Sa., 13.04.2019

Ist das Hövelhofer Haus Bredemeier als Verein oder als Unternehmen einzustufen? Streit um Altenheim-Zuschuss

Das Caritas-Altenzentrum Haus Bredemeier erhält einen Zuschuss der Gemeinde für die neue Demenzstation.

Das Caritas-Altenzentrum Haus Bredemeier erhält einen Zuschuss der Gemeinde für die neue Demenzstation. Foto: Meike Oblau

Von Meike Oblau

Hövelhof (WB). Das Caritas-Altenzentrum Haus Bredemeier bekommt von der Gemeinde maximal 8000 Euro Zuschuss für den Umbau seiner Demenzstation . Ob dieser Zuschuss wirklich notwendig ist, darum wurde am Donnerstag im Rat lange gerungen.

In Hövelhof ist es seit vielen Jahren üblich, Vereine, die Baumaßnahmen umsetzen wollen, mit einem Zuschuss von 60 Prozent zu unterstützen. Ob das Haus Bredemeier nun aber als Verein anzusehen ist oder doch eher als Wirtschaftsbetrieb, daran schieden sich im Rat die Geister. Ins Rollen gebracht hatte die Diskussion, die CDU-Ratsherr Wilfried Lappe später als »beschämend« bezeichnete, FDP-Fraktionsvorsitzender André Klocksin.

Wie berichtet, möchte das Seniorenzentrum einen seiner Wohnbereiche in diesem Sommer neu gestalten. Der neue Demenzbereich bietet 34 Plätze. Er heißt nicht nur »Zur Senne«, sondern soll mit vielen Hövelhofer Themen die Erinnerungen und alle Sinne der Bewohner anregen. Zusammen mit Claudia Noelke aus Recklinghausen, Pflegewissenschaftlerin und Tischlerin, und einer örtlichen Arbeitsgruppe wurde dazu ein eigens auf Hövelhof zugeschnittenes Konzept entwickelt. Die Umsetzung soll etwa 13.000 Euro kosten.

Brauckmann: »Fördern wir dort etwas, wo eigentlich genug Geld da ist?«

André Klocksin sagte, er könne einem gemeindlichen Zuschuss nicht zustimmen. Das Haus Bredemeier sei dem Caritas-Verband angeschlossen, einem Verband, der jährlich hohe Gewinne einfahre und dessen Wertpapiervermögen allein 138 Millionen Euro betrage. Auch Juliane Brauckmann von Bündnis 90/Die Grünen stellte die Frage, »ob wir so vielleicht dort etwas fördern, wo eigentlich genug Geld vorhanden ist«. Sie halte diesen Zuschuss für den Betreiberverein eines Seniorenzen­trums für etwas anderes als einen Zuschuss zum Beispiel für einen örtlichen Sportverein, der sein Vereinsheim renovieren möchte.

100 ehrenamtliche Helfer engagieren sich

Bürgermeister Michael Berens (CDU) entgegnete, er halte die Demenzstation für förderfähig und andere Vereine, die in den vergangenen Jahren in Genuss des gemeind­lichen Baukostenzuschusses gekommen seien, hätten auch nicht zuvor ihre finanziellen Verhält­nisse offen legen müssen. Im Haus Bredemeier seien mehr als 100 ­ehrenamtliche Helfer engagiert: »Das lässt sich also durchaus mit anderen Vereinen, die wir als Kommune unterstützen, ver­gleichen.«

Auf die Frage von André Klocksin, ob das Caritas-Altenzentrum finanzielle Mittel vom Kreis-Caritasverband erhalte, sagte Berens: »Das entzieht sich meiner Kenntnis.« CDU-Vorsitzender Tobias Steinrücke machte sich für den Zuschuss stark: »Das ist ein tolles Projekt, das man unterstützen sollte, da steckt viel Herzblut drin.« Benjamin Joachim (FDP) sagte, für ihn sei dieser Vorschlag des Bürgermeisters eine schwierige Entscheidung: »Das ist so nah dran an einem Wirtschaftsunternehmen, dass ich mich frage, ob das wirklich Aufgabe der Gemeinde ist, diese Baumaßnahme zu fördern.«

Schlüter: »Gut angelegtes Geld«

Jörg Schlüter von den Grünen bilanzierte, es sei sicherlich wünschenswert, wenn die Caritas bei diesem Projekt größeres finanzielles Engagement zeige, für ihn sei das Geld der Gemeinde dort aber dennoch gut angelegt. SPD-Fraktionsvorsitzender Mario Schäfer sagte, seine Partei habe den Antrag auf Zuschuss wohlwollend aufgenommen, fragte aber nach, ob zum Beispiel auch die neue ­Seniorenresidenz an der Bielefelder Straße einen solchen Antrag stellen könne: »Wir wollen ja keine Privatunternehmen fördern.«

Bürgermeister Berens betonte, bei der Seniorenresidenz handele es sich um ein Investorenmodell, während der Betreiber des Hauses Bredemeier ein gemeinnütziger Verein sei. In diesem Verein sei die Gemeinde Hövelhof sogar Gründungsmitglied. Bei vier Enthaltungen (FDP, Grüne) wurde der Zuschuss für die Demenzabteilung letztlich nach langer Diskussion beschlossen.

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