Sa., 11.08.2018

Hövelhofer Valeri Richerdt von »Bottle Spirit« gestaltet individuelle Deko aus Glas Er weckt den Geist in der leeren Flasche

Weinflaschen in neuer Gestalt: Als Kerzenleuchter, Lampe oder Trinkglas mit Gravur bietet Valeri Richerdt von »Bottle Spirit« die umgestalteten Flaschen an. Dafür hat er selbst Maschinen umgebaut und eigene Verfahren entwickelt.

Weinflaschen in neuer Gestalt: Als Kerzenleuchter, Lampe oder Trinkglas mit Gravur bietet Valeri Richerdt von »Bottle Spirit« die umgestalteten Flaschen an. Dafür hat er selbst Maschinen umgebaut und eigene Verfahren entwickelt. Foto: Besim Mazhiqi

Von Meike Oblau

Hövelhof (WB). Ein bisschen wirkt es wie die Erfinderwerkstatt von Daniel Düsentrieb: In einem unscheinbaren Raum an der Industriestraße tüftelt Valeri Richerdt an neuen Ideen. Er überlegt sich im wahrsten Sinne des Wortes, was passiert, wenn die »Flasche leer« ist: Seine Firma »Bottle Spirit« fertigt Deko aus alten Weinflaschen.

Egal ob Trinkgläser, Lampen oder Kerzenhalter, mit oder ohne Gravur: Die Fantasie des Hövelhofers kennt kaum Grenzen, wenn er Flaschen sieht. Zusammen mit Vater und Bruder, die beide auf den Namen Alex hören, experimentiert er nach Feierabend in seinem »Flaschenlager« herum. Denn bisher ist »Bottle Spirit« ein Nebenerwerb, in den aber viele Stunden und viel Herzblut fließen.

Alles begann mit einer bauchigen Whiskeyflasche

»Alles begann vor zwei Jahren mit einer originellen, bauchigen Whiskeyflasche«, erzählt Valeri Richerdt. »Nachdem wir sie leergetrunken hatten, fand ich sie einfach zu schön, um sie wegzuwerfen.« Also probierte und tüftelte Richerdt und bastelte schließlich eine kleine Nachttischlampe aus der Whiskeyflasche. Das war die Initialzündung – der Hövelhofer wollte mehr.

Bei Freunden von der Firma Luxeen kann er Räumlichkeiten nutzen, hier baute er seine Werkstatt auf. Wie man Glas bearbeitet, das hat ihm nie jemand gezeigt. »Das habe ich mir einfach durch Ausprobieren und Recherche im Internet selbst beigebracht«, sagt Richerdt, der vor 23 Jahren mit seiner Familie aus Russland in die Sennegemeinde kam.

Gebrauchte Maschinen selbst umgebaut

Eine handwerkliche Ausbildung hat er nicht absolviert, besitzt aber ungemein viel Geschick. Sogar die gebrauchten Maschinen, die er nach und nach für die Produktion anschaffte, hat er für seine Zwecke selbst umgebaut. »Anfangs sind viele Flaschen gesprungen, wenn ich versucht habe, sie zu bearbeiten«, erinnert er sich. Er suchte den Kontakt zu Experten, stellte Fragen. »Eine Firma aus Süddeutschland empfahl mir ein spezielles Schmelzverfahren, seitdem klappt es«, schildert Valeri Richerdt.

Mittels eines Sandstrahlverfahrens kann er jedes gefertigte Glas oder jede Flasche individuell gravieren, zum Beispiel mit Firmen- oder Vereinslogos oder schlicht mit einem Glückwunsch zum Geburtstag oder zur Hochzeit.

Heimische Gastronomen spendieren Flaschen

Die leeren Flaschen holt er einmal in der Woche bei Hövelhofer Gastronomen ab, zum Beispiel im Hotel Victoria, im Grünen Baum, in Franks Vinothek oder im Werk 7. Sie werden dann ausgiebig gesäubert, ehe er sich überlegt, was er damit anstellen kann. Die Glasreste bringt Bruder Alex eigenhändig zum Glascontainer. »Und manchmal ist er danach schon mit mehr Glas wiedergekommen, als er wegbringen wollte, weil er am Container Leute getroffen hat, die schöne Flaschen entsorgen wollten. Die rettet er dann«, lacht Valeri Richerdt. Demnächst will er auch 3-D-Druck ausprobieren und Gravuren in Farbe testen.

Erste Verkaufsstelle im Raiffeisenmarkt eingerichtet

Derzeit vermarktet Valeri Richerdt seine Produkte in einem kleinen Online-Shop, hat allerdings auch schon eigene Verkaufsregale gebaut und will sich auf die Suche nach örtlichen Verkaufsstellen machen. Eine hat er bereits gefunden: Seine Artikel sind ab sofort im Hövelhofer Raiffeisenmarkt erhältlich. Auch heimische Gastronomen nutzen seine Gläser, Kerzenständer oder Flaschen-Lampen, zum Beispiel Franks Vinothek oder das Werk 7. »Wenn es zeitlich machbar ist, wollen wir die Produkte gerne künftig auch auf Messen präsentieren«, sagt Valeri Richerdt.

»Wir beleben den neuen Geist der Flasche«, erklärt der Hövelhofer augenzwinkernd den Namen seiner kleinen Firma. »Jede einzelne Flasche hat ihre eigene Persönlichkeit. Das gesammelte Glas wird von unserem kleinen Team eigenhändig geprüft, nach Beschaffenheit sortiert und zu einmaligen Designerstücken verarbeitet.« Dabei weiß er nie, welche leeren Flaschen er in den kommenden Wochen bei seinen »Lieferanten« einsammeln wird, Formen und Farben sind vielfältig, ebenso wie seine Ideen, was er aus den Flaschen fertigt. Upcycling heißt der Trend: »Wir zeigen, wie man eine Flasche mehr als nur einmal genießen kann«, sagt Richerdt. Einen Eindruck von seinen »Designerflaschen« kann man auch nach Terminvereinbarung direkt an der Industriestraße bekommen.

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