Mi., 24.07.2019

Grundstückskauf in Hövelhof immer noch nicht unter Dach und Fach Malteser-Kita droht zu scheitern

Auf dem Gelände des Gastro-Centers an der Ecke Delbrücker Straße/Küsterkamp soll die neue Malteser-Kita entstehen. Das wurde im April bereits verkündet – ein Kaufvertrag für das Areal soll allerdings immer noch nicht unterschrieben sein.

Auf dem Gelände des Gastro-Centers an der Ecke Delbrücker Straße/Küsterkamp soll die neue Malteser-Kita entstehen. Das wurde im April bereits verkündet – ein Kaufvertrag für das Areal soll allerdings immer noch nicht unterschrieben sein. Foto: Jörn Hannemann

Von Meike Oblau

Hövelhof (WB). Platzt der Bau der neuen Malteser-Kita in Hövelhof auf dem Gelände des Gastro-Centers an der Delbrücker Straße? Nach Angaben des Grundstücksbesitzers Heinrich Thorwesten wurde noch immer kein Kaufvertrag unterzeichnet. Er habe den Maltesern nun mitgeteilt, nicht mehr an sie verkaufen zu wollen.

»Viermal haben die Malteser den Termin zur Vertragsunterzeichnung abgesagt, zuletzt vergangene Woche. Ich habe Diözesangeschäftsführer Andreas Bierod am Mittwoch nun gesagt, dass ich nicht mehr bereit bin, an die Malteser zu verkaufen. Das bekommen Malteser und die Gemeinde Hövelhof auch noch schriftlich von mir. Ich habe noch ein halbes Dutzend andere Bewerber, die das Areal sofort kaufen würden«, sagte Thorwesten.

Er führte aus, er habe sich auf die Malteser verlassen, sich entschieden, seine Firma Ende Juli zu schließen und Mitarbeiter zu entlassen, damit das Gebäude im August abgerissen werden könne. Auf Unterschriften unter dem Kaufvertrag aber warte er seit Monaten vergeblich.

Bereits Ende April »Vollzug« vermeldet

Bereits Ende April hatten die Malteser in einer Pressemitteilung erklärt , dass die sechsgruppige Kita im August 2020 auf dem Gelände des Gastro-Centers eröffnet werden solle – obwohl, so Heinrich Thorwesten, nichts schriftlich fixiert war. Die Malteser hatten mitgeteilt, dass das Gastro-Center in diesem August abgerissen und im September mit dem Neubau der Kita begonnen werden solle.

»Wir sind uns mit dem Grundstückseigentümer einig geworden, dass wir einen Teil des Grundstücks kaufen«, wurde Malteser-Diözesangeschäftsführer An­dreas Bierod in der Pressemitteilung zitiert. Der Neubau solle zweistöckig werden und Platz für bis zu 110 Kinder bieten. Auch Bürgermeister Michael Berens hatte sich in einem Pressestatement im April geäußert. Die Gemeinde Hövelhof sei dankbar: »Wir freuen uns sehr darüber, dass das Grundstück den Maltesern zu besonders günstigen Konditionen überlassen wird.« Am Mittwochnachmittag war im Sennerathaus niemand telefonisch für Nachfragen erreichbar.

Malteser geben keine konkreten Antworten

In den vergangenen Tagen hatten sich bei Recherchen dieser Zeitung die Gerüchte verdichtet, dass es nach wie vor keinen Kaufvertrag für das Grundstück gibt. Nachfragen dazu beantworteten die Malteser nur schwammig: »Naturgemäß gibt es zu diesem großen Vorhaben noch viele Detailfragen, auch interner Art, zu klären. Ferienzeitbedingt erfolgt dies erst im Laufe dieser Woche. Unter anderem ist die Kita Thema unserer Vorstandssitzung, so dass wir demnächst Näheres berichten können.« Auch auf wiederholte Nachfrage äußerte sich die Pressestelle nicht dazu, ob es einen gültigen Kaufvertrag für das Grundstück gibt oder nicht.

Gegen vier andere Interessenten durchgesetzt

In der Ratssitzung im Dezember 2018 hatte Bürgermeister Michael Berens bekannt gegeben, dass in Hövelhof zahlreiche Kita-Plätze fehlen und man sich daher zusammen mit dem Kreisjugendamt entschlossen habe, einen Träger für eine zehnte Kita zu suchen. Daraufhin hatten sich fünf Interessenten - neben den Maltesern das DRK, der Kreissportbund, die AWO und Pari-Aktiv/Pari-Sozial , beworben. Der Rat hatte dem Kreisjugendamt die Malteser empfohlen , die dann auch den Zuschlag bekamen. Am 12. August soll zunächst eine provisorische Gruppe für 18 Kinder am Hövelmarkt an den Start gehen – die neue, große Kita sollte dann eigentlich 2020 eröffnen.

Hövelhofer Eltern haben 2020 Rechtsanspruch auf die Plätze

Beim Kreis Paderborn zeigte man sich überrascht von der Info, dass es für den Kauf des Grundstücks noch immer keinen Vertrag gebe: »Davon ist uns nichts bekannt«, sagte Kreispressesprecherin Michaela Pitz. Eltern in Hövelhof hätten von August 2020 an einen Rechtsanspruch auf die geplanten Plätze in der sechsgruppigen Kita, daher rechne der Kreis fest mit diesen bis zu 110 Plätzen.

Kommentar von Meike Oblau:

Das wäre ein Paukenschlag: Wenn Heinrich Thorwesten wirklich nicht mehr gewillt ist, sein Areal an die Malteser zu verkaufen, gerät die gesamte Kindergartenbedarfsplanung ins Wanken. Bis zu 110 neue Kita-Plätze sollen am Küsterkamp zum 1. August 2020 entstehen. Schon seit vielen Jahren wurden in Hövelhof fehlende Plätze durch Überbelegung anderer Kitas ausgeglichen. Platzt jetzt der Deal mit dem Gastro-Center-Chef, ist der Zeitplan für den Bau der neuen Einrichtung kaum mehr einzuhalten. Dann müsste ein neues Grundstück her, eine neue Planung, ein neuer Bauantrag. Vier Konkurrenten hatten die Malteser im Bewerbungsverfahren um die Trägerschaft ausgestochen – und das, obwohl sie im Gegensatz zu manchem Mitbewerber bisher noch keine einzige Kita im Kreis betreiben. Die in Hövelhof soll(te) die erste werden. Jetzt steht vieles in Frage, so dass letzten Endes die Erkenntnis reifen könnte, dass Kommunalpolitiker und Kreisjugendamt möglicherweise aufs falsche Pferd gesetzt haben. Leidtragende wären viele Familien in Hövelhof. Und guter Rat wäre teuer.

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