Großeinsatz in Delbrück wegen des Gewitters - Feuer-Fehlalarm sorgt für Ärger
Westenholz besonders betroffen

Delbrück (WB/al/dpa). Vollgelaufene Keller, umgestürzte Bäume, überschwemmte und teilweise verschlammte Straßen waren die Folge eines kräftigen Sommergewitters, das sich am späten Freitagabend über Westenholz entlud. Mehr als 30 Einsatzstellen galt es für die Feuerwehr abzuarbeiten. Bis in den frühen Samstagmorgen waren Feuerwehrkräfte aus allen Delbrücker Löschzügen mit der Beseitigung der schlimmsten Schäden beschäftigt.

Samstag, 15.08.2020, 12:39 Uhr aktualisiert: 15.08.2020, 19:26 Uhr
Vor allem in Westenholz wurden zahlreiche Straße überflutet. Foto: Axel Langer
Vor allem in Westenholz wurden zahlreiche Straße überflutet. Foto: Axel Langer

„Als ich über die Westenholzer Straße zum Gerätehaus gefahren bin, war mir schon klar, das wird ein langer Einsatz“, so der stellvertretende Westenholzer Löschzugführer Stefan Schormann-Diekmann, der sich gegen 20.30 Uhr über eine überflutete Westenholzer Straße zum Gerätehaus kämpfen musste.

„Es hat so geschüttet, die Häuser entlang der Straße waren kaum zu sehen“, so ein zweiter Feuerwehrmann angesichts der sintflutartigen Niederschläge. Schnell entschlossen sich die Westenholzer Feuerwehrleute eine örtliche Leitstelle in ihrem Gerätehaus einzurichten. Westenholz und Hagen stellten sich schnell als Einsatzschwerpunkte heraus. Im Gerätehaus in Delbrück wurde ebenfalls eine örtliche Leitstelle eingerichtet.

Unwetter in Delbrück-Westenholz

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Zahlreiche Bäume wurden entwurzelt und stürzten um, darunter auch mächtige Eichen. Einer der ersten Einsätze führte den Delbrücker Löschzug auf die Nordhagener Straße, aber auch entlang der Westenholzer Straße oder der Mühlenheider Straße versperrten Bäume und Äste die Fahrbahn. Die Grubebachstraße musste zwischenzeitlich gesperrt werden, da sie stellenweise bis zu 30 Zentimeter unter Wasser stand und für den Verkehr nicht passierbar war. Feuerwehrleute aus Westenholz reinigten einen Vorfluter, so dass das Wasser nach und nach abfließen konnte. Zeitweise gesperrt wurde auch die Rieger Straße. Hier hatte der Starkregen Boden von den Feldern mitgerissen auf so für eine Schlammwelle gesorgt.

Zahlreiche Keller im gesamten Dorf geflutet

Auch auf der Westenholzer Straße musste Schlamm beseitigt werden. Zahlreiche Keller im Dorf wurden durch die Regenmassen geflutet und wurden von der Feuerwehr leergepumpt. Schmutzwasser drückte durch die Kanalisation hoch und ergoss sich in Kellerräume. Neben dem Dorfkern waren der Springpatt und überraschenderweise auch der höher gelegene Bereich am Bremer Weg betroffen. Im Laufe des Abends rückten weitere Feuerwehrkräfte in den Bereich „Vor den Eichen“. Hier drückte Wasser aus der Kanalisation in mehrere Keller.

Betroffen war auch das frühere Schwesternwohnheim in der Anton-Pieper-Straße. Knöcheltief stand der gesamte Keller unter Wasser. Mit Wassersaugern und Tauchpumpen rückte der Löschzug aus Boke an und pumpte das Wasser heraus. Von dem Starkregen waren auch Betriebe im Gewerbegebiet an der Grubebachstraße betroffen. Die Feuerwehr pumpte Wasser aus dem Bereich der Lkw-Rampe ab. Während die Löschzüge Westenholz, Delbrück, Lippling und Boke in Westenholz effektive Schadensbegrenzung betrieben, kümmerten sich die Löschzüge Ostenland und Bentfeld um den Grundschutz.

Von einem Brand keine Spur

Dies erwies sich als sinnvoll, da im Laufe des Abends eine Brandmeldung einging. Im Rochusweg in Delbrück sollte ein Container brennen. Dies stellte sich allerdings als Fehlalarm heraus. „Die Anwohner waren sehr überrascht, als wir dort eintrafen. Von einem Brand keine Spur. Wir gehen von einer böswilligen Fehlalarmierung durch Dritte aus“, so Wehrführer Johannes Grothoff am späten Abend im Delbrücker Gerätehaus. Bis in den frühen Samstagmorgen hinein waren die Feuerwehrkräfte im Einsatz.

Auch am Samstagvormittag rückten Feuerwehrkräfte aus Westenholz und Delbrück erneut aus, um an der Lausitzer Straße in Westenholz Keller auszupumpen und entlang der Kaunitzer Straße zwischen Delbrück und Lippling umgestürzte Bäume zu beseitigen.

Am Freitag hatte es auch im Warburger Land im Kreis Höxter erhebliche Schäden gegeben.

Einsatzkräfte auch anderswo in NRW im Dauerstress

Im münsterländischen Dülmen (Kreis Coesfeld) hätten rund 70 Einsatzkräfte am frühen Samstagnachmittag innerhalb von zwei Stunden 40 Stellen kontrolliert, sagte ein Sprecher der Feuerwehr. An einigen Orten hätten sie Wasser abpumpen müssen, an vielen anderen sei es von selbst abgelaufen, als der Regen nachließ.

Ein Autofahrer musste in Dülmen laut Feuerwehr mit seinem Wagen aus einer überfluteten Unterführung befreit werden. Besonders im Stadtgebiet seien zahlreiche Wohngebäude und Geschäftshäuser mit Wasser vollgelaufen und Straßen gesperrt worden, so der Sprecher.

Auch im Kreis Steinfurt drangen die Regenfälle am Samstag in zahlreiche Keller ein und überfluteten Fahrbahnen. Insgesamt 55 Einsätze habe es bis 15.00 Uhr gegeben, teilte ein Sprecher der Feuerwehr mit. Besonders betroffen seien Lengerich und Tecklenburg gewesen. Inzwischen habe sich die Lage aber wieder beruhigt.

Am Samstagmittag habe der Regen vor allem das Münsterland getroffen, sagte eine Meteorologin des Deutschen Wetterdienstes (DWD) am Nachmittag. Anschließend sei er weiter in den Süden über das Ruhrgebiet sowie den Kreis Paderborn, den Großraum Siegen und den Kreis Olpe gezogen.

In Dortmund gab es laut Feuerwehr bis 17.00 Uhr 350 Einsätze mit Wasser im Keller oder überflüteten Unterführungen sowie Straßen. In Bochum kam es am Nachmittag zu 21 unwetterbedingten Einsätzen, wie die Feuerwehr mitteilte.

Weiterhin viel Regen, stürmische Böen und Hagel

Überflutete Fahrbahnen sorgten nach Angaben des WDR-Stauradars auf den Autobahnen für Stau und stockenden Verkehr - so zum Beispiel im Ruhrgebiet auf der A1 in Richtung Köln zwischen Volmarstein und Gevelsberg.

Laut DWD-Vorhersage ist am Samstag weiter örtlich heftiger Starkregen mit Mengen von 40 bis 70 Liter pro Quadratmeter in kurzer Zeit möglich. Dazu kämen stürmische Böen sowie Hagel. Die Lage bleibe in den nächsten Tagen ähnlich und es sei weiter Unwetter zu erwarten.

86,5 Liter pro Quadratmeter in Wadersloh (Kreis Warendorf)

Bereits am Freitagabend und in der Nacht auf Samstag hatte der Starkregen die Feuerwehr gefordert. Allein im münsterländischen Kreis Warendorf habe es 375 Einsätze gegeben, sagte ein Sprecher der Feuerwehr. Das habe sich bis in den Vormittag gezogen. „Unwetter kommen zwar immer wieder mal vor, aber das war die Spitze des Eisbergs in den letzten zwei Jahren“, so der Sprecher. 405 Feuerwehrkräfte waren wegen vollgelaufener Keller und Straßenüberflutungen im Einsatz. Schwerpunkt war mit 200 Fällen der Raum Beckum, gefolgt von Drensteinfurt und Telgte.

Am schlimmsten habe das Unwetter am Freitagabend im nördlichen Ruhrgebiet und im Münsterland gewütet, sagte eine DWD-Meteorologin in Essen. Der heftigste Starkregen sei mit 86,5 Litern pro Quadratmeter in Wadersloh (Kreis Warendorf) gemessen worden.

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