Do., 02.04.2020

Bluttat in Westenholz: Pflegesohn (48) steht nächste Woche vor Gericht Tatmotiv Habgier?

Das Anwesen des Rentners in Delbrück-Westenholz: Hier soll er von seinem ehemaligen Pflegesohn im vergangenen Oktober ermordet worden sein. Der 48-Jährige soll den Rentner getötet haben, um an dessen Erbe zu kommen.

Das Anwesen des Rentners in Delbrück-Westenholz: Hier soll er von seinem ehemaligen Pflegesohn im vergangenen Oktober ermordet worden sein. Der 48-Jährige soll den Rentner getötet haben, um an dessen Erbe zu kommen. Foto: Ingo Schmitz

Von Ulrich Pfaff

Westenholz (WB). Es war ein Schreckensszenario: Als die Feuerwehr am 19. Oktober vergangenen Jahres in Delbrück den Brand in einem Fachwerkhaus löschte, fanden die Einsatzkräfte im Feuer eine Leiche.

Wie sich herausstellte, war der Rentner jedoch nicht Opfer des Brandes geworden, sondern einer Gewalttat. Ab kommenden Mittwoch muss sich der mutmaßliche Täter, der Pflegesohn des Mannes, wegen Mordes vor dem Paderborner Schwurgericht verantworten.

Rückblende: Am jenem 19. Oktober, einem Samstag, wird die Feuerwehr gegen 8.30 Uhr an die Grubebachstraße in Delbrück-Westenholz gerufen. Dort haben Anwohner in einem Wohngebäude Flammen gesehen. Als die Löscharbeiten beginnen, steht das Erdgeschoss des Bauernhauses bereits in Vollbrand. Ein 48 Jahre alter Mann wird vom Dach eines Carports gerettet und kommt ins Krankenhaus. Am Brandort entdecken die Feuerwehrleute eine Leiche, zum Teil bereits verbrannt. Sie liegt vor einem Ofen.

Rentner ist durch rohe Gewalteinwirkung gestorben

Es ist der 84 Jahre alte Hausbesitzer, selbst ein alter Feuerwehrkamerad. Die näheren Umstände wecken den Verdacht, dass sein Tod nicht auf den Brand zurückzuführen ist. Eine Obduktion der Leiche bestätigt: Der Rentner ist durch rohe Gewalteinwirkung gestorben.

Als dringend tatverdächtig wird der 48-Jährige in Untersuchungshaft genommen. Er ist der frühere Pflegesohn des Toten. Er soll zwei Jahre zuvor nach vielen Jahren Abwesenheit in das Haus eingezogen sein, nachdem die Frau des 84-Jährigen verstorben war.

Vorschlaghammer solldie Tatwaffe gewesen sein

Die Staatsanwaltschaft erhebt im Februar vor dem Landgericht Paderborn Anklage wegen Mordes und schwerer Brandstiftung. Nach dem Stand der Ermittlungen geht sie davon aus, dass der 48-Jährige seinen früheren Pflegevater durch einen gezielten Schlag auf den Kopf getötet hat – mit einem Vorschlaghammer. Um die Tat zu verdecken, habe er die Leiche vor dem Kaminofen im Esszimmer verbrennen wollen: Der Angeklagte soll ein Stück Holz unter dem Kopf des Toten angezündet haben. Dabei habe das Feuer auf die Wohnung übergegriffen, was durchaus auch beabsichtigt gewesen sei. Zum Tatzeitpunkt am Vorabend des Brandes soll der 48-Jährige unter Drogen gestanden haben. Das Tatmotiv sieht die Staatsanwaltschaft in Habgier begründet: Der mutmaßliche Täter soll den 84-Jährigen getötet ­haben, um an dessen Erbe zu kommen.

Schwurgericht wird die Wahrheit herausfinden müssen

Nachbarn hatten gegenüber dieser Zeitung im Herbst geschildert, der Rentner habe zuvor sein Testament zugunsten des früheren Pflegesohnes geändert. Er habe zwei Häuser besessen, sei auch sonst nicht unvermögend gewesen. Es sei jedoch immer wieder zu Streitereien zwischen den beiden Männern gekommen: Der 48-Jährige habe getrunken und Drogen konsumiert, sei dann unberechenbar gewesen.

Der 48-Jährige hat die Tat bislang bestritten und behauptet, es habe sich um einen Unfall gehandelt. Die Wahrheit wird das Schwurgericht herausfinden müssen. Der Prozess beginnt am Mittwoch, 8. April, und ist zunächst auf weitere sechs Tage bis Ende Juni angesetzt.

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