Do., 02.08.2018

Arminia-Partnerschaft: Opposition beklagt Alleingang des Hövelhofer Bürgermeisters Kein Teamgeist im Rat?

Volle Breitseite: Viele Anhänger des SC Paderborn hatten wenig Verständnis dafür, dass eine Kommune aus dem Kreis eine Partnerschaft mit dem »Erzfeind« Arminia eingeht. Viele Politiker finden die Aktion von Michael Berens an sich gut, bemängeln aber, dass er sie im Rat nicht vorgestellt hat.

Volle Breitseite: Viele Anhänger des SC Paderborn hatten wenig Verständnis dafür, dass eine Kommune aus dem Kreis eine Partnerschaft mit dem »Erzfeind« Arminia eingeht. Viele Politiker finden die Aktion von Michael Berens an sich gut, bemängeln aber, dass er sie im Rat nicht vorgestellt hat. Foto: Heinrich Schwarze-Blanke

Von Meike Oblau

Hövelhof (WB). Während Fußballfans von Arminia Bielefeld und vom SC Paderborn in den sozialen Netzwerken damit beschäftigt sind, ihre Rivalität zu pflegen, bekommt die Kooperation zwischen Arminia und Hövelhof in der Sennegemeinde eine politische Dimension. Ratsmitglieder beklagen die fehlende Information durch Bürgermeister Michael Berens.

Das Gemeindeoberhaupt war am Freitag in der Schüco-Arena zu Gast gewesen, um dort von DSC-Präsident Hans-Jürgen Laufer die offizielle Plakette mit der Aufschrift »Hövelhof – Partnergemeinde des DSC Arminia Bielefeld« entgegen zu nehmen und vor dem Testspiel der Arminen gegen Werder Bremen ein Interview zu geben.

Schäfer: »Unglücklich, dass das kein Thema im Rat war«

Ob eine Kommune aus dem Kreis Paderborn eine Partnerschaft mit dem SCP-Erzrivalen eingehen »darf«, war in beiden Fanlagern in den vergangenen Tagen bereits heiß diskutiert worden. Kritik kommt aber auch aus der Hövelhofer Politik – allerdings aus ganz anderen Gründen: SPD, Grüne und FDP fragen sich, warum der Rat in die Entscheidung, Partnergemeinde des Fußballklubs zu werden, nicht einbezogen und nicht informiert wurde.

»Inhaltlich habe ich gegen diese Kooperation absolut nichts einzuwenden«, sagt SPD-Fraktionsvorsitzender Mario Schäfer, »ich halte es aber für unglücklich, dass dieses Thema nicht durch den Rat gegangen ist.« Auf Facebook ergänzte Schäfer, eine Abstimmung im Rat sei sicherlich keine Pflicht gewesen, die aktuelle hitzige Debatte sei aber zu erwarten gewesen: »Da hätte man mit einem Ratsbeschluss im Rücken viel Ärger vermeiden können.«

Klocksin: »Wir möchten nicht übergangen werden«

André Klocksin bilanzierte: »Grundsätzlich ist die FDP-Fraktion immer für interessante Kooperationen zu haben und auch zu begeistern. Was wir allerdings nicht nachvollziehen können ist, dass der Gemeinderat über die Kooperation nicht informiert wurde und vor vollendete Tatsachen gestellt wird. Auch wenn diese Kooperation vielleicht keine finanziellen Auswirkungen hat, interessiert sich der Rat natürlich für die Vereinbarungen und möchte nicht übergangen werden.«

Praschan: »Typischer Alleingang des Bürgermeisters«

Marcus Praschan (Bündnis 90/Die Grünen) bezeichnete es als »Unding«, dass der Rat nicht über die Partnerschaft mit Arminia Bielefeld in Kenntnis gesetzt worden sei: »Mir kommt es allmählich vor, als ob wir keinen Bürgermeister, sondern einen König haben. Das ist mal wieder so ein typischer Alleingang von Michael Berens. Das macht er oft so und man kann sich so manches Mal fragen, wozu es uns Ratsvertreter eigentlich gibt, wenn der Bürgermeister doch alles alleine entscheidet.«

Neisens: »Es muss nicht alles politisiert werden«

Die Kritik nicht nachvollziehen konnte der Parteikollege des Bürgermeisters, CDU-Fraktionschef Udo Neisens: »Hier ist alles richtig gemacht worden. Michael Berens hat mit dem Gemeindesportverband und den Vereinen gesprochen. Es muss nicht alles politisiert werden.«

Auf Facebook hat sich zudem nochmals SCP-Geschäftsführer Martin Hornberger zu Wort gemeldet und erneut betont, der SC Paderborn sei in keinster Weise sauer auf die Gemeinde Hövelhof: »Der SCP wird auch künftig keine ›Städtepartnerschaften‹ eingehen. Wenn diese echt gelebt werden sollen, bedarf es auf beiden Seiten erheblicher Anstrengungen. Nur eine Urkunde hilft da nicht. Natürlich suchen wir auch künftig Kontakt zu den Kommunen im Hochstift und der Region und tauschen uns aus. Dieses klappt übrigens auch schon seit Jahren mit Hövelhof sehr gut, auch ohne ›Trauschein‹«.

Michael Berens hatte gesagt, da die Partnerschaft kein Geld koste und er seinen Auftritt am Freitag für eine Repräsentationsaufgabe als Bürgermeister halte, habe er den Rat nicht mit einbezogen.

Ein Kommentar von Meike Oblau

Die Diskussion um die Partnerschaft zwischen Arminia Bielefeld und der Gemeinde Hövelhof hat sicherlich zwei Dimensionen. Zum einen eine emotionale, in der sich Fans des SC Paderborn fragen: »Darf« eine Kommune aus dem Kreis Paderborn mit Arminia Bielefeld kooperieren? Die Gegenfrage kann nur lauten: Warum denn nicht? Hövelhof liegt mitten zwischen Bielefeld und Paderborn und hat seit Jahrzehnten eine gewachsene Arminia-Fanszene. Vorwürfe, warum Hövelhof nicht auch mit dem SCP kooperiert, sind fehl am Platze, da die Paderborner ein solches Projekt für Kommunen gar nicht anbieten.

Allerdings hat die Diskussion auch einen politischen Aspekt. Es ist nicht das erste Mal, dass in Hövelhof Kritik laut wird, der Bürgermeister treffe Entscheidungen am Rat vorbei. Somit war die fehlende Vorab-Information des Rates über diese Kooperation mindestens ungeschickt, vielleicht sogar instinktlos. Dass die Opposition hier »aufmuckt«, ist nachvollziehbar. Es wäre sicherlich problemlos möglich gewesen, über die bevorstehende Kooperation in der Ratssitzung am 12. Juli zu informieren.

Kommentare

Herr Berens sollte lieber drauf achten, welchen Verein die Hövelhofer Firmen (die im das Geld einbringen - Gewerbesteuer) als Sponsor unterstützen. Cup&Cino ist zb. seit Jahren ein Grosssponsor von SC Paderborn.

1 Kommentare

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