Do., 27.06.2019

Prozess um Totschlag in Delbrück: Zeuge verstrickt sich in Widersprüche Totschlags-Prozess: Streit um eine Frau?

Die Polizei hat den Tatort in Delbrück im November 2018 weit­räumig abgesperrt.

Die Polizei hat den Tatort in Delbrück im November 2018 weit­räumig abgesperrt. Foto: Jörn Hannemann

Von Ulrich Pfaff

Delbrück/Paderborn(WV). Ein 28-Jähriger soll Ende vergangenen Jahres einen Bekannten in einem Park in Delbrück erstochen haben. Vor dem Landgericht Paderborn muss sich der Mann derzeit wegen Totschlags verantworten. Auch am dritten Verhandlungstag am Mittwoch schwieg der Angeklagte zu den Vorwürfen.

Nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft soll der Mann aus Delbrück Ende November vergangenen Jahres bei einem nächt­lichen Spaziergang zufällig auf den Bekannten getroffen sein. Der 33-Jährige war in der Nacht zum 30. November in Delbrück auf offener Straße verblutet – er hatte drei Stiche in den Oberkörper erlitten. Der Angeklagte schweigt weiterhin.

Verteidigung verdächtigt anderen Mann

Er hatte aber bei einer polizeilichen Vernehmung die Tat mehr oder weniger auf sich genommen, sie jedoch als Notwehr dargestellt. Aus Sicht der Verteidigung könnte aber auch eine ganz andere Version der Ereignisse in Betracht kommen – nämlich, dass der Angeklagte nicht derjenige war, der zugestochen hat, sondern ein anderer Mann, der mit dem Opfer eine Auseinandersetzung um eine Frau hatte.

Im Zeugenstand sitzt ein 26-jähriger Tischler aus Delbrück, Lebensgefährte einer 30 Jahre alten Frau, die bereits als Zeugin ausgesagt und eine widersprüchliche Darstellung abgegeben hatte. Ihr Freund liefert dem Gericht ebenfalls widersprüchliche Aussagen: Der Tote sei ein guter Freund gewesen, aber vor der Tat habe er keinen Kontakt mehr zu ihm gehabt. Einfach so.

Ein Interesse des 33-Jährigen an seiner Freundin verneint er, dann spielt er es herunter, will erst nach dessen Tod davon erfahren haben. Dann wiederum will er versucht haben, den Freund deswegen zu sprechen – vor der ­Todes-Nacht. Richter Eric Schülke platzt schließlich der Kragen: »Denken Sie ein bisschen nach, und dann sagen Sie uns die Wahrheit. Haben Sie das verstanden?«

Zeuge bestätigt Notwehr-Version

Der Zeuge lässt sich allerdings weiterhin alles aus der Nase ziehen, was Kammer, Staatsanwalt und Verteidiger wissen wollen. Und nicht alles davon stimmt mit dem überein, was der 26-Jährige zuvor bei der Polizei ausgesagt hatte.

Am Ende aber zeichnet sich ab: Der Getötete hatte offenbar ein Techtelmechtel mit der 30-Jährigen – was weder sie noch ihr Freund öffentlich zugeben wollen. Und die Frau hat unmittelbar nach der Tat den 26-Jährigen auf der Nachtschicht angerufen, um ihm zu sagen, dass an ihrem regelmäßigen Treffpunkt die Polizei ­alles abgesperrt habe.

Die Notwehr-Version wiederum bestätigte ein anderer Zeuge, wenn auch indirekt: der Vorgesetzte des Bruders des Angeklagten. Ihm sei von seinem Mitarbeiter nach einer kurzzeitigen Festnahme offenbart worden, der 28-Jährige sei beim Ausführen des Hundes vom Opfer rücklings attackiert worden – woraufhin er sich im Handgemenge mit einem Messer gewehrt habe.

Die Wahrheitsfindung in diesem Prozess wird dem Schwurgericht vermutlich noch Arbeit machen. Die Verhandlungstermine reichen bis in den Oktober.

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