Traditionsreiches Unternehmen in Delbrück zieht aufgrund finanzieller Probleme die Reißleine – Kunden sollen eingelagerte Räder abholen
Autohaus stellt Insolvenzantrag

Delbrück -

Das alteingesessene Autohaus Niggemeier in Delbrück hat beim Amtsgericht Paderborn einen Eigenantrag auf ein Insolvenzeröffnungsverfahren gestellt. Das Amtsgericht hat den Detmolder Rechtsanwalt Martin Schmidt zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt.

Donnerstag, 04.02.2021, 23:45 Uhr aktualisiert: 05.02.2021, 07:10 Uhr
Teilansicht des Autohauses Niggemeier am Waßmannsweg. Die Geschichte des Kfz-Betriebes reicht zurück bis ins Jahr 1930.
Teilansicht des Autohauses Niggemeier am Waßmannsweg. Die Geschichte des Kfz-Betriebes reicht zurück bis ins Jahr 1930. Foto: Jürgen Spies

Die Entscheidung des Amtsgerichts über die Eröffnung des Insolvenzverfahrens ergeht, nachdem der Sachverständige sein Gutachten bei Gericht eingereicht hat. Schmidt, Fachanwalt für Insolvenzrecht, sagte am Donnerstag auf Anfrage dieser Zeitung: „Ich gehe davon aus, dass das Insolvenzverfahren eröffnet wird.“

Martin Schmidt hat nach eigenen Angaben die verbliebenen 14 Mitarbeiter des Autohauses Niggemeier in einer Betriebsversammlung über die prekäre Lage informiert. „Wir sind immer noch dabei, zu sondieren. Was ich aber schon mal sagen kann, ist, dass der Geschäftsführer mit großem Verantwortungsbewusstsein seinen Mitarbeitern gegenüber handelt und dadurch die Löhne bis einschließlich Dezember gezahlt werden konnten“, erklärte der Fachanwalt.

Rainer Lessmann (65), Geschäftsführer und Teilhaber des Autohauses, habe sich in der finanziellen Situation gezwungen gesehen, durch den Eigenantrag auf Insolvenz die Reißleine zu ziehen. Aktuell laufe der Geschäftsbetrieb zumindest in der Werkstatt noch weiter. Insolvenz-Experte Schmidt: „Kunden, die bei Niggemeier beispielsweise noch ihre Sommerräder eingelagert haben, sollten sich jetzt aber mit dem Autohaus zur Abholung in Verbindung setzen.“

Gesicherte Aussagen, ob der Werkstattbetrieb noch bis Ende März möglich sei, könnten derzeit nicht gemacht werden, hieß es.

Auf Anfrage des WESTFÄLISCHEN VOLKSBLATTES sagte Rainer Lessmann am Donnerstag: „Wir haben diesbezüglich alle Kunden bereits angeschrieben.“

Die Lockdowns der vergangenen elf Monate haben der Kfz-Branche bundesweit hart zugesetzt. Schon im Frühjahr vergangenen Jahres hatte ein Großteil der Betriebe einen deutlichen Rückgang der Geschäfte in Autohäusern sowie nachlassende Auftragseingänge insgesamt beklagt. Bei Niggemeier kam in jüngerer Vergangenheit noch eine Besonderheit hinzu: Das Delbrücker Unternehmen hatte viele Jahre lang Werkstatt- und Serviceaufträge der Briten in der Region bekommen. Seit dem Abzug eines Großteils der Soldaten von den hiesigen Standorten fehlen dem Kfz-Betrieb die Umsätze. Diese hätten nach Angaben von Lessmann den „größten Anteil im Bereich Werkstatt“ ausgemacht.

Die Geschichte des Autohauses Niggemeier reicht zurück bis ins Jahr 1930. Damals hatte Heinrich Balzer im Zuge des aufkommenden Autobooms eine Tankstelle samt Autohandel in Delbrück an der Paderborner Straße 19 eröffnet. Schon fünf Jahre später, 1935, konnte mit der Adam Opel AG der Händlervertrag abgeschlossen werden.

Im Jahr 1960 übernahm Heinz Niggemeier den Betrieb und baute ihn kontinuierlich aus. Am Waßmannsweg (früher Teilstück der alten Paderborner Straße) entstand in den folgenden Jahrzehnten ein moderner Komplex mit repräsentativen Ausstellungshallen, Werkstatt/Direktannahme, Büros, Lager und weiteren Betriebsbereichen. Mitte der 80er Jahre beschäftigte Niggemeier bereits rund 40 Mitarbeiter.

Seit 1991 ist Rainer Lessmann Geschäftsführer und Teilhaber des Autohauses Niggemeier GmbH. Lessmann hat den Betrieb mit seinem Team in den vergangenen 30 Jahren weiter ausgebaut. Fast 85 Jahre lang war das Autohaus Niggemeier Opel-Vertragshändler, seit etwa zwei Jahren noch Opel-Servicepartner.

Zuletzt im Juli 2019 hatte das Autohaus den Opel-Service-Pokal als besondere Auszeichnung bekommen. Diesen Pokal erhalten Opel-Partner, wenn sie bei den unangemeldeten Werkstatttests nicht nur mit einem „sehr gut“ für ihre Werkstattleistungen bewertet werden, sondern auch der gesamte Serviceprozess von der Terminvergabe bis zur Erläuterung der Rechnung mit der Bestnote abgeschlossen wird.

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