Do., 20.06.2019

Bereits hunderte Unterschriften gegen Abholzung in Delbrück gesammelt Anwohner kämpfen für ihren Wald

Rund 75 Anwohner machten ihren Unmut über die geplanten Baumfällungen in Pastorsbusch Luft. Mit Flatterband hatten sie den Bereich abgesperrt, der 16 Parkplätzen sowie einem Regenrückhaltebecken weichen soll. Christian Wolf (vorne links) und Brigitte Heihoff haben den Protest und eine Unterschriftenaktion organisiert.

Rund 75 Anwohner machten ihren Unmut über die geplanten Baumfällungen in Pastorsbusch Luft. Mit Flatterband hatten sie den Bereich abgesperrt, der 16 Parkplätzen sowie einem Regenrückhaltebecken weichen soll. Christian Wolf (vorne links) und Brigitte Heihoff haben den Protest und eine Unterschriftenaktion organisiert. Foto: Axel Langer

Von Axel Langer

Delbrück (WB). Hände weg vom Waldgebiet am Pastorsbusch! Mit einer Unterschriftenaktion versuchen Nachbarn jetzt, zu verhindern, dass die Stadt an der Ketteler Straße Bäume fällen lässt , um dort ein Regenrückhaltebecken und einen Parkplatz zu bauen.

Rund 75 Anwohner versammelten sich Dienstagabend am Waldrand, um ihren Unmut kund zu tun. Die Anwohner haben bereits einen Einspruch gegen die Änderung des Flächennutzungsplanes formuliert und sammeln fleißig Unterschriften, um ihrer Forderung Nachdruck zu verleihen.

»Ökologisch wertvoller Wald mit 100 Jahre alten Bäumen«

»Die unterzeichnenden Bürger und Anlieger wollen auf gar keinen Fall, dass Bäume am Pastorsbusch gefällt werden. Es ist ökologisch hochwertige Mischwald mit 100-jährigen Bäumen, der unbedingt erhalten werden muss. Er bietet Schutzraum für viele wertvolle Tiere und Vögel«, heißt es in dem Einspruch. Anlieger präsentierten Handyvideos mit Aufnahmen von Fledermäusen, die in großer Zahl in dem Waldbereich leben. Außerdem wurden nach Angaben der Anlieger verschiedene Spechtarten in dem Waldgebiet gesichtet. Auf Grund der Tierbeobachtungen wurde auch der Naturschutzbund (Nabu) eingeschaltet.

Schon seit einigen Jahren wird nach Lösungen für zusätzlichen Parkraum am Familienzentrum Purzelbaum gesucht. Mit der Änderung des Flächennutzungsplanes sollte nun der Weg für 16 zusätzliche Stellplätze frei gemacht werden. Dazu müssten Bäume auf einer Fläche von 320 Quadratmetern gefällt werden. Weitere 1071 Quadratmeter Waldfläche sollten weichen, um ein 20 mal 40 Meter großes Regenrückhaltebecken zu errichten.

»Das Areal für nachfolgende Generationen erhalten«

»Ich bin sehr traurig, dass eine solche Umweltsünde überhaupt diskutiert werden muss. In Zeit von ›Fridays for Future‹ sollte es sich von selbst verstehen, solche besonderen Waldgebiete zu schützen. Wir müssen dieses Areal für nachfolgende Generationen erhalten«, machte Brigitte Heihoff, eine der Initiatorinnen des Anwohnerprotestes, ihrem Unmut Luft.

Für viele Senioren und Kindergartenkinder sei der Wald ein beliebtes Ausflugsgebiet. Hier befindet sich auch der Barfußpfad. »Das Regenwasser, das in einem Regenrückhaltebecken gesammelt werden soll, muss komplett über die Kanalisation abgeführt werden, da hier überall Lehmboden ist. Wer hier in der Vergangenheit einen eigenen Hausbrunnen bohren wollte, hatte keine Chance«, betonte Christian Wolf, der den Protest mitorganisiert.

Mit Politikern in der Diskussion

Nach der Berichterstattung dieser Zeitung hatten die Anwohner Kontakt zu verschiedenen Politikern und der Verwaltung aufgenommen. Einen ersten Ortstermin mit Vertretern der PID, der Grünen und der Verwaltung hat es bereits gegeben. »Wir waren entsetzt, wie groß das in Rede stehende Gebiet ist. Dass für das Regenrückhaltebecken so viel Wald gefällt werden soll, war uns in der Ratssitzung nicht klar«, betonten Brigitte Michaelis (PID) und Marion Lange (Grüne).

Aber auch Vertreter aller anderen Parteien waren vor Ort, um sich den Sachverhalt anzusehen. »Bei den guten Argumenten der Anlieger müssen wir den Sachverhalt sicher neu bewerten«, sagte Josef Westerhorstmann (CDU) und betonte, dass noch nichts beschlossen sei, sondern nun die Bürgerbeteiligung begänne.

Pläne für Regenrückhaltebecken stoßen auf Unverständnis

Wie die rund 75 Anwesenden deutlich machten, mit wenig Gegenliebe für die Pläne. Die Anwohner differenzierten ihre Kritik durchaus. Die Forderung nach zusätzlichen Parkplätzen für das Familienzentrum bewerteten die meisten als nachvollziehbar. Auf Unverständnis stießen jedoch die Überlegungen, für eines von fünf im Stadtgebiet geplanten Regenrückhaltebecken den Eichen-Mischwald zu fällen. »Der Wald am Pastorsbusch gehört zu Delbrück und muss in ganzer Größe erhalten bleiben«, so die klare Forderung der Anwohner.

Seit Sonntag haben sie eine Unterschriftenaktion organisiert, die auf großen Anklang stößt. Im Rahmen der Anwohnerversammlung wurden zahlreiche ausgefüllte Listen abgegeben. »Das dürften jetzt schon um die 400 sein«, freute sich Brigitte Heihoff über die große Resonanz. In den nächsten Tagen werden die Unterschriftenlisten auch öffentlich ausgelegt, beispielsweise bei den Highland Games, aber auch in verschiedenen Geschäften. Die Eingabefrist für die Unterschriften läuft bis zum 11. Juli, dann werden die Listen an die Verwaltung übergeben. Nach den Sommerferien wird über das Vorhaben diskutiert und endgültig entschieden.

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