Mi., 31.07.2019

Bentfelder Ortsheimatpfleger Andreas Scherf möchte seltenen Baum wieder verbreiten Ein großes Herz für die Schwarzpappel

In Bentfeld sind fünf reinerbige Bäume nachgewiesen, die sich in ihrem knorrigen Aussehen und der großen Krone von den Hybridpappeln unterscheiden. Im Foto sind eine heimische Schwarzpappel (links) sowie im Hintergrund einige angepflanzte Hybridpappeln zu sehen, deren Wuchsform gleichförmiger ist. Andreas Scherf setzt sich für den Erhalt der selten gewordenen Schwarzpappel ein.

In Bentfeld sind fünf reinerbige Bäume nachgewiesen, die sich in ihrem knorrigen Aussehen und der großen Krone von den Hybridpappeln unterscheiden. Im Foto sind eine heimische Schwarzpappel (links) sowie im Hintergrund einige angepflanzte Hybridpappeln zu sehen, deren Wuchsform gleichförmiger ist. Andreas Scherf setzt sich für den Erhalt der selten gewordenen Schwarzpappel ein. Foto: Axel Langer

Von Axel Langer

Delbrück (WB). Sie steht als markanter Einzelbaum am Wiesenrand oder in Reihen in der Nähe von Fluss- oder Bachläufen, die Schwarzpappel. Doch die reinerbige, heimische Pappelart im Delbrücker Land zu finden, ist inzwischen schon eine Besonderheit. Andreas Scherf kümmert sich deshalb darum, dass die Bäume nicht aus der Landschaft verschwinden.

»In Bentfeld gibt es nur noch fünf nachgewiesene Schwarzpappeln und das obwohl der Lebensraum hier ideal wäre«, erläutert Ortsheimatpfleger Andreas Scherf seine Motivation, sich für den Erhalt der inzwischen als stark gefährdet eingeschätzten Baumart zu engagieren. Dabei ist es gar nicht so einfach, festzustellen, ob es sich tatsächlich um eine reinerbige Schwarzpappeln oder eine Hybridpappel handelt. »Die Sortenreinheit kann nur durch aufwendige Molekularuntersuchung bestätigt werden. Natürlich gibt es ein paar Hinweise, ob es sich um eine Schwarzpappel handelt, aber die Optik ist noch kein Beweis«, sagt Andreas Scherf, für den die selten gewordene Baumart ein typisches Stück Heimat darstellt.

Am Rande seines Grundstücks in Bentfeld hat Andreas Scherf rund 60 reinerbige, europäische Schwarzpappeln nachgezogen, die bald an geeigneten Standorten gepflanzt werden können. Foto: Axel Langer

Nach Auskunft des Landesbetriebes Wald und Forst NRW gibt es zwei wesentliche Gründe für den Rückgang der Schwarzpappelbestände: Im Rahmen von Flussregulierungen, Eindeichungen, Grundwasserregulierungen im Zusammenhang mit intensiverer Flächennutzung wurden viele Standorte vernichtet. Ebenfalls mit Beginn des 19. Jahrhunderts wurde die Nordamerikanische Schwarzpappel in Westeuropa eingeführt. Es kam spontan zur Kreuzung mit der heimischen Schwarzpappel, diese Hybridsorten sind auf Grund ihrer Wuchskraft und der gleichförmigeren Stammausbildung wirtschaftlich interessanter.

Große Regenerationsfähigkeit

Um die Schwarzpappel wieder mehr in der Region verbreiten zu können, züchtet Andreas Scherf selber junge Setzlinge groß. »Ich habe von einem Züchter aus dem Rheinland 70 Pflanzen bekommen und sie im Frühjahr gepflanzt. Gut 60 davon haben die Anzucht überstanden«, sagt Andreas Scherf. Regelmäßiges Gießen gehörte in den vergangenen Wochen dabei zu den fast täglichen Aufgaben. Doch der Erfolg gibt Andreas Scherf recht. Am Rande seines Grundstücks in Bentfeld sind die Schwarzenpappeln auf inzwischen rund 75 Zentimeter Größe herangewachsen und stehen bald zum Verpflanzen zur Verfügung. Mittelfristig hofft Scherf, dass der gefährdete Baum sich wieder selber vermehren kann, zumal die Regenerationsfähigkeit der Pappel als groß gilt. Aus Stockausschlägen oder abgerissenen Ästen und Zweigen bilden sich neue Bäume. Auch die Samen haben eine hohe, wenn auch kurze Keimfähigkeit. »Hierzu benötigt die Schwarzpappel allerdings offenen und feuchten Boden in ehemaligen Flussauen. Diese Flächen gibt es nur noch selten«, möchte der Ortsheimatpfleger eine stärkere Verbreitung anstoßen.

Auf seine Initiative hin haben ihm der Paderborner Bürgermeister Michael Dreier wie auch Delbrücks Bürgermeister Werner Peitz zugesagt, die Schwarzpappel künftig häufiger anzupflanzen, wenn die Standortbedingungen dies erlauben. Auch die Heimatvereine des Delbrücker Landes möchte Andreas Scherf stärker für die seltene Baumart sensibilisieren und hofft so, die Schwarzpappel wieder stärker verbreiten zu können.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Anzeige


https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6819018?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198401%2F2851065%2F