Di., 14.01.2020

Meinolf Päsch legt das Demag-Zepter aus der Hand ”Delbrücks Trumpfkarte ist die Solidargemeinschaft“

Meinolf Päsch führt die Demag seit 2002. „Jetzt ist Zeit, den Vorsitz in jüngere Hände zu legen“, sagt der 69-Jährige.

Meinolf Päsch führt die Demag seit 2002. „Jetzt ist Zeit, den Vorsitz in jüngere Hände zu legen“, sagt der 69-Jährige. Foto: Jürgen Spies

Von Jürgen Spies

Delbrück (WB). In der Delbrücker Marketinggemeinschaft (Demag) endet die Ära Meinolf Päsch: Der 69-Jährige wird im Rahmen des Neujahrsempfangs in der Stadthalle als Vorsitzender verabschiedet. Seit Gründung der Demag im Jahr 2002 führt er die Kaufmannschaft. Als Ideengeber und Strippenzieher im besten Sinne hat Päsch entscheidenden Anteil an vielen erfolgreichen Projekten und großen Festen unter der Regie der Demag.

In einem Gespräch mit dieser Zeitung blickt der Ur-Delbrücker zurück, er zieht Bilanz, blickt aber auch nach vorn.

Päsch war von 1994 bis 1999 Bürgermeister der Stadt Delbrück. Kurze Zeit später fand er mehr Zeit, sich mit einem Projekt zu beschäftigen, das er schon einige Zeit vorher gedanklich unter „hohe Priorität“ einsortiert hatte: Fusion des Delbrücker Verkehrsvereins und der Werbegemeinschaft zur heutigen Delbrücker Marketinggemeinschaft e.V.

Gründlichkeit vor Schnelligkeit

Gut zwei Jahre dauerten die Vorbereitungen. „Der Verkehrsverein dünnte sich damals leider aus, und in der rein ehrenamtlich arbeitenden Werbegemeinschaft wurde deutlich, dass es hier Handlungsbedarf gibt, dass es eine Weiterentwicklung geben muss“, erläutert Päsch, der sich als damaliger Vorsitzender des Verkehrsvereins auch in gewisser Weise in der Pflicht sah, in der neuen Demag als Vorsitzender Verantwortung zu übernehmen und mit einem motivierten Team an der Weiterentwicklung und Attraktivitätssteigerung von Einzelhandel, Gewerbe, Handwerk und Dienstleitungsunternehmen in der Stadt Delbrück zu arbeiten. Eine der Handlungsmaximen: Gründlichkeit vor Schnelligkeit! „Und was mir immer wichtig war von Anfang an, ist der möglichst kurze Draht zur Stadtverwaltung“, betont der Träger des Bundesverdienstkreuzes (2016) am Bande.

Neue Ideen

Das Entwickeln neuer Ideen sah und sieht Meinolf Päsch gerade vor dem Hintergrund, dass „Nachbarkommunen auch nicht schlafen“, als elementar wichtig an, um die Anziehungskraft und Attraktivität einer Stadt zu stärken. „Das funktioniert durch Bündelung der Kräfte. Wir dürfen in Delbrück deshalb wirklich stolz darauf sein, dass es bei uns diesen guten Zusammenhalt, diese Solidargemeinschaft als Trumpfkarte gibt.“

Worauf der langjährige Kommunalpolitiker (von 1984 bis 2014 Ratsmitglied in Delbrück, seit 2014 Kreistagsmitglied) Wert legt, ist die Bemerkung, „dass man mir als Vorsitzendem der Demag nie Eigennutz unterstellen konnte, da ich ja kein Geschäft habe und kein Einzelhändler bin.“ Nicht unerwähnt lässt es das Gründungsmitglied des Rotary Clubs Paderborn Stadt + Land, dass es in den letzten Jahren seiner Ratstätigkeit in Delbrück Konflikte durch die Vielzahl verschiedener Interessen gab.

Kuh vom Eis geholt

Der 69-Jährige nennt hier das Stichwort Innenstadtumgestaltung. Von der breiten Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt, hat Päsch einen immens großen Anteil daran, dass die zwischenzeitlich völlig zum Stillstand gekommene Diskussion vor Umgestaltung der Thülecke durch ihn wieder in Gang kam und quasi die Kuh von Eis geholt wurde.

Dialog statt Konfrontation

“Ich habe es nie und nirgendwo als Niederlage angesehen, wenn man mal einem Kompromiss zustimmt“, sagt der scheidende Demag-Vorsitzende, der auch sonst stets auf Dialogbereitschaft und nicht auf eine Kopf-durch-die-Wand-Methode setzt.

Auf die Frage, was er im Rückblick auf 18 Jahre Demag als herausragende Meilensteine ansieht, kommen Päsch vor allem die großen Stadtfeste unter der Regie der Kaufmannschaft in den Sinn. Aus dem einstigen Stadtfest im Mai wurde das ungleich größere Stadt- und Spargelfest entwickelt, für das es ebenfalls immer wieder Neuerungen gab und gibt, darunter die Spargelrallye oder zuletzt den Kunsthandwerkermarkt. „Ganz wichtig war zu Beginn auch, dass wir die Delbrücker Spargelbauern mit ins Boot holen konnten“, unterstreicht Päsch, der zudem die Etablierung des Frühlingsfestes und des Herbstfestes, ebenfalls mit verkaufsoffenem Sonntag, nennt.

Guter Branchenmix

“In Delbrück werden an verkaufsoffenen Sonntagen bekanntlich nicht einfach nur plump die Ladentüren geöffnet. Die Festausschüsse der Demag stellen ein jeweils dem Anlass entsprechendes Programm auf die Beine, die Delbrücker Vereine engagieren sich. Das ist alles keine Selbstverständlichkeit!“, weiß der Karnevalsfreund (1996 Prinz Karneval und 1982 Kranzkönig in Delbrück), dass auch hier das Ziehen an einem Strang der Schlüssel zum Erfolg ist. Die hohen Besucherzahlen bei Festen in Delbrück „sind ein Beleg dafür, dass Menschen aus der ganzen Region die Atmosphäre in Delbrück und den guten Branchenmix unseres Einzelhandels mit einem sehr hohen Anteil familiengeführter Geschäfte zu schätzen wissen“, so Päsch.

Regie übernommen

Weitere Beispiele für Projekte der Demag: Übernahme der Regie und Ausbau des Schlemmerdorfes „Alt Delbrück“ beim Katharinenmarkt in Kooperation mit den Heimatvereinen und Gastronomen des Delbrücker Landes; Idee und Durchführung des Neujahrsempfangs; Ausrichtung des Sportlerballs in Kooperation mit dem SSV; Etablierung des Veranstaltungsreihe „Mittwochs in...“; Inzenierung der Regionalmesse in der Stadthalle (seit 2019) – um nur Beispiele zu nennen.

Der Adventsmarkt, den es seit den 90er Jahren auf dem Kirchplatz gibt, ausgerichtet in Kooperation mit der Kirchengemeinde, ist dagegen eine Art Sorgenkind. „Das Budget für diesen Markt ist gering“, schränkt Päsch ein.

Das Mitwirken an der Zusammenführung (2018) von Demag und Debus (Delbrücker Betriebsführungs- und Stadthallengesellschaft) sieht er als großen Entwicklungsschritt in jüngerer Vergangenheit an.

Ein neuer Demag-Vorsitzender wird im März in der Jahreshauptversammlung gewählt. Aktuell ist Johannes Dunschen Demag-Vizevorsitzender.

 

 

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