Familie Nadermann darf nicht öffnen, aber alle Kosten laufen weiter
Delbrücker Tierpark in Existenznot

Delbrück (WB). Homeoffice? Reinhard Nadermann weiß nicht, ob er lachen oder weinen soll, wenn er diesen Begriff hört. In seinem Tierpark haben seine Mitarbeiter die Option nicht. Schlimmer noch: Der Park muss aufgrund der Corona-Bestimmungen geschlossen bleiben. „Das bedeutet: null Euro Einnahmen, während alle Kosten für das Unternehmen weiterlaufen“, sagt Nadermann.

Samstag, 28.03.2020, 10:00 Uhr aktualisiert: 28.03.2020, 14:54 Uhr
Die Tiere müssen weiter versorgt werden: Hier füttern Jennifer Höer und Marcel Ibers die Kamele. Insgesamt gibt es rund 420 Tiere in Tierpark Nadermann. Eigentlich sollte vergangene Woche Samstag Saisoneröffnung sein. Foto: Meike Oblau
Die Tiere müssen weiter versorgt werden: Hier füttern Jennifer Höer und Marcel Ibers die Kamele. Insgesamt gibt es rund 420 Tiere in Tierpark Nadermann. Eigentlich sollte vergangene Woche Samstag Saisoneröffnung sein. Foto: Meike Oblau

Seine Familie, ein Azubi und eine Halbtagskraft versorgen jeden Tag 420 Tiere . Nur wovon er Personal, Futter, Tierärzte und Energiekosten künftig bezahlen soll, weiß Reinhard Nadermann nicht. „Das Kamel möchte weiter sein Heu, der Löwe sein Fleisch, da ist es egal, ob der Tierpark geöffnet ist oder geschlossen“, sagt der Inhaber. Schweren Herzens hat er sich daher über seine Homepage an die Öffentlichkeit gewendet und bittet um Spenden. „Das ist normalerweise nicht unsere Art, wir haben immer versucht, selbst durchzukommen, egal ob bei Auflagen durch BSE, die Schweinepest oder die Vogelgrippe. Aber im Moment wissen wir nicht weiter, zumal niemand sagen kann, wie lange wir den Park geschlossen halten müssen“, so der Schöninger.

Finanzielle Reserven nach der Winterpause aufgebraucht

Die angeordnete Schließung traf den Tierpark zudem zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt: Vergangenen Samstag hätte eigentlich Saisoneröffnung sein sollen. Hinter den Nadermanns liegt eine lange Winterpause ohne Einnahmen. „Der Tierpark ist darauf ausgelegt, dass wir in der Sommersaison zwischen Mitte März und Anfang Oktober auch das Geld einnehmen, dass uns dann durch die Winterpause bringt“, sagt Reinhard Nadermann. Die finanziellen Reserven seien aufgebraucht, zumal er kurz vor der geplanten Eröffnung noch in Renovierungsarbeiten investiert habe, zum Beispiel in den Umbau des Besucherparkplatzes, in neue Zäune und Gehege.

Auch das Café Manege muss zubleiben

„Gerade im Gastronomie- und Freizeitbereich stehen viele Betriebe quasi vor dem Ruin. Hier geht es nicht nur um Umsatzrückgänge oder Verdiensteinbußen, sondern um komplette Einnahmeausfälle. Viele Betriebe haben keine ausreichenden Liquiditätsspielräume und stehen am Rande ihrer wirtschaftlichen Belastbarkeit“, schreibt Nadermann auf seiner Homepage. Betroffen ist nicht nur der Tierpark, sondern auch das „Café Manege“, das derzeit ebenfalls nicht öffnen darf.

Keine öffentlichen Gelder oder Subventionen

Reinhard Nadermann weist darauf hin, dass die meisten Zoos in Deutschland von öffentlicher Hand betrieben und daher aktuell finanziell aufgefangen würden. Für private Tierparks treffe das natürlich nicht zu: „Wir bekommen keinerlei öffentliche Gelder oder Subventionen. Wir erhalten seitens Bund, Land oder Stadt keinerlei Hilfeleistung in Form von Arbeitskräften, Dienstleistungen oder Material. Und auch Spenden oder Sponsoring sind bei uns quasi nicht vorhanden.“

Nadermann bittet um Spenden oder Übernahme von Tierpatenschaften

Er hofft darauf, dass es Menschen gibt, die den Tierpark in dieser schweren Situation unterstützen möchten, mit Geld- oder Futterspenden oder durch die Übernahme einer Tierpatenschaft. Verstärken möchte der Tierpark seine Präsenz in den sozialen Medien: „Wir müssen ja irgendwie im Gespräch bleiben.“ Einnahmen erzielt Nadermann derzeit ausschließlich aus dem Betrieb seines Campingplatzes. „Auch dort ist natürlich weniger los, denn auch für die Camper gilt das Kontaktverbot. Grillfeste mit Nachbarn sind zum Beispiel derzeit nicht drin, sagt Nadermann.

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