Do., 31.05.2018

Zugverbindung nach Verl: Hövelhofer Politik diskutiert im Juli Kosten liegen bei zehn Millionen Euro

Der Verler Bürgermeister würde seine Kommune gerne an den Hövelhofer Sennebahnhof anbinden. Von hier sind Paderborn und Bielefeld gut erreichbar.

Der Verler Bürgermeister würde seine Kommune gerne an den Hövelhofer Sennebahnhof anbinden. Von hier sind Paderborn und Bielefeld gut erreichbar. Foto: Jörn Hannemann

Von Kerstin Eigendorf und Meike Oblau

Hövelhof/Verl (WB). Sollte die Reaktivierung der TWE-Strecke von Verl nach Hövelhof mit kleinen, autonom fahrenden Zügen tatsächlich umgesetzt werden, wird es ein Millionenprojekt. Im Projektsteckbrief ist von Kosten in Höhe von etwa zehn Millionen Euro die Rede. Diese Summe wurde jetzt erstmals beziffert.

In Verl wird das von Bürgermeister Michael Esken initiierte Projekt kommende Woche erstmals in der Politik diskutiert: Das Thema steht auf der Tagesordnung des Hauptausschusses, der am Dienstag, 5. Juni, tagt. Auch in Hövelhof wird das Projekt nach Auskunft aus dem Sennerathaus im nächsten Sitzungsturnus besprochen: »Dieses Thema wird am 5. Juli auf der Tagesordnung des Haupt- und Finanzausschusses und am 12. Juli auf der des Rates stehen. Die Vorlage ist gleichlautend mit der der Stadt Verl«, hieß es auf Anfrage des WESTFÄLISCHEN VOLKSBLATTES. Dann wird auch über mögliche Kosten gesprochen.

Verler Politiker beraten bereits im Juni

Es wird das erste Mal sein, dass die Politik das Konzept vorgestellt bekommt, das zur Prüfung, ob es ein Regionale-Projekt werden kann, bereits bei der OWL GmbH vorliegt (das WV berichtete). Die Politiker müssen dann darüber entscheiden, ob das Projekt weiterverfolgt oder ausgebremst wird.

Wie berichtet schwebt der Stadt Verl, der Gemeinde Hövelhof sowie dem Kreis Gütersloh (vielleicht auch noch dem Kreis Paderborn) vor, die Strecke von Verl nach Hövelhof zu reaktivieren und dann mit lokal erzeugter regenerativer Energie Züge dort fahren zu lassen. Die Stadt Verl hat großes Interesse an eine Anbindung an den Hövelhofer Bahnhof, von wo aus regelmäßig Verbindungen nach Bielefeld und Paderborn bestehen.

Machbarkeitsstudie würde bis zu 500.000 Euro kosten

Erster Schritt der Projektidee ist eine Machbarkeitsstudie. Diese soll binnen zwölf Monaten erarbeitet werden und zwischen 400.000 und 500.000 Euro kosten. Als Umsetzungszeitraum für das Gesamtprojekt wird Anfang 2020 bis Ende 2022 genannt. Zuvor wird eine Planungsphase ab Anfang 2019 angegeben.

Beim Stichwort »eigener Finanzierungsbeitrag« ist aktuell »derzeit in Abstimmung« zu lesen. Grundsätzlich ist das Ziel der Beteiligten, dass der Löwenanteil – im besten Falle 90 Prozent – mit Landesmitteln gefördert wird und sich der Beitrag der beteiligten Kommunen somit in Grenzen hält.

Nach Abschluss der Machbarkeitsstudie sollen laut den Beteiligten zwei Konzepte vorliegen: ein pragmatisches und ein visionäres. Ersteres orientiert sich an den vorhandenen technischen und konzeptionellen Gegebenheiten und wäre mit einem geringeren finanziellen Aufwand verbunden. Das visionäre Konzept enthält »hochinnovative technische und konzeptionelle Ansätze«, die nur mit breiter Unterstützung und »wahrscheinlich hohem Finanzierungsaufwand« realisiert werden können.

Bei Umsetzung sollen vier Gremien gebildet werden

Sollte das Projekt fortgeführt werden, schlagen die Beteiligten vor, dass es vier Gremien zur Umsetzung geben soll. Ein »OWL Board« als Steuerungsteam, ein Konzeptteam unter anderem zur Vernetzung mit anderen Verkehrsträgern, ein Projektbüroteam, das für Ausschreibungen zuständig ist, sowie ein Transferteam, das sich um die Übertragung von Ideen auf die technischen Gegebenheiten kümmert.

Die Beteiligten nennen die Reaktivierung der TWE-Strecke von Verl nach Hövelhof »ein Projekt mit Leuchtturmcharakter für die Region national und international«. Abgesehen von der Möglichkeit autonom fahrender und mit regenerativen Energien angetriebenen Zügen als Mobilitätskonzept gerade für den ländlichen Raum wird ein bedarfsorientierter Fahrplan und die Übertragbarkeit auf andere Strecken als innovativer Ansatz aufgeführt.

Größte Hürde ist die technische Realisierbarkeit

Die größte Hürde ist offenbar die technische Realisierbarkeit. Im Steckbrief zum Regionale-Antrag heißt es: »Die größte Herausforderung liegt in der technischen Umsetzung der Konzeptideen.« Daher wollen die Beteiligten kleine Fachgruppen mit Experten bilden, die mit externen Partnern die Umsetzbarkeit prüfen.

Der Ausschüsse in Verl und Hövelhof sollen nun ein Votum abgeben, ob Verls Bürgermeister Michael Esken die Projektidee weiter verfolgen kann oder nicht. Danach entscheiden die Räte. Auch wenn der Steckbrief aufgrund von Fristen für bestimmte Fördertöpfe kurzfristig bereits Mitte des Monats eingereicht wurde und bereits als mögliches Regionale- 2022-Projekt geprüft wird, liegt es in den Händen der Politik, das Projekt zu befürworten oder zu stoppen. Hövelhofs Bürgermeister Michael Berens hatte die Pläne seine Amtskollegen als »charmante Idee« bezeichnet. Klar ist aber auch: Verl würde von dem Projekt stärker profitieren als die Sennegemeinde, die über ihren Bahnhof und die Sennebahn bereits gut an Bielefeld und Paderborn angebunden ist.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Mehr zum Thema

Anzeige


https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5779228?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198401%2F2851066%2F