Mi., 11.09.2019

Delbrücker Autobauer Artega präsentiert umstrittenes E-Stadtauto auf IAA Karo statt Karolino

Klaus Dieter Frers präsentiert auf der IAA das »Autochen«: den Mikro-Stadtwagen Artega Karo mit Elektromotor.

Klaus Dieter Frers präsentiert auf der IAA das »Autochen«: den Mikro-Stadtwagen Artega Karo mit Elektromotor. Foto: Wolfgang Schäffer

Von Oliver Horst und Wolfgang Schäffer

Frankfurt/Delbrück (WB). Der Rechtsstreit der vergangenen Wochen überschattet den ganz großen Auftritt des kleinen Stadtflitzers aus Delbrück. Doch gestern Mittag enthüllt Klaus Dieter Frers auf der IAA in Frankfurt den Artega Karo: ein Elektro-Stadtauto, das ab 14.275 Euro erhältlich ist.

Nachahmungsvorwürfe der Schweizer Erfinderfamilie Ouboter, die den Microlino entwickelt hat, der als Basis des Artega Karo gilt, hatten die Weltpremiere bis zuletzt gefährdet. Jüngst hatte auch das Oberlandesgericht München eine entsprechende Einstweilige Verfügung erlassen.

Frers reagierte darauf – mit der Umbenennung des eigentlich Karolino getauften Fahrzeugs in Karo. Zudem unterscheide sich das weiterentwickelte Fahrzeug der Delbrücker Autoschmiede optisch und auch in mehr als 150 technischen Punkten deutlich vom Vorserien-Microlino. Den Fertigungsauftrag hatte Artega mit der Übernahme des italienischen Autobauers TMI mit eingekauft. Um den Weg für den Karo-Lieferstart im vierten Quartal endgültig freizumachen, setzt Frers auf eine außergerichtliche Einigung mit der Familie Ouboter. Entsprechende Verhandlungen laufen.

Der Karo wird in vier Grundausstattungen angeboten. Antriebstechnik und Fahrwerk sind in allen Varianten identisch. Der E-Motor hat eine Leistung von 15 PS und beschleunigt den Wagen auf bis zu Tempo 90. Der Zweisitzer mit einem Kofferraumvolumen von 300 Litern erinnert optisch an die Kabinenroller der 50er Jahre. Und der Einstieg erfolgt wie damals über eine Fronttür, die samt Lenkrad nach oben schwenkt.

Zum Verkaufsstart bietet Artega den »Intro« als auf 500 Stück limitierte Sonderedition an. Das Modell ist in zwei Sonderlackierungen und einer exklusiven Velours-/Leder-Ausstattung zum Preis von 21.995 Euro erhältlich. Der staatliche Umweltbonus von 4000 Euro kann davon noch abgezogen werden.

Das Basismodell »Classic« beginnt bei 14.275 Euro. Die Varianten »Style« (Basispreis 15.995 Euro) und »Edition« (17.995 Euro) werten das Fahrzeug mit weiteren Merkmalen im Innenraum und Außendesign auf. Gegen Aufpreis gibt es eine größere Batterie, mit der sich die Reichweite in vierstündiger Ladezeit von 125 auf 200 Kilometer verlängert. Die Serienfertigung soll 2020 starten. Bei der Bestellung werden 2500 Euro Anzahlung Euro fällig, die eine Bürgschaftsversicherung absichert.

Artega zeigt aber nicht nur den Karo auf der IAA, sondern auch Teile des Scalo Elletra T/C. »Der Elek­tro-Sportwagen kann auf Rennstrecken flüsterleise fahren und damit die vielfach wegen Lärmauflagen begrenzten Streckenzeiten ausweiten«, sagt Frers. Der Renner mit Hinterradantrieb fährt in der Spitze Tempo 250 und beschleunigt von null auf 100 in vier Sekunden. »Eine Ladung reicht für 45 Minuten Vollgas, aufgeladen ist der Akku wieder in 40 Minuten«, sagt Frers. Der Elletra T/C werde 2020 ausgeliefert.

Ein Jahr später soll mit einer Straßenzulassung der Superelletra folgen. »Er wird dann insgesamt von vier Elektromotoren an Vorder- und Hinterachse angetrieben«, sagt Frers. Der Supersportwagen soll in kleiner Stückzahl auf den Markt kommen und dürfte bis zu eine Million Euro kosten.

Kommentare

Stadtflitzer aus Delbrück?

Das ist kein "Stadtflitzer aus Delbrück", sondern m.E. ein Plagiat dreistester Machart und zugleich eine Missachtung des Oberlandesgerichts München, wie man es selten gesehen hat!

Einfach nur dreist!

Die Familie Ouboter hat die Isetta wieder aufleben lassen und arbeitet seit einigen Jahren an einer aktuellen Fortsetzung - dem Microlino. Es ist ihr verdienst, dass es hoffentlich bald wieder ein so schönes Auto auf den Straßen geben wird. Es ist meiner Meinung nach nur frech was Artega macht. Ich bin entsetzt und wütend zugleich. Das Auto eines Partner zu kopieren und dieses Plagiat auch noch als das Eigene zu bewerben. Traurig, echt traurig Artega. Hätte es denn nicht einen anderen Weg geben können? Herr Frers wo ist ihre Ehre und Anstand als Geshäftsmann. Können ihnen künftige Geschäftspartner vertrauen?

Otto Kaiser

Artega als Auftragsfertiger

Glücklicherweise war der Gerichtsbeschluss kurzzeitig zur Einsicht hochgeladen.
Dort konnte man sehen, dass bei jedem Merkmal Micro gegenüber Artega gewonnen hat.

Glaubt Frers er kommt damit durch wenn er zwei optische Merkmale minimal ändert?!
Wirklich schade, dass Artega alles andere macht als ein guter Auftragsfertiger zu sein
und parallel ein Folgemodell vom Tazzari Zero entwickelt.
(für den Zero hätten sie die Rechte, für den Microlino eben nicht)

Ich hoffe Plan B von Micro läuft endlich an, sonst ist der Zug abgefahren
und das Vertrauen in beide Firmen ruiniert.

3 Kommentare

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