Fr., 05.07.2019

Interessengemeinschaft Pastorsbusch übergibt dickes Unterschriftenbündel 2280 Delbrücker geben ihr Autogramm

Von Jürgen Spies

Delbrück (WB). Die Unterschriftenaktion der Interessengemeinschaft (IG) gegen die Teilrodung des Waldes Pastorsbusch (das WV berichtete) für die Errichtung eines Regenüberlaufbeckens und die Erweiterung des Parkplatzes an der Kita Purzelbaum zieht immer größere Kreise: Inzwischen haben sich 2281 Delbrücker in ausgelegte Listen eingetragen. »Und die Aktion geht noch weiter«, sagt Mitinitiatorin Brigitte Heihoff.

Im Namen aller, die sich in die Unterschriftenlisten eingetragen haben, übergaben Brigitte Heihoff und Christian Wolf am Donnerstagabend vor Beginn der Ratssitzung Bürgermeister Werner Peitz ein dickes Bündel voller Autogramme, allesamt Originale. »Weitere Unterschriften werden fristgerecht bis zum 11. Juli nachgereicht«, gaben die beiden IG-Sprecher dem Bürgermeister mit auf den Weg.

Im einem Schreiben an Peitz weist die IG erneut darauf hin, alle Unterzeichner wollen auf keinen Fall, dass die für die Teilrodung des einzigen innenstadtnahen Waldes in Delbrück erforderliche Flächennutzungsplanänderung durchgeführt wird. Es könne nicht sein, dass »wertvolle und gesunde Bäume gefällt werden sollen«.

Beim Pastorsbusch handle es sich um einen ökologisch hochwertigen Mischwald mit teilweise 100 Jahre alten Bäumen. Der Pastorsbusch biete Schutzraum für viele Tiere, darunter Vögel wie Spechte, aber auch Fledermäuse.

Deshalb hat die IG nun auch Naturschutzverbände eingeschaltet.

Zu einer Aussprache aufgrund der Übergabe der 2281 Unterschriften kam es am Donnerstag­­abend nicht, zumal das Thema Flächennutzungsplanänderung in der vergangenen Woche ausführlich in der Sitzung des Umwelt-, Bau- und Planungsausschusses besprochen worden war und die Verwaltung darauf hingewiesen hatte, das Planverfahren sei gerade erst eröffnet worden. Aktuell stünden noch keinerlei Entscheidungen an.

Bürgermeister Peitz und Bauamtsleiter Markus Hückelheim hatten in der Sitzung aus Sicht der Verwaltung die Notwendigkeit zur Errichtung eines Regenüberlaufbeckens (eine geformte Geländemulde, etwa 2,20 Meter tief) herausgestellt. Ein von einem Fachbüro erarbeitetes Detailkonzept zum Überflutungsschutz belege dies eindeutig. Die Stadt sei verpflichtet, entsprechend zu handeln, um auch bei sogenannten Jahrhundertregen­ereignissen gewappnet zu sein. Am Pastorsbusch gelte es insbesondere, bei solchen Regenereignissen die Wassermassen frühzeitig aufzuhalten und im Becken temporär zu puffern. Insgesamt sollen noch vier weitere Mulden an anderer Stelle entstehen. Der Wald Pastorsbusch ist insgesamt rund 35.000 Quadratmeter groß; die eventuelle Rodungsfläche umfasst etwa 1400 Quadratmeter.

Die IG unterstreicht in ihrem Schreiben: »Falls das vorgesehene Regenrückhaltebecken erforderlich ist, fordern wie Sie auf, die Planungen zu ändern und einen anderen Standort zu finden. Wir nehmen Natur- und Klimaschutz sehr ernst und sind traurig, dass unsere grüne Lunge in Delbrück geopfert werden soll. Es ist traurig, dass so eine Umweltsünde überhaupt diskutiert werden muss. Der Wald am Pastorsbusch gehört zu Delbrück und muss in ganzer Größe bleiben. Also: »Hände weg von unserem Wald!«

Ganz persönlich hat Brigitte Heihoff (77) ergänzend dazu nun jedem Ratsmitglied einen handschriftlich verfassten Brief zukommen lassen. Darin schreibt die Delbrückerin unter anderem: »Mich macht das Wort ‘alternativlos’ in diesem Zusammenhang traurig.« Sie wirft die Frage auf, was denn wohl wäre, wenn an der Stelle, wo das Regenrückhaltebecken entstehen soll, bereits ein Gebäude stünde?

Niemand von den Unterzeichern wolle, dass anderen Personen Schaden zugefügt wird – Stichwort vollgelaufene Keller. Brigitte Heihoff bittet darum, die Sorgen der Unterzeichner der Listen ernst zu nehmen und den Wald komplett zu erhalten. »Ich bin zuversichtlich, dass noch eine andere Lösung gefunden wird.«

Kommentar

In Delbrück, der zweitgrößten Stadt (32.000 Einwohner) im Hochstift, wohnen »nur« etwa 12.000 Menschen direkt in der Kernstadt. Dies ist insofern erwähnenswert, weil dadurch besonders deutlich wird, dass die bislang gegen das Projekt am Pastorsbusch gesammelten 2281 Unterschriften ein ganz starkes Pfund sind.

Wer sich mal eine Luftbildaufnahme der Delbrücker Kernstadt anschaut, sieht sofort einen dunkelgrünen Fleck. Es ist der einzige Fleck in dieser Farbe. Es ist der Pastorsbusch. Er liegt nicht »jwd«, sondern ganz nahe an den Wohnsiedlungen und ist auch ein gutes Stück Naherholungsgebiet und ohnehin gut für das Mikroklima.

Dass Anlieger und alle, die diesen Wald kennen, verhindern möchten, dass davon etwa 1400 Quadratmeter unwiederbringlich verschwinden, ist unschwer nachzuvollziehen. Kommt ein Alternativstandort nicht in Frage, weil es eine Frage des Geldes wäre? Das Gutachten zum Überflutungsschutz sagt aus, ein Regenrückhaltebecken am Pastorsbusch sei zwingend notwendig. Bedeutet das, dass dadurch der Bau des Beckens an dieser Stelle tatsächlich zur absoluten Unabwendbarkeit wird?

Mit der Planung werden sich Naturschutzverbände befassen. Garantiert. Jürgen Spies

 

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