43-jähriger Mann aus Hövelhof wegen versuchten Mordes angeklagt
Geisterfahrer ein Fall für die Psychiatrie

Gütersloh/Bielefeld  (WB). In Bielefeld muss sich seit Mittwoch ein Geisterfahrer aus Hövelhof wegen des Verdachts des versuchten Mordes vor dem Landgericht verantworten. Ihm wird vorgeworfen, mit Suizidabsichten bewusst falsch auf die Autobahn A2 in Gütersloh gefahren zu sein. Dabei soll er den Tod anderer Personen in Kauf genommen haben.

Donnerstag, 05.07.2018, 05:15 Uhr aktualisiert: 05.07.2018, 05:20 Uhr
Das Landgericht Bielefeld. Foto: Thomas F. Starke
Das Landgericht Bielefeld. Foto: Thomas F. Starke

Am 5. September 2017 soll der 43-jährige Angeklagte gegen 15.20 Uhr mit einem VW Sharan mit Paderborner Kennzeichen mit einer Geschwindigkeit von 100 Stundenkilometern auf der Autobahn in falscher Fahrtrichtung unterwegs gewesen sein.

Mindestens 20 Fahrzeuge mit 41 Insassen, die ihm entgegenkamen, konnten in letzter Sekunde reflexartig ausweichen. »Sonst hätte es höchstwahrscheinlich Tote gegeben«, sagte Staatsanwalt Dr. Thomas Funke laut Anklageschrift. Es grenze an ein Wunder, dass nicht mehr passiert ist.

Beschuldigter wirkt schüchtern und unsicher

Der Beschuldigte soll allerdings zum Tatzeitpunkt unter einem akuten psychotischen Schub im Rahmen einer paranoiden Schizophrenie gelitten haben. Die Staatsanwaltschaft Bielefeld gehe deshalb davon aus, dass er aufgrund mangelnder Einsichtsfähigkeit im Zustand der Schuldunfähigkeit gehandelt haben könnte. Man verfolge die Unterbringung in ein psychiatrisches Krankenhaus.

Recht schüchtern und ziemlich unsicher wirkte der Beschuldigte, als er in Handschellen von zwei Wachtmeistern in den Gerichtssaal 1 geführt wurde. Der Vorsitzende Richter Dr. Christoph Meiring forderte ihn auf, seine Jacke auszuziehen: »Das wird heute länger dauern.« Mit Sprechpausen schilderte der 43-jährige Familienvater (zwei Kinder), wie es zu diesem Vorfall gekommen war.

Eine »fremde Macht« habe ihn vor die Wahl gestellt

Damals habe er noch gearbeitet und für eine Firma in Verl Industriecomputer zusammengebaut. »Plötzlich kreisten meine Gedanken um meine Familie. Ich wurde diese Gedanken einfach nicht mehr los«, berichtete er und verriet, dass zu diesem Zeitpunkt einen Drang gehabt habe, etwas zu unternehmen. »Ich glaubte, meine Familie wird fertiggemacht.«

Irgendeine fremde Macht habe ihn dann vor die Wahl gestellt, entweder Sex mit seiner Tochter zu haben, oder als Falschfahrer auf der Autobahn zu rasen. »Ich habe mich dann für Letzteres entschieden.« Er sei dazu gezwungen worden. »Von wem?«, wollte der Richter wissen. Das sei von seinen behandelnden Ärzten organisiert worden, erzählte der Angeklagte und war sich sicher: »Auch diese Gerichtsverhandlung ist ein Experiment meiner Ärzte.«

Am Mittwoch waren zehn Zeugen geladen. Auch ein Gutachter wird seine Ergebnisse vorstellen. Es sind noch zwei Prozesstage angesetzt. Die nächste Verhandlung ist für Montag, 9. Juli, vorgesehen.

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