Sa., 01.06.2019

Delbrücker Autobauer Artega streitet mit Schweizer Erfinderfamilie Klage wegen Knutschkugel?

Bei Artega in Delbrück läuft die Pilotproduktion des Elektro-Zweisitzers »Karolino«. Der Mikrowagen soll im September Weltpremiere feiern.

Bei Artega in Delbrück läuft die Pilotproduktion des Elektro-Zweisitzers »Karolino«. Der Mikrowagen soll im September Weltpremiere feiern.

Von Oliver Horst

Delbrück (WB). Der Streit um einen Mikrowagen im Stil der Kabinenroller aus den 1950er Jahren spitzt sich zu. Die Delbrücker Autoschmiede Artega will den »Karolino« bauen – die Erfinder des »Microlino« wollen das verhindern.

Im Dezember schien alles perfekt zu sein. Damals hatte Auto-Enthusiast und Artega-Chef Klaus Dieter Frers den italienischen Autobauer TMI übernommen. Teil des Deals war die exklusive Fertigung des elektrisch angetriebenen Mikrowagens Microlino für den europäischen Markt.

Die Schweizer Familie Ouboter, die um die Jahrtausendwende als Erfinder der zusammenfaltbaren Tretroller und Kickboards weltweit erfolgreich war, hatte den Wagen mit Frontausstieg maßgeblich entwickelt. Artega sollte der Knutschkugel nun den letzten Schliff verleihen und zur Serienreife verhelfen.

Doch jetzt tobt ein erbitterter Streit zwischen beiden Seiten. Artega will den »in mehr als 150 Punkten technisch verbesserten« Wagen als Karolino selbst auf den Markt bringen, weil sich die Familie Ouboter mit ihrer Firma Micro Mobility Systems AG bislang nicht an den Kosten beteiligen wolle.

Karolino soll im September Premiere feiern

Micro Mobility beklagt indes Qualitätsprobleme bei der Microlino-Entwicklung – und will den Karolino als Kopie verhindern. »Unserer Ansicht nach darf der Karolino nicht ohne unsere Erlaubnis gefertigt werden, da er in fast allen Punkten mit dem Microlino identisch ist«, erklärt Oliver Ouboter. Seine Familie habe fünf Jahre Zeit und mehrere Millionen in den Microlino investiert.

Klaus Dieter Frers bezeichnet den Karolino dagegen als Schwestermodell. Der Auto-Unternehmer ist sicher, dass der Elektro-Flitzer bei der IAA im September Premiere feiert. »Die rechtliche Situation ist aus unserer Sicht eindeutig und von mehreren Anwaltsbüros geprüft.« Auch wenn Micro Mobility anderer Auffassung sei, »gehen wir nicht davon aus, dass es zu einem Rechtsstreit kommt«, sagt Frers. »Daran können beide Seiten kein Interesse haben.«

Frers setzt darauf, dass sich »die noch offenen Fragen und Missverständnisse klären lassen«. Beide Partner verhandelten miteinander. »Ich bin guten Mutes und Willens, die Zusammenarbeit weiter zu verfolgen.« Er gehe davon aus, dass am Ende sowohl Karolino als auch Microlino auf die Straße kommen.

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