650 Besucher amüsieren sich in Delbrück mit Heidi Mahler und dem Ohnsorg-Theater
Wie die Mutter so die Tochter

Delbrück (WB). Wenn ein Theaterstück seit Jahrzehnten die Zuschauer gut unterhält, spricht das sowohl für den Autor als auch für das Ensemble. „Ein Mann mit Charakter“, eines der bekanntesten Stücke im Repertoire des Hamburger Ohnsorg-Theaters, ist so ein Werk. 650 Zuschauer hatten am Dienstagabend in der Delbrücker Stadthalle großen Spaß und sahen die bekannte Schauspielerin Heidi Mahler in einer Paraderolle als forsche Oma Dora Hintzpeter.

Mittwoch, 15.01.2020, 18:00 Uhr
Heidi Mahler (Mitte) in Aktion: Die resolute Oma Dora Hintzpeter ist eine Paraderolle für die mittlerweile 75-jährige Schauspielerin. Hier diskutiert sie auf der Bühne mit Lehrling Peter Hinz (Lara Marie Wichels) und Betriebsprüfer Detlef Düwel (Christian Richard Bauer). Foto: Meike Oblau
Heidi Mahler (Mitte) in Aktion: Die resolute Oma Dora Hintzpeter ist eine Paraderolle für die mittlerweile 75-jährige Schauspielerin. Hier diskutiert sie auf der Bühne mit Lehrling Peter Hinz (Lara Marie Wichels) und Betriebsprüfer Detlef Düwel (Christian Richard Bauer). Foto: Meike Oblau

Schon Mahlers Mutter, die legendäre Heidi Kabel, hatte diese Rolle einst übernommen – damals spielte die junge Heidi Mahler noch die Rolle von Oma Doras Enkelin Gisela. Inzwischen ist die Schauspielerin, die Ende des Monats 76 Jahre alt wird, selbst auf Abschiedstournee. Von Altersmüdigkeit aber keine Spur. Wie auch das übrige Ensemble sprüht Mahler vor Spielfreude, und „Oma Dora“ hat einfach die besten Sprüche des gesamten Stücks im Drehbuch stehen. So fuchtelt sie wild mit dem Krückstock durch die Luft, weist ihren Sohn, Bäckermeister Heinrich Hintzpeter (Till Huster), forsch zurecht und setzt die ihr zugeschriebenen Pointen einfach auf den Punkt.

Allerlei Verwicklungen

Die Komödie hat allerlei Verwicklungen zu bieten, die sich am Ende natürlich in Wohlgefallen auflösen. Und auch wenn Bäckermeister Heinrich Hintzpeter glaubt, in seiner Familie das Heft in der Hand zu haben, so sind es doch immer wieder die Frauen, die die entscheidenden Strippen ziehen. Vor allem Oma Dora.

Als Heinrich seiner Tochter verbieten will, sich mit dem Finanzbeamten Detlef Düwel (Christian Richard Bauer) zu verloben, weil er einen Bäcker zum Schwiegersohn wünscht, der später einmal den Laden übernehmen kann, weint Heinrichs Tochter Gisela sich bei der Großmutter aus und schwärmt von ihrem Freund Detlef. „Er ist beim Finanzamt, aber da muss er ja nicht bleiben...“ Doch Oma Dora kennt die Vorzüge eines Beamten nur zu genau: „Doch doch, da muss er bleiben – wenn er dann mal tot ist, kriegst du ne schöne Pension!“

Bäckermeister ist den Frauen aus seiner Familie nicht gewachsen

Auch seiner Ex-Frau Selma (Marina Zimmermann) ist der bemitleidenswerte Bäckermeister überhaupt nicht gewachsen, sie wiederum verbündet sich hinterrücks mit Tochter und Ex-Schwiegermutter. Auf die Frage von Oma Dora, ob sie nach der Scheidung wieder geheiratet habe, hat sie nur eine kecke Antwort parat: „Ich habe zu Hause einen Papagei, der sabbelt jeden Tag dasselbe. Ich habe einen Hund, der faul auf der Couch liegt und sich füttern lässt. Und ich habe einen Kater, der sich jede Nacht draußen rumtreibt. Wozu brauche ich da noch einen Mann?!” Da bleibt Oma Dora nur noch festzustellen: „Kein Wunder, dass du noch so gut aussiehst. Hast ja auch keinen Mann daheim, über den du dich krank ärgern musst.“

Bühnenbild bis ins Detail durchdacht

Die kessen Sprüche und die resoluten Frauen auf der Bühne kommen bei den Besuchern bestens an, bis in die Nebenrollen hinein (Lehrling Peter Hinz alias Lara Maria Wichels und Geselle Karl Kröpelin alias Stefan Leonard) ist das Ensemble top besetzt und auch das Bühnenbild ist bis ins Detail durchdacht.

Wie einst ihre Mutter Heidi Kabel hat sich auch Heidi Mahler zum echten Zugpferd des Hamburger Ohnsorg-Theaters entwickelt. Viele Besucher erinnern sich sicherlich auch an die großen Fernsehübertragungen der Aufführungen aus den 1970er Jahren zurück. Wenn Heidi Mahler ihre Ankündigung wahr macht, ist sie am Dienstag letztmals in Delbrück zu sehen gewesen. Schade eigentlich.

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