Anne Eggenwirth übernimmt die Leitung der KÖB Delbrück von Johanna Hagenhoff
Hier stimmt die Chemie

Delbrück (WB). Ursprünglich haben sie mal ganz andere Berufe erlernt. Wenn aber wie jetzt in der KÖB Delbrück eine chemisch-technische Assistentin den Staffelstab an eine pharmazeutisch-technische Assistentin übergibt, kann man wohl mit Fug und Recht behaupten: Hier stimmt die Chemie. Johanna Hagenhoff hat die Leitung der Bücherei am Kirchplatz abgegeben. Anne Eggenwirth übernimmt.

Freitag, 15.05.2020, 08:00 Uhr
Neue Leitung in der KÖB Delbrück: Anne Eggenwirth (vorne rechts) folgt auf Johanna Hagenhoff. Zum Einstand beziehungsweise Ausstand gab’s Präsente von Pfarrer Bernd Haase (hinten links) und Bürgermeister Werner Peitz. Foto: Meike Oblau
Neue Leitung in der KÖB Delbrück: Anne Eggenwirth (vorne rechts) folgt auf Johanna Hagenhoff. Zum Einstand beziehungsweise Ausstand gab’s Präsente von Pfarrer Bernd Haase (hinten links) und Bürgermeister Werner Peitz. Foto: Meike Oblau

Und nicht nur das Gesicht ist neu: Erstmals hat die katholische öffentliche Bücherei seit dem 1. April nun eine hauptamtliche und damit bezahlte Leiterin, die natürlich nach wie vor von einem rührigen ehrenamtlichen Team unterstützt wird, um die wöchentlich neuneinhalb Stunden Öffnungszeit aufrecht zu erhalten. Auf eine größere Feier zum Leitungswechsel mussten die katholische Kirchengemeinde und die Stadt Delbrück coronabedingt verzichten. Blumen, kleine Präsente und gute Wünsche gab’s – auf Abstand – für die beiden Frauen trotzdem von Pfarrer Bernd Haase und Bürgermeister Werner Peitz.

In sieben Ortsteilen gibt es Büchereien

Delbrücker Leseratten können sich an insgesamt sieben KÖB-Standorten mit Nachschub versorgen. Die Lippedörfer Anreppen, Bentfeld und Boke werden durch den Bücherbus des Kreises versorgt, in den sieben anderen Ortsteilen gibt es Büchereien. Die im Johanneshaus am Kirchplatz ist gewissermaßen die Zentrale.

Johanna Hagenhoff erinnert sich noch gut daran, wie sie Ende 1992 zaghaft anfragte, ob Hilfe im ehrenamtlichen Team benötigt würde. Ein Lehrgang zur kirchlichen Bücherei-Assistentin in St. Augustin brachte das theoretische Rüstzeug. Dann legte die heute 60-Jährige los, und das über nunmehr 28 Jahre. „Wenn meine Kinder fragten: ‚Wo ist Mama‘, dann lautete die Antwort sehr oft: ‚In der Bücherei‘. Sie kennen heute noch die Telefonnummer auswendig“, schmunzelt die Delbrückerin. Auf der Anfahrt zu einer Radiosendung im Bürgerfunk zum 150-jährigen Bestehen der Bücherei im Jahr 2000 habe sie den damaligen Bürgermeister Robert Oelsmeier in dessen Dienstwagen um Geld für die Digitalisierung der KÖB gebeten, erinnert sich Hagenhoff. Das Geld kam, und 2002 hatten die alten Karteikarten ausgedient und die Ausleihe lief digital.

Ausleihzahlen sind stetig angestiegen

2006 kam der Internetauftritt dazu. Da hatte Johanna Hagenhoff schon ihr Hobby zum Beruf gemacht, seit 2002 arbeitet sie im Medienzentrum in Paderborn als Büchereiassistentin. 2010 bekam die KÖB erstmals Unterstützung durch einen Förderverein, seit 2014 gibt es E-Books. Die Ausleihzahlen beweisen eindrucksvoll, dass die Beliebtheit der Bücherei im Johanneshaus stetig wuchs: 2001 lag die Zahl bei 35.000 Ausleihen, 2010 bereits bei 60.000. „Inzwischen haben wir uns bei etwa 70.000 eingependelt“, sagt Hagenhoff. 30 ehrenamtliche Helferinnen sorgen in der KÖB für einen reibungslosen Ablauf. „Und ein Quotenmann im Hintergrund für die EDV“, fügt die scheidende Leiterin hinzu. Im Büchereiteam will die 60-Jährige auch weiterhin mitarbeiten, aber nicht mehr an „vorderster Front“.

Ähnlich wie 1992 Johanna Hagenhoff „schneite“ 2018 auch Anne Eggenwirth in die KÖB hinein. „Dort hing ein Plakat, dass Helfer gesucht würden. Ich habe mich für’s Vorlesen im monatlichen Bilderbuchkino angeboten“, erinnert sich die zweifache Mutter.

Mit 60 Jahren ist jetzt Schluss

Da sich Johanna Hagenhoff fest vorgenommen hatte, mit 60 als Leiterin aufzuhören, fragte sie schon recht bald Anne Eggenwirth, ob sie perspektivisch die Leitung übernehmen wolle. „In der Elternzeit habe ich darüber nachgedacht“, sagt die 38-jährige gebürtige Rietbergerin. „Ich konnte mir das vorstellen und war plötzlich in einem offiziellen Bewerbungsverfahren drin.“

„Wir waren uns schnell sicher, dass wir Anne Eggenwirth als Leiterin wollen“, sagt Pfarrer Bernd Haase. Angestellt ist sie bei der Kirche, finanzielle Unterstützung für die hauptamtliche Teilzeitstelle kommt von der Stadt. „Ich will hier das Rad nicht neu erfinden, aber natürlich habe ich Ideen“, sagt sie. Da die „Chemie“ zur Vorgängerin stimmt, wird sie Johanna Hagenhoff sicherlich noch das ein oder andere Mal um Rat fragen. Dann ist nur noch eine Frage offen: Gibt es eigentlich eine chemische Formel für die Diagnose „Bücherwurm“?

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