Do., 11.07.2019

Interessengemeinschaft Pastorsbusch übergibt weitere Unterschriften gegen Teilrodung Stadt steckt im Dilemma

Weitere 1021 Unterschriften überreichten die Sprecher der IG Pastorsbusch, Brigitte Heihoff (3. von links) und Christian Wolf (2. von rechts), dem Delbrücker Bürgermeister Werner Peitz (links) . Begleitet wurden sie von einigen Mitunterzeichnern, darunter Andrea Heihoff und Leon Schönberner (hinten 2. und 3. von links) sowie (vorn von rechts) Petra Blümel und Karin Wischnewski.

Weitere 1021 Unterschriften überreichten die Sprecher der IG Pastorsbusch, Brigitte Heihoff (3. von links) und Christian Wolf (2. von rechts), dem Delbrücker Bürgermeister Werner Peitz (links) . Begleitet wurden sie von einigen Mitunterzeichnern, darunter Andrea Heihoff und Leon Schönberner (hinten 2. und 3. von links) sowie (vorn von rechts) Petra Blümel und Karin Wischnewski.

Von Jürgen Spies

Delbrück (WB). Die »Interessengemeinschaft (IG) gegen die Teilrodung des Waldes Pastorsbusch« hat nachgelegt: Die IG-Sprecher Brigitte Heihoff und Christian Wolf übergaben Bürgermeister Werner Peitz am Donnerstag in dessen Dienstzimmer im Rathaus ein weiteres Unterschriftenbündel. »Es sind 1021 Unterzeichner hinzugekommen. Die aktuelle Anzahl an Unterschriften beträgt 3302. Und das wird immer noch nicht das endgültige Ergebnis sein«, unterstrich Brigitte Heihoff.

Bürgermeister Peitz nahm das weitere Bündel nicht nur entgegen und zur Kenntnis; er nahm sich auch viel Zeit für die IG-Aktiven, hörte sich erneut deren Argumente an, nutzte aber auch die Gelegenheit, die Dinge aus Sicht der Stadt zu beleuchten.

Mit der Übergabe von weiteren mehr als tausend Unterschriften möchte die IG nach Worten von Brigitte Heihoff den Druck hochhalten und weiter verdeutlichen, »dass die Bürger und Anlieger, die sich in die Listen eingetragen haben, auf gar keinen Fall wollen, dass Bäume im Pastorsbusch für eine Regenrückhaltemulde und eventuell für die Erweiterung des Parkplatzes an der Kita Purzelbaum gefällt werden.« Eindringlich sagte sie: »Es muss doch Alternativen zur jetzigen Entwurfsplanung geben! Wir alle hoffen auf eine andere Lösung – technischer Art oder an einem anderen Standort.«

Bürgermeister Peitz bemerkte, es begrüße es grundsätzlich sehr, wenn sich Bürger engagieren und sich einbringen. »Was ich dagegen nicht gut finde, ist, dass in sozialen Netzwerken und auch in Schreiben an die Stadt manchmal so getan wird, als ob die Stadt hier einfach aus dem Bauch heraus und ohne nachgedacht zu haben, eine solche Planung aufstellt.« Derartige Unterstellungen seien substanzlos.

Die Stadt würde auch lieber auf das Abholzen von Bäumen verzichten. »Die Stadt ist schon seit vielen Jahren dabei, den Überflutungsschutz nach Starkregen oder Jahrhundertregenereignissen zu verbessern. Sie ist dazu auch gesetzlich verpflichtet«, bemerkte Peitz und wies auf Gutachten hin, die die Notwendigkeit aufzeigen, an verschiedenen Stellen Regenrückhaltebecken zu bauen.

Extremregenereignisse

Hydrodynamische Untersuchungen hätten aufgezeigt, wo bei Extrem­regenereignissen die anfallenden Wassermassen besonders problematisch sind, an welchen Stellen beispielsweise Regen aufgrund von Straßengefälle über die Einlaufschächte hinwegläuft – oder so stark in die Kanalisation drückt, dass Keller überflutet oder Geschäftsräume überschwemmt werden. »Auch hier gibt es Betroffene. Wir müssen auch deren Ansprüche und Nöte berücksichtigen!«, sagte Peitz mit Nachdruck.

Es sei in den vergangenen Monaten ein ganzes Maßnahmenpaket erarbeitet worden. Das habe der Rat schon vor einiger Zeit einstimmig beschlossen. Dazu gehöre der Bau des Beckens, einer Erdmulde, in einem kleinen Teilstück (etwa 1400 Quadratmeter) im Wald an der Kettelerstraße. Die Fließrichtung des Wasser sei von Experten untersucht und hier nachgewiesen worden.

Brigitte Heihoff, Christian Wolf und weitere Unterzeichner wiesen im Gespräch mit Peitz darauf hin, niemand verstehe, weshalb ausgerechnet an einer der höchstgelegenen Stellen – wenn nicht gar an der höchsten Stelle – im Bereich der Kernstadt ein Regenrückhaltebecken entstehen soll. Wolf sagte außerdem, der Waldboden im Pastorsbusch schlucke viel Regenwasser, und die zumeist sehr großen Gärten in den nahegelegenen Siedlungen ebenfalls. Ferner habe die Stadt in den vergangenen Jahren schon Millionensummen in die Verbesserung des Überflutungsschutzes investiert, etwa durch das Verlegen zusätzlicher und besonders großer Kanalrohre im Rechteckprofil. Zudem sei vom Bau von vier weiteren Becken die Rede, so dass sich die Frage stelle, ob der Überflutungsschutz schon jetzt so verbessert worden sei, dass man auf das Becken im Pastorsbusch verzichten könne.

Rat muss abwägen

Bürgermeister Peitz sagte, das Planverfahren werde – wie jedes andere auch – fortgesetzt. Alle Eingaben würden nun gesammelt, nach den Ferien öffentlich erörtert und diskutiert. Letztlich müsse dann der Rat abwägen, ob das Becken an der Stelle gebaut wird oder nicht, ob man sich mit einem Überflutungsschutz zufrieden geben wolle, der nicht das Maximum heraushole. Peitz räumte ein, dass es sich aufgrund der Topografie in Delbrück wohl nie komplett verhindern lasse, »dass bei Jahrhundertregen Wasser in die Stadt läuft.« Zur Frage der OG-Sprecher, inwieweit Alternativen geprüft worden seien, sagte Peitz, es seien mehrere Alternativen geprüft worden. »Was nützt der Stadt aber eine Alternative, die de facto gar keine ist, weil sie sich nicht umsetzen lässt.«

Aufgrund der Verschwiegenheitspflicht bei Grundstücksangelegenheiten ging Werner Peitz auf diesen Aspekt öffentlich nicht weiter ein.

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