Mi., 08.04.2020

Mord in Westenholz: Prozessauftakt vor dem Landgericht Paderborn Hammerschlag tötete 84-Jährigen

Der Angeklagte verbirgt zum Prozessauftakt sein Gesicht hinter einem Aktenordner.

Der Angeklagte verbirgt zum Prozessauftakt sein Gesicht hinter einem Aktenordner. Foto: Ralf Meier

Von Ulrich Pfaff

Delbrück/Paderborn (WB). Habgier. Das ist nach Ansicht der Staatsanwaltschaft das Motiv für den Mord an einem 84-jährigen Westenholzer im Oktober vergangenen Jahres. Der spektakuläre Fall wird seit Mittwoch in einem Prozess vor dem Paderborner Schwurgericht aufgearbeitet. Es wird aber einige Wochen dauern, bis das Verfahren richtig in Gang kommt.

Es ist eine eher unwirkliche Szenerie, zu einem Teil auch den Vorkehrungen geschuldet, um im Gerichtssaal Corona-Infektionsschutz zu betreiben. Der 48-Jährige wird zur Anklagebank geführt, die durch Plexiglasscheiben von der Richterbank und der vor ihm sitzenden Verteidigerin getrennt ist. Fast eingeschüchtert hält er einen lilafarbenen Aktendeckel vor sein Gesicht, so nah, dass Pressefotografen und Kameraleute keine Chance haben, sein Gesicht abzulichten. Publikum ist so gut wie keines im Saal.

Wie berichtet, ist der Mann mit der dunklen Kapuzenjacke und dem Kurzhaarschnitt angeklagt, seinen früheren Pflegevater in dessen Haus in Westenholz ermordet zu haben. Um die Tat zu vertuschen, soll er versucht haben, die Leiche zu verbrennen, wobei auch das Haus in Brand geriet. Die Leiche wurde bei den Löscharbeiten von der Feuerwehr entdeckt.

Staatsanwalt: Es ging ums Erbe

Es sei ums Erbe gegangen, betonte Staatsanwalt Kai Waschkies am Mittwoch bei der Verlesung der Anklageschrift. Der 48-Jährige, der lange Zeit in der Nähe von Bremen gelebt habe, sei im Sommer 2019 nach Westenholz zu seinem früheren Pflegevater zurückgekehrt und von diesem dann testamentarisch zum Alleinerben eingesetzt worden – die eigene Adoptivtochter habe der Rentner mit diesem Vorgang enterbt. Tatsächlich soll der 48-Jährige dann in der Nacht zum 19. Oktober im Esszimmer des Wohnhauses den 84-Jährigen mit einem einzigen wuchtigen Hieb eines Vorschlaghammers so auf den Kopf geschlagen haben, dass er tödlich verletzt wurde. Der Schlag sei von hinten erfolgt, so dass dem Opfer keine Möglichkeit zur Gegenwehr geblieben sei. Er habe ans Erbe gewollt, hält die Staatsanwaltschaft dem 48-Jährigen vor.

Seit zehn Jahren arbeitslos

Der Angeklagte bestätigt dem Schwurgerichts-Vorsitzenden Eric Schülke auf Nachfrage seine persönlichen Daten: Geboren 1971, gelernter Fleischer, seit zehn Jahren arbeitslos, geschiedener Vater einer erwachsenen Tochter. Seine letzte Wohnanschrift zwischen Bremen und Bremerhaven ist die eines Campingplatzes. Viel mehr ist zum Auftakt dieses Prozesses nicht drin: Der vom Gericht bestellte psychiatrische Gutachter ist terminlich so ausgelastet, dass er erst Mitte Mai an dem Verfahren persönlich teilnehmen und sich einen direkten Eindruck vom Angeklagten und den Aussagen von Zeugen verschaffen kann – was erforderlich ist, um in einem solchen Schwurgerichtsverfahren etwaige Fragen zur Schuldfähigkeit zu beantworten. Denn der 48-Jährige hatte zum Zeitpunkt seiner Festnahme Drogenspuren im Blut: Cannabinoide und Morphine.

So wird sich das Schwurgericht beim nächsten Verhandlungstermin am 29. April zunächst lediglich mit der Vermögenssituation des Opfers befassen. Später, so Verteidigerin Stephanie Risse, könnte es auch eine Einlassung des 48-Jährigen zu den Vorwürfen geben.

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