Sa., 08.06.2019

28-Jähriger vor dem Landgericht Paderborn: Urteil wohl erst im Oktober Totschlag-Prozess: Anwalt erwägt Anzeige gegen Zeugin

Symbolbild.

Symbolbild. Foto: dpa

Von Lukas Brekenkamp

Delbrück (WB). Lieb, nett und hilfsbereit – so beschreibt eine 30-jährige Zeugin das Opfer im Totschlag-Prozess vor dem Paderborner Landgericht. Doch der 33-Jährige soll auch andere Seiten gezeigt haben. »Die Zündschnur des Geschädigten war relativ kurz«, berichtet der Anwalt des Angeklagten, Torsten Giesecke, dem WESTFÄLISCHEN VOLKSBLATT.

Im lila Hemd verfolgt sein Mandant (28) aufmerksam das Geschehen in Saal 106. Er soll im November 2018 den 33-Jährigen erstochen haben – aus Notwehr, wie der Angeklagte damals der Polizei sagte.

»Das waren glatte Falschaussagen«

Bei der Verhandlung am Freitag steht jedoch vielmehr eine Zeugin im Vordergrund. Ihr wurde bereits am ersten Verhandlungstag eine enge Beziehung zu dem Opfer nachgesagt, was sie jedoch leugnet. Die 30-Jährige spricht nicht gut Deutsch, eine Dolmetscherin muss übersetzen.

Immer wieder macht sie jedoch widersprüchliche Aussagen – immer wieder müssen die Anwälte des Angeklagten ihr die eigenen Aussagen gegenüber der Polizei vorhalten. »Das waren glatte Falschaussagen«, meint Giesecke später. Er erwäge deshalb, Anzeige zu erstatten.

Die 30-Jährige sei mit einem Bekannten des Opfers liiert und habe den Getöteten durch ihren Partner kennengelernt. Eine SMS der Zeugin an das Opfer brachte die Ermittler auf ihre Spur. In der Textnachricht heißt es, der 33-Jährige solle sich von ihr und ihrem Partner fernhalten. Auch von Drohungen des Opfers gegenüber der 30-Jährigen und deren Partner war die Rede. Im Raum steht, dass das Opfer mehr von der Frau wollte als nur Freundschaft.

Aussage frühestens im August

Giesecke deutete im WV-Gespräch außerdem an, der Tathergang sei anders, als von der Ermittlerin der Mordkommission am ersten Prozesstag dargestellt. Es sei zwar zu einer Auseinandersetzung zwischen dem Angeklagten und dem Opfer gekommen, bei dem der 33-Jährige ein Messer zog. In der Kampfsituation sei es aus Notwehr zu Stichen gekommen.

Doch so oft, wie es in der Anklage heißt, will der Beschuldigte Giesecke zufolge nicht zugestochen haben. Damit könnte angezweifelt werden, ob der Angeklagte die tödlichen Verletzungen verursacht hat. Klarheit müsste letztendlich das Obduktionsergebnis bringen. Mit einer Aussage seines Mandanten sei frühestens im August zu rechnen.

»Wir müssen alles abklopfen, was drumherum passiert ist«, sagt der Verteidiger. Das erkläre, wieso nun auch der Partner der Zeugin in den Fokus gerate. Immerhin sei die Beziehung zwischen der Frau und dem Opfer nicht eindeutig geklärt. Es sei wichtig, auch den Partner als Zeugen vor Gericht zu hören. Der Anwalt des Angeklagten berichtete, das Gericht habe sechs neue Verhandlungstage angesetzt – der letzte Anfang Oktober.

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