Do., 14.05.2020

Maria Breimhorst aus dem Hövelhofer Haus Bredemeier berichtet von der Erkrankung 90 Jahre – und Corona gut überstanden

Am Besucherfenster in der Cafeteria des Hauses Bredemeier hat Maria Breimhorst das erste Interview ihres Lebens gegeben. Direkt bis ans Fenster ist sie dabei nur für das Foto gekommen, der Abstand war jederzeit gewährleistet.

Am Besucherfenster in der Cafeteria des Hauses Bredemeier hat Maria Breimhorst das erste Interview ihres Lebens gegeben. Direkt bis ans Fenster ist sie dabei nur für das Foto gekommen, der Abstand war jederzeit gewährleistet. Foto: Meike Oblau

Hövelhof/Delbrück (WB). Putzmunter winkt Maria Breimhorst aus dem Besucherfenster des Hövelhofer Altenzentrums Haus Bredemeier . Dreieinhalb Wochen lang war die 90-jährige Delbrückerin mit dem Coronavirus infiziert. Redakteurin Meike Oblau hat mit der Seniorin gesprochen.

Die wichtigste Frage vorab: Wie geht es Ihnen?

Maria Breimhorst: Sehr gut, danke! Eigentlich ging es mir die ganze Zeit über gut, ich habe von dem Coronavirus fast nichts bemerkt.

 

Also gab es kaum Symptome?

Breimhorst: Nein, fast keine. Ich hatte mich zweimal übergeben und hatte Halsschmerzen. Dann hieß es, ich solle mich vorsichtshalber testen lassen. Ich hatte vom Coronavirus schon in der Zeitung gelesen, war dann aber ganz überrascht, dass mein Test positiv ausfiel. Da hab ich beim Coronavirus also sofort ‚Hier‘ geschrien, habe ich für mich nur so gedacht.

Mehr als 30 positive Tests

Im Haus Bredemeier sind zwischen Ende März und Mitte April mehr als 30 Bewohner und Mitarbeiter positiv auf das Coronavirus getestet worden. Drei Bewohnerinnen in Alter zwischen 85 und 97 Jahren sind in dieser Zeit verstorben. Das Haus Bredemeier ist bereit seit dem 9. März, lange vor den ersten Infektionen, für Besucher geschlossen. Seit vergangenem Wochenende dürfen die Bewohner wieder Besuch am Fenster der Cafeteria empfangen.

 

Hatten Sie keine Angst?

Breimhorst: Ich musste schon so viel wegstecken in meinem Leben, im Krieg sind wir zum Beispiel ausgebombt worden. Da war ich mir sicher, dass mir Corona nun auch nichts mehr anhaben kann. In meinem Alter denkt man doch ohnehin darüber nach, dass irgendwann die Zeit gekommen ist... Aber ich habe von der Infektion so gut wie nichts gespürt. Meine fünf Kinder, die alle noch in Delbrück leben, haben sich natürlich Sorgen gemacht, sie haben jeden Tag angerufen. Und jeden Tag konnte ich sagen: Es ist alles gut.

 

Seit mehr als zwei Monaten darf kein Besuch mehr ins Haus Bredemeier hinein, während Ihrer Infektion mussten Sie auf Ihrem Zimmer bleiben. War das nicht langweilig auf Dauer?

Breimhorst: Ich bin ganz gerne für mich allein, daher konnte ich das gut ertragen. Morgens verbringe ich immer viel Zeit mit meiner Zeitung, informiere mich über meine Heimatstadt Delbrück und darüber, was in Hövelhof so los ist. Ich habe auch immer nachgelesen, wie hoch die Infektionszahlen sind. Das Fernsehprogramm bietet Abwechslung, die Kinder rufen an, wir können auf Wunsch mit unserer Seelsorgerin Anita Wieschollek sprechen. Mir hat nichts gefehlt. Ich war nur etwas ungeduldig, weil das Virus bei mir so hartnäckig war und bei mehreren Tests immer wieder nachgewiesen werden konnte, dreieinhalb Wochen lang. Als dann endlich die Nachricht kam, dass Corona bei mir nicht mehr nachweisbar ist, haben wir eine Flasche Sekt geköpft, die mein Sohn vorbeigebracht hatte.

 

Wie erleben Sie die Situation im Haus Bredemeier?

Breimhorst: Ich habe mich jederzeit gut informiert und betreut gefühlt. Mir taten eher die Mitarbeiter leid, wenn sie da, wie ich es immer sage, verkleidet wie die Marsmännchen ins Zimmer kamen. Sowas habe ich in meinem ganzen Leben noch nicht erlebt, dass man nicht raus darf, Masken tragen und so viele neue Regeln beachten muss. Eine neue Erfahrung mit 90 Jahren.

 

Sie sind im Bewohnerbeirat aktiv, kürzlich hat erstmals wieder eine Sitzung stattgefunden. Was besprechen Sie da?

Breimhorst: Wir haben zum Beispiel das neue Besuchskonzept diskutiert. Seit vergangenem Wochenende dürfen wir wieder mit Besuchern sprechen, von einem Fenster in der derzeit geschlossenen Cafeteria aus. Anfangs waren dafür 15 Minuten veranschlagt. Das war aber zu kurz, daher haben wir besprochen, dass das auf 30 Minuten verlängert wird. Meine Tochter war sonntags nämlich schon da gewesen und daher wusste ich aus eigener Erfahrung: 15 Minuten, das bringt nicht viel. Ab kommender Woche dürfen nun Besucher nach Anmeldung an vier Tagen vormittags und nachmittags jeweils eine halbe Stunde kommen, natürlich mit Maske und auf Abstand. Außerdem dürfen Familien mit ihren Angehörigen auch wieder draußen spazieren gehen, wenn sie die geltenden Hygienevorschriften einhalten. Das freut viele Bewohner sehr.

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