, Schulrechtler und Schuldezernent der Bezirksregierung Detmold, der auf Einladung der Stadt Delbrück ebenso wie die Detmolder Dezernentinnen Petra Hakenberg (Schulaufsicht für Gesamtschulen) und Therese Dallmeier (Schulaufsicht für Realschulen) zur Ausschussitzung gekommen war, um zum Tagesordnungspunkt »Möglichkeiten und Grenzen einer neuen Realschulle in Delbrück« fachliche Expertisen abzugeben. Dazu lagen Anträge der Ratsfraktionen PID, SGD sowie des Ratsmitgliedes Hans-Theo Sasse vor.

Formell noch nicht behandelt, aber dennoch besprochen wurde am Montag zudem der Bürgerantrag der Elterninitiative, die sich für die Erhaltung beziehungsweise die Fortführung oder gegebenenfalls die Errichtung einer neuen Realschule in Delbrück einsetzt und sich diese Schule gut im bald leerstehenden Schulkomplex in Westenholz vorstellen kann.

Dazu erteilte der Ausschuss unter Vorsitz von Cornelia Scheller (CDU) dem Rechtsbeistand der Initiative, Rechtsanwalt Burkhard Zurheide aus Bielefeld, in der Sitzung Rederecht. Eine der Kernfragen, die Zur­heide vortrug, lautete: »Welche Maßnahmen müsste der Rat einleiten und welche Beschlüsse müsste er fassen, um entweder die Fortführung der bestehenden Realschule über das laufende Schuljahr hinaus sicherzustellen oder aber die (Neu)-Errichtung einer Realschule für das Schuljahr 2019/20 oder 2020/21 erreichen zu können.«

Hochkomplexes Verfahren

Weiter sagte Zurheide, es gehe der Initiative »nicht darum, der Gesamtschule Delbrück zu schaden«; es bestehe aber der Wunsch zahlreicher Eltern »nach einer schulischen Alternative zum bestehenden zweigliedrigen Schulsystem in Delbrück.« Ratsmitglied Sasse wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass eine – allerdings offiziell nicht anerkannte – Elternbefragung ergeben habe, die Nachfrage nach einer Realschule in Delbrück sei nachgewiesen worden.

Zur Frage einer Fortführung der Johann-Sporck-Realschule, die im Sommer 2019 ausläuft, sagte Volker Friese, dies sei ausgeschlossen, da rechtskräftig beschlossen. Unabhängig davon verfüge die Schule über keinerlei Klassen-Unterbau mehr. Und die Räume würden bekanntlich ebenfalls schon anderweitig genutzt.

Zur Frage Neugründung einer zweizügigen Realschule, etwa am Standort Westenholz, sagte Friese, eine Schulneugründung sei immer ein hochkomplexes und auch zeitaufwändiges Verfahren, das bis zu zwei Jahre dauern könnte.

Im konkreten Fall müssten in Delbrück in den nächsten fünf Jahren jeweils zwei Klassen mit jeweils 28 Kindern angemeldet werden, wobei es sich bei den 56 Jungen und Mädchen um Kinder handeln müsse, die ihren Wohnsitz im Delbrücker Land haben.

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Die Fortführung der Johann-Sporck-Realschule ist ausgeschlossen

Schuldezernent Volker Friese

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Schuldezernent Friese sagte, wenn der Rat eine Entscheidungsbasis brauche, komme man um eine rechtskonforme Bedürfnisabfrage ohnehin nicht herum. »Rein rechtlich gesehen, ist die Neugründung einer Realschule möglich. Es stellt sich jedoch die Frage, ob es aus pädagischer Sicht Sinn macht.« Der Stadtrat müsse entscheiden, ob er eine Bedürfnisabfrage überhaupt wolle, deutete Friese mehr als nur an, wie er die Situation aus Sicht der Schulaufsichtsbehörde beurteilt.

Dezernentin Petra Hakenberg, die in einem Nebensatz bemerkte, sie bedauere die ständigen Diskussionen in Delbrück um die noch junge Gesamtschule, ging auf die Frage ein, welche Auswirkungen die Neugründung einer Realschule auf die bestehende Gesamtschule haben werde. Angenommen, die Gesamtschule würde nicht mehr – wie bisher – siebenzügig, sondern nur noch fünfzügíg betrieben, würde dies negative Einfluss auf die Vielfalt des Wahlpflichtangebots haben. Delbrücks Fachbereichsleiter Manuel Tegethoff bemerkte, dies könne zur Gefährdung einer breit aufgestellten Differenzierung der Oberstufe an der Gesamtschule führen.

Hans-Theo Sasse forderte, in der Ratssitzung am 14. Februar über die Bedürfnisabfrage zur Realschule abzustimmen. Auch der Bürgerantrag soll dann zur Abstimmung gebracht werden.

Kommentar von Jürgen Spies

Bei allem Verständnis für so manches Argument, das die Realschul-Befürworter vorbringen, haben die Expertisen der Schulexperten aufgezeigt, dass eine zusätzliche Schule in Delbrück noch weitreichendere Auswirkungen haben würde, als dass man das als Laie bis dahin annehmen konnte. Es betrifft eben nicht nur rein schulische Komponenten, sondern auch andere Themen, bis hin zur Rathausfrage. Dezernentin Dallmeier wies unter anderem darauf hin, dass eine nur zweizügige Realschule kaum Differenzierung bieten könne, der Personalschlüssel klein sei und dass es auch an Realschulen Nachmittagsbetrieb gebe. Wenn sich der Rat für eine Realschul-Bedürfnisabfrage ausspricht und dabei herauskommen sollte, dass eine ausreichend große Anzahl Eltern die Möglichkeit nutzen würde, ihr Kind an einer Realschule anzumelden, würden die Schulkarten in Delbrück neu gemischt – mit eventuell ganz erheblichen Konsequenzen.

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