Do., 21.03.2019

So werden die speziellen Parkplätze an der Kirchschule in Hövelhof angenommen Elterntaxis – bitte hier halten!

Thomas Aulbur bringt morgens Felix, Vincent, Ludwig, Leonie, Ben, Lena und Jonas (von links) aus der Wohnsiedlung Bachstraße/Große Wiese zu Fuß zur Kirchschule. Er wünscht sich weniger Autoverkehr und mehr Geschwindigkeitskontrollen.

Thomas Aulbur bringt morgens Felix, Vincent, Ludwig, Leonie, Ben, Lena und Jonas (von links) aus der Wohnsiedlung Bachstraße/Große Wiese zu Fuß zur Kirchschule. Er wünscht sich weniger Autoverkehr und mehr Geschwindigkeitskontrollen. Foto: Jörn Hannemann

Von Meike Oblau

Hövelhof (WB). Immer mehr Eltern bringen ihre Kinder mit dem Auto in die Kita oder zur Schule. Um das Problem in den engen Wohnstraßen rund um die Kirchschule wenigstens ein bisschen steuern zu können, hat die Gemeinde Hövelhof vor einem halben Jahr spezielle Parkplätze ausgewiesen . Doch wie klappt das eigentlich?

Bei schlechtem Wetter werden mehr als die Hälfte aller Schüler mit dem Auto zur Schule gebracht, schätzt Schulleiterin Christine Kirchner. Da sich das zumeist in einer kurzen Zeit 20 bis 30 Minuten vor Schulbeginn ballt und im selben Quartier auch noch zwei größere Kindergärten angesiedelt sind, an denen ebenfalls viel Verkehr herrscht, hat sich die Gemeinde im vergangenen September entschlossen, so genannte Elternhaltestellen einzurichten . Hier ist Parken seither zwischen 7 und 8.30 Uhr verboten, die »Haltestellen« sind lediglich für ein kurzes Anhalten gedacht, um die Kinder aus dem Auto aussteigen zu lassen.

Gefährliches Rangieren vor den Eingängen vermeiden

Das Projekt zeige erste Erfolge, bilanziert die Gemeindeverwaltung auf Anfrage des WESTFÄLISCHEN VOLKSBLATTES: »Immer mehr Eltern der Kirchschule nutzen die zum Schuljahresbeginn eingerichteten Elternhaltestellen. Durch das Konzept, das gemeinsam mit Eltern und Kindern entwickelt wurde, soll gefährliches Rangieren unmittelbar vor den Eingängen der Schule verhindert werden.«

Schulleitung und Polizei seien regelmäßig vor Ort, um die Eltern von den Vorzügen des Konzeptes zu überzeugen. »Die Überzeugung der Eltern und nicht der erhobene Zeigefinger soll dabei im Vordergrund stehen. Darüber hinausgehende Maßnahmen sind zurzeit nicht geplant«, heißt es aus dem Sennerathaus.

Polizei: »Situation hat sich entspannt«

Auch die Polizei zeigt sich bislang zufrieden: »Die Elternparkplätze werden gut angenommen und haben zu einer deutlichen Entspannung der Verkehrssituation geführt. Nur in Einzelfällen fahren Eltern noch direkt bis vor die Schule oder Kita«, sagt der Hövelhofer Bezirksbeamte Franz-Josef Hillemeier.

So überzeugt wie Verwaltung und Polizei indes ist Thomas Aulbur nicht, bezieht sich dabei aber auf die gesamte Verkehrssituation im Umfeld der Schule. Der Familienvater bringt seinen Sohn Ludwig und etliche andere Kinder aus dem Siedlungsbereich Bachstraße/Große Wiese regelmäßig zur Schule – und zwar zu Fuß. Das WV hat ihn an einem Morgen begleitet. Die Elternhaltestellen nähmen ja nur die Situation unmittelbar am Schulgebäude in den Fokus, sagt Aulbur – problematisch sei der Verkehr aber im gesamten Umkreis. »Es werden immer mehr Autos und rund um die Schule wird oft zu schnell gefahren«, bilanziert Aulbur, während er aufpasst, dass die Kinder nicht im falschen Moment die Straße queren.

Viel Verkehr auf den umliegenden Straßen

An diesem Morgen zeigt sich der ganze Querschnitt: Autos, die deutlich zu flott unterwegs sind (besonders auf der Kirchstraße rund um die unübersichtliche Kreuzung mit der Brandt- und der Dr.-Schmidt-Straße), Kinder auf Fahrrädern oder Rollern, die ohne zu schauen über die Straße düsen oder auf der falschen Fahrbahnseite unterwegs sind – und ja, auch ziemlich wildes, unübersichtliches Rangieren im Bereich der Kirchschule.

Elternparkplätze werden eben doch zum Teil so genutzt, wie es nicht gedacht ist: Manche Autos sind leer, die Fahrer offenbar mit dem Kind zusammen in Richtung Schule unterwegs, während sie die Elternhaltestelle zuparken. Und gerade das permanente Rückwärtsausparken birgt immense Gefahren, wenn parallel eben auch viele radfahrende Kinder an der Schule ankommen und hinter den Parkreihen herfahren.

»Ich kenne Eltern, die wohnen 400 Meter von der Schule entfernt und bringen ihr Kind jeden Tag mit dem Auto«, schildert Thomas Aulbur kopfschüttelnd. Seine Bilanz: »Die Elternhaltestellen sind ein Ansatz, aber sicher keine Gesamtlösung des Problems.« Er wünsche sich mehr Geschwindigkeitskontrollen genau zu den »neuralgischen« Uhrzeiten und vielleicht auch Querungshilfen auf den Schulwegen, zum Beispiel im Bereich Kirchstraße.

Kommentar

Wenn Eltern meinen, ihre Kinder unbedingt täglich mit dem Auto zur Schule kutschieren zu müssen, kann eine Gemeindeverwaltung da wenig gegen ausrichten. Schließlich kann sie schlecht ein gesamtes Quartier morgens zur autofreien Zone erklären. Und leider gibt es rund um die Kirchschule auch keine Möglichkeit, die Elternhaltestellen mit größerem Abstand zur Schule einzurichten. Nein, das Umdenken muss bei den Eltern beginnen.

Wer nicht gerade kilometerweit entfernt wohnt oder in Ausnahmefällen unhandliche Gegenstände transportieren muss, hat eigentlich keinen vernünftigen Grund, den Schulweg jeden Tag mit dem Auto zurückzulegen.

Wer mit seinem Kind zu Fuß geht oder mit dem Rad fährt, kann ihm sogar gleich in der Praxis Verkehrsregeln näher bringen. Viel gewonnen wäre zudem, wenn sich Eltern, die sich über Gefahren im Straßenverkehr Sorgen machen, dann auch selbst an diese Regeln wie Tempolimits und Parkverbote halten würden. Diese Probleme kann eine Gemeindeverwaltung nicht lösen. Sie kann zusammen mit der Polizei höchstens gegen gewisse Symptome vorgehen. Meike Oblau

 

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