Versicherung der Gemeinde zahlt nicht nach Unfall im Schlagloch
Hövelhoferin bleibt auf Schaden sitzen

Hövelhof (WB). Schlaglöcher, Buckelpisten, unbefestigte Randstreifen: Der Zustand der Straßen bewegt die Hövelhofer. Nach dem Artikel über die Bachstraße haben sich viele Leser gemeldet und weitere Straßen genannt, die in unhaltbarem Zustand seien. Lisa Stroop hat sich sogar in einem Schlagloch ihr Auto kaputt gefahren – die Versicherung der Gemeinde kommt dafür nicht auf.

Mittwoch, 15.08.2018, 08:00 Uhr aktualisiert: 15.08.2018, 13:10 Uhr
Viele Hövelhofer klagen über Straßenschäden. Die Gemeindeprüfungsanstalt hatte jüngst angemerkt, dass die Gemeinde sehr wenig Geld in ihre Straßen investiere und den Zustand ihrer Straßen nicht genau kenne. Foto: Heinrich Schwarze-Blanke
Viele Hövelhofer klagen über Straßenschäden. Die Gemeindeprüfungsanstalt hatte jüngst angemerkt, dass die Gemeinde sehr wenig Geld in ihre Straßen investiere und den Zustand ihrer Straßen nicht genau kenne. Foto: Heinrich Schwarze-Blanke

Es war am 1. Juni des vergangenen Jahres, ebenfalls auf der Bachstraße. »Ich wollte zum Geburtstag des Kindes einer Freundin. Dort parkten schon viele Autos auf dem Randstreifen. Woanders kann man da ja auch nicht parken. Plötzlich hat es mächtig gerummst«, erinnert sich Lisa Stroop. Ihr Fiat Punto war vorne links plötzlich unfreiwillig »tiefergelegt« und mit dem Rad in einem zuvor mit Gras bedeckten Loch versunken. »Das konnte man absolut nicht sehen, dass sich unter dem Gras ein weit abgesackter Gulli verbirgt«, sagt die 22-Jährige. An der Bachstraße stehen auch keine Schilder, die auf Straßenschäden oder einen schlechten Zustand der Bankette hinweisen.

Schaden am Auto betrug 1235 Euro

Der abgesackte Gullideckel ist unter dem dichten Grasbewuchs kaum zu erkennen.

Der abgesackte Gullideckel ist unter dem dichten Grasbewuchs kaum zu erkennen.

1235 Euro Schaden attestierte eine Werkstatt an dem Auto, das auf ihren Vater zugelassen ist. »Wir haben uns zunächst an den Bauhof gewendet. Es kam dann ein Mitarbeiter zu einem Ortstermin, der hat sich glaube ich über das Loch auch ganz schön erschrocken und eine Warnbake reingestellt«, erinnert sich Georg Stroop. Die Warnbake steht immer noch in dem Loch – auch 14 Monate nach dem Unfall.

Auf den Kosten für die kaputte Stoßstange sind die Stroops sitzen geblieben, denn die Versicherung der Gemeinde Hövelhof zahlte nicht. In zwei Schreiben führt die GVV-Kommunal-Versicherung aus, warum sie sich für den Schaden nicht zuständig fühlt: »Der Schaden ereignete sich in einer verkehrsunbedeutenden, noch nicht einmal endgültig ausgebauten Anliegerstraße.

Die unfallursächliche Unebenheit befand sich am äußersten Rand einer Schotterfläche und war grasbewachsen. Bei diesem Sachverhalt konnten und durften Sie nicht ohne weiteres davon ausgehen, dass diese Fläche gefahrlos befahren werden kann. Es ist vielmehr Ihre Aufgabe, sich zuvor zu vergewissern, ob dieses überhaupt schadlos möglich ist.«

»Im Bankettbereich sind Unebenheiten nicht verkehrswidrig«

Im Bankettbereich seien Unebenheiten nicht verkehrswidrig. »Wir gehen im Übrigen auch davon aus, dass die Unebenheit bei Beachtung der erforderlichen Sorgfalt hätte erkannt werden können«, heißt es in einem weiteren Schreiben, in dem Lisa Stroop zudem auf »das Sichtfahrgebot nach Paragraf 3 der Straßenverkehrsordnung« hingewiesen wird. Die Stroops verzichteten auf juristische Schritte. »Als wir jetzt aber den Artikel zur Bachstraße lasen, haben wir uns entschlossen, uns dazu doch noch zu äußern«, sagt Georg Stroop.

Auf den Artikel vom 9. August haben sich etliche weitere Hövelhofer in der WV-Redaktion und in der Facebookgruppe »Mein Dorf Hövelhof« zu Wort gemeldet und viele weitere Straßen genannt, deren Zustand nicht mehr hinnehmbar sei. Aufgezählt wurden unter anderem die Brandtstraße, die Dr.-Sonnenschein-Straße, die Nordstraße, die Große Wiese, die Kleestraße, der Grenzweg, der Heierweg, die Bentlakestraße, der Rotheweg und der Emser Kirchweg. »Einmal Kies drauf und gut ist, heißt die Devise«, kommentierte ein Facebook-Nutzer die Bemühungen der Gemeinde Hövelhof.

Gemeindeverwaltung schweigt

Die Hövelhofer Gemeindeverwaltung äußerte sich bis Redaktionsschluss erneut nicht auf Anfragen der Redaktion. Sowohl die Anfrage vom 7. August, ob es Pläne gebe, in absehbarer Zeit Gemeindestraßen zu sanieren oder endauszubauen, als auch die Bitte um eine Stellungnahme im Fall des beschädigten Autos von Lisa Stroop fand im Rathaus bis gestern Abend kein Gehör.

Kommentar

»Wofür gibt die Gemeinde Geld aus?« Diese Frage beantwortet die Verwaltung auf ihrer Homepage und zählt dabei auch die Gemeindestraßen auf. Der Bericht der Gemeindeprüfungsanstalt (GPA) und Rückmeldungen aus der Bevölkerung zeichnen ein anderes Bild. Viele Straßen sind in einem schlechten Zustand. Eine gesetzlich alle fünf Jahre vorgeschriebene Inventur wurde seit 2008 nicht mehr durchgeführt und die GPA äußert den Verdacht, die Gemeinde habe keinen Überblick über den Zustand ihrer Straßen. Laut GPA wurden im Schnitt pro Jahr zuletzt in Hövelhof 116.000 Euro ins Straßennetz investiert. Allein der geplante Parkplatz am Schlossgarten kostet mehr.

Antworten aus dem Rathaus auf Fragen der Redaktion? Fehlanzeige. Die Frage, welche Straßen in den kommenden Jahren »angepackt« werden sollen, wurde seit anderthalb Wochen nicht beantwortet. Die Gründe bleiben schleierhaft. Schweigen an der Schloßstraße (die zwar keine Gemeindestraße ist, aber auch schon 2017 saniert werden sollte).

Aussitzen hilft nicht weiter. Und dass die Kritik am Zustand der Straßen nur eine »Einzelmeinung« des Rechnungsprüfungsausschussvorsitzenden sei, wie Michael Berens im Rat am 12. Juli anmerkte, widerlegen die Rückmeldungen aus der Bevölkerung.

Es ist gut, dass die Gemeinde ihre Finanzen im Blick hat und auf eine solide Haushaltsbasis verweist – wenn das aber auch dadurch erreicht wird, dass wie im Falle der Straßen offensichtlich zu wenig investiert wird, dann könnte das Verwaltung und Politik auf die Füße fallen. Notwendige Investitionen werden durch Schweigen nicht weniger. Meike Oblau

 

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5975826?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198401%2F2851066%2F
Bundestagsvizepräsident Thomas Oppermann ist tot
Thomas Oppermann im März vergangenen Jahres im Bundestag.
Nachrichten-Ticker