Zwei Gründer aus dem Kreis Paderborn schicken Pinkbus ins Rennen
Ostwestfalen greifen Flixbus an

Delbrück/Köln (WB). Der Fernbus-Marktführer Flixbus bekommt es mit einem neuen Herausforderer zu tun: Pinkbus. In der Kölner Firma steckt vor allem ganz viel ostwestfälischer Unternehmergeist. Die Gründer Christian Höber und Tino Engelmann stammen aus dem Kreis Paderborn. Auch zwei der vier beteiligten Busfirmen sind in OWL beheimatet.

Dienstag, 03.09.2019, 14:00 Uhr aktualisiert: 03.09.2019, 14:20 Uhr
Christian Höber (links) und Tino Engelmann wollen als Gründer und Geschäftsführer von Pinkbus den Fernbusmarkt aufmischen. Sie setzen auf Direktfahrten ohne Zwischenhalte und Festpreise unabhängig vom Zeitpunkt der Buchung. Foto:
Christian Höber (links) und Tino Engelmann wollen als Gründer und Geschäftsführer von Pinkbus den Fernbusmarkt aufmischen. Sie setzen auf Direktfahrten ohne Zwischenhalte und Festpreise unabhängig vom Zeitpunkt der Buchung.

»Pinkbus ist komplett in Ostwestfalen entstanden«, sagt Höber. Der 32-Jährige, dessen Vater ein Busunternehmen in Delbrück betreibt, ist seit 2013 auch als Mitgesellschafter des Verkehrsunternehmens »Go.on« im Paderborner Linienverkehr aktiv. Pläne für ein Fernbus-Unternehmen habe er seit der Liberalisierung des Marktes in eben jenem Jahr schon im Kopf. »Seitdem habe ich den Markt beobachtet. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt zum Einstieg.«

Sieben pinke Busse sind seit Juli unterwegs

Seit dem 1. Juli rollen die bisher sieben pinkfarbenen Busse auf Deutschlands Straßen. Sie verbinden zunächst Düsseldorf, Berlin und München. Pinkbus setzt dabei im Gegensatz zur Konkurrenz ausschließlich auf Direktfahrten ohne Zwischenhalte. »Und wir bieten die Fahrten zu Festpreisen an. Ganz egal, ob der Kunde die Fahrt weit im voraus oder kurzentschlossen bucht.«

Damit will sich Pinkbus abgrenzen vom Branchenriesen Flixbus, der inzwischen kaum noch Strecken ohne Zwischenstopps, aber mit stark schwankenden Preisen anbiete. Auch der im Juni gestartete Rivale Blablabus, der vor allem mit Kampfpreisen ab 99 Cent auffällt, fahre eine ähnliche Strategie wie Flixbus.

Die Doppeldecker sind günstiger als Flixbus

»In den ersten Jahren des liberalisierten Fernbusmarktes hat es enorm viele Direktfahrer zwischen den Metropolen gegeben. Seitdem es mehr Zwischenhalte auf den Strecken gibt, die auch die Fahrtzeit verlängern, ist diese Gruppe wieder verstärkt auf Bahn und Flugzeug umgestiegen«, sagt Höber. »Wir wollen diese Leute zurückholen in den Bus.«

Pinkbus setzt mit seinen beteiligten Busfirmen – neben dem ­väterlichen Betrieb Höber-Reisen sowie Hugo Zander aus Rietberg noch zwei Firmen aus Lippetal und Xanten – ausschließlich auf Doppeldecker von Neoplan. 77 Sitzplätze oder 73 plus zwei Rollstuhlplätze stehen zur Verfügung. »Ab 50 Prozent Auslastung fahren wir kostendeckend«, sagt Höber. Ziel sind 70 Prozent. Da Flixbus vor allem auf Eindecker mit rund 50 Plätzen setze, könne Pinkbus unterm Strich bis zu 30 Prozent günstigere Preise anbieten als der Rivale. Bei den bisherigen Verbindungen beträgt der Pinkbus-Festpreis jeweils 25 Euro.

Noch in diesem Jahr soll Hamburg mit ins Streckennetz aufgenommen werden, 2020 dann auch Frankfurt und Stuttgart. Köln sollte schon zum Start eine Station sein. Hier verhandelt Pinkbus aber noch mit der Stadt über eine Haltestelle in der Innenstadt.

Pinkbus hat 18 festangestellte und freie Mitarbeiter

Die Domstadt sei als Firmensitz gewählt worden, weil dort der Pool an potentiellen Mitarbeitern in den Bereichen Marketing und IT-Entwicklung mit Erfahrungen etwa für Werbekampagnen in sozialen Netzwerken größer sei als in OWL. Das Pinkbus-Team besteht derzeit aus 18 festangestellten und freien Mitarbeitern. Zweiter Mann an der Spitze ist IT-Experte Tino Engelmann (33), der in Salzkotten aufgewachsen und seit Jahren mit Höber befreundet ist.

Die beiden wollen mit Pinkbus nicht nur national, sondern international wachsen. Noch vor dem Jahreswechsel sollen erste Auslandsziele feststehen, die ab Anfang 2020 angefahren werden. Dazu sucht Pinkbus auch Busunternehmen mit Know-how im grenzüberschreitenden Verkehr als strategische Partner.

Anhand der Analyse ananomysierter Handydaten werden derweil Fahrgastströme innerhalb Deutschlands ausgewertet. »Ab einer Linienlänge von 50 Kilometern können wir uns viele Verbindungen vorstellen – auch mit Haltepunkten in OWL«, sagt Höber.

Start-up hat Geld bei Privatinvestoren gesammelt

Das finanzielle Risiko bei Pinkbus tragen vor allem die beteiligten Buspartner. Sie kaufen die Busse zum Stückpreis von rund 500.000 Euro, erhalten dafür den Großteil der Ticketerlöse. Pinkbus selbst will schon 2020 profitabel arbeiten. In der ersten Finanzierungsrunde hat das Start-up Geld bei Privatinvestoren aus dem Busgewerbe – allesamt aus NRW – eingesammelt. Nun soll zum Jahreswechsel eine Millionensumme bei strategischen Investoren aber auch Risikokapitalgebern eingeworben werden.

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