Wie Vikar Lukas Hellekes in Delbrück in Corona-Zeiten Messe vor der Kamera feiert
Leere Kirche – volle Konzentration

Delbrück/Hövelhof (WB). „Die Vorbereitungszeit für die Predigt war genauso wie bei jeder anderen auch“, resümiert Lukas Hellekes. Der Vikar hat im Pastoralverbund Delbrück-Hövelhof die erste live gestreamte Heilige Messe gefeiert. Ohne die Gemeinde, wie es in Corona-Zeiten zu sein hat – aber im Fokus einer Kamera.

Dienstag, 28.04.2020, 08:27 Uhr aktualisiert: 28.04.2020, 08:30 Uhr
Vikar Hellekes feiert die Heilige Messe ohne Gemeinde. Lediglich ein kleines Technik-Team betreut den Live-Stream aus Sudhagen. Foto:
Vikar Hellekes feiert die Heilige Messe ohne Gemeinde. Lediglich ein kleines Technik-Team betreut den Live-Stream aus Sudhagen.

Kein Rascheln, kein Naseputzen, kein Räuspern – und keine Gesichter, in die der Zelebrant während der Liturgie blicken kann. Lediglich ein kleines Team bedient im Hintergrund die Technik. Vikar Hellekes hatte sich darauf eingestellt: „Für mich war das auf jeden Fall ein Prüfstein des eigenen priesterlichen Dienstes.“

Wie ernst nehme ich das?

Lukas Hellekes

„Ich habe mir die Frage gestellt: ‚Wie ernst nehme ich das?‘ Denn die Heilige Messe allein vor der Kamera zu feiern, birgt durchaus die Versuchung, in eine Vorführungsmentalität gleiten zu können.“ Vor Beginn war er schon etwas nervöser als sonst, berichtet er selbstkritisch: „Aber ich habe mir gedacht, dass ich eigentlich viel nervöser sein müsste, wenn ich direkt vor den Menschen stehe. Denn dann bin ich ja unmittelbar präsent. Die Heilige Messe auch ohne Gottesdienstbesucher zu feiern, ist nicht weniger bedeutsam als ein feierliches Pontifikalamt mit dem Erzbischof. Der Auftrag für mich als Priester ist der gleiche. Mir ist es wichtig, die Verantwortung wahrzunehmen, den Himmel für die Menschen zu öffnen. Es selbst ohne Gemeinde stellvertretend für das Gottesvolk tun zu dürfen, merke ich jetzt mit dieser Erfahrung noch stärker als sonst.“

Gefühlt ist es mir deutlich kürzer vorgekommen.

Lukas Hellekes

Etwas überrascht war der 31-Jährige am Schluss dann doch, dass die live gestreamte Heilige Messe 50 Minuten gedauert hat. „Gefühlt ist es mir deutlich kürzer vorgekommen“, erinnert er sich lachend. Die Resonanz auf die aus Sudhagen unter Ausschluss der Öffentlichkeit gefeierte Messe war sehr positiv. Nicht nur, dass währenddessen kontinuierlich fast 400 Geräte zugeschaltet waren. Nahezu 3000 Downloads belegen, dass die Katholiken im Delbrücker Land sich die Messe zu einem späteren Zeitpunkt ansehen oder feiern wollten.

Vikar Hellekes selbst hat zudem viele Rückmeldungen per Whats-App und Mail erhalten. „Auch im Supermarkt oder an der Tankstelle bin ich angesprochen worden. Die Menschen haben sich für dieses Angebot bei unserem Technik-Team und mir persönlich bedankt. Das macht große Freude. Für uns Priester ist es wichtig, ein ehrliches Feedback über die Liturgie zu erhalten.“

Das war eine gute pädagogische Schulung.

Lukas Hellekes

Lukas Hellekes selbst hat sich im Nachgang kontrolliert und sich Teile des Videos noch einmal angeschaut. „Das war eine gute pädagogische Schulung, seine eigene Haltung, die Mimik und die Sprache auf den Prüfstein zu stellen.“ Und das Resultat? „Bei der Messeinführung und der Liturgie will ich mich darauf konzentrieren, noch bewusster ‚normal‘ zu sprechen. Getragen reden, ja. Aber die Gefahr, in einen manchmal leiernden Ton zu verfallen, besteht schon. Ich möchte ganz normal mit Jesus und den Menschen reden. Ich will einfach authentisch sein.“

Messe im Live-Stream wird fortgeführt

Das Experiment der live gestreamten Heiligen Messe ist für Vikar Hellekes jedenfalls geglückt. „Die Resonanz war sehr gut. Und wenn es Jesus dient, dann freue ich mich darüber und nehme diese Herausforderung an.“ Die sonntägliche Messe im Live-Stream um 10.30 Uhr aus Sudhagen wird fortgeführt. Der Link dafür steht auf den Pastoralverbund-Seiten Delbrück und Hövelhof (www.pv-delbrueck.de und www.pv-hoevelhof.de).

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