Mi., 14.08.2019

Grüne wünschen sich runden Tisch, um Pfandsystem für Kaffeebecher zu diskutieren Mehr Mehrweg in Hövelhof?

In Paderborn und in Salzkotten gibt es bereits ein System für Mehrweg-Pfandbecher, an dem sich verschiedene Händler beteiligen. Die Grünen möchten nun, dass auch in Hövelhof über die Einführung an einem runden Tisch diskutiert wird.

In Paderborn und in Salzkotten gibt es bereits ein System für Mehrweg-Pfandbecher, an dem sich verschiedene Händler beteiligen. Die Grünen möchten nun, dass auch in Hövelhof über die Einführung an einem runden Tisch diskutiert wird. Foto: Lange

Von Meike Oblau

Hövelhof (WB). Mal schnell einen Cappuccino zum Mitnehmen bei Jüde. Einen Kakao bei Lange. Einen Coffee to go an der Tankstelle. Das ist in jeder Stadt normal. Auch in Hövelhof. Einige Kommunen wie Salzkotten oder Paderborn haben bereits ein Pfandsystem für Mehrwegbecher eingeführt. Das möchten die Grünen nun auch für Hövelhof diskutieren.

Denn die »to go«-Getränke bedeuten vor allem auch riesige Müllmengen. Ein Mehrwegbecher-Pfandsystem möchten die Grünen aber nicht einfach politisch beschließen und »von oben« aufzwingen, nein: »Wir möchten einen runden Tisch organisieren, an dem sich alle interessierten Hövelhofer Akteure einbringen können«, sagt Jörg Schlüter, der die Fraktion im Bau- und Umweltausschuss vertritt. In der Sitzung am 5. September möchte er seinen Antrag vorstellen.

Schlüter: »Alle Akteure an einen Tisch«

Schlüter wünscht sich, dass die Verwaltung prüft, inwieweit in Hövelhof ein System für Kaffee-Mehrwegbecher eingeführt werden kann. Dazu solle ein runder Tisch mit allen interessierten Hövelhofer Akteuren eingerichtet werden: »Dazu zählen wir die Gastronomie, Bäckereien, Handel und Tankstellen, aber auch Vertreter der Verwaltung und der Politik selbst«, erläutert Schlüter. Der runde Tisch solle ergebnisoffen zusammenkommen, einen möglichen Lösungsvorschlag sehen die Grünen darin, dass sich Hövelhof für dasselbe Pfandsystem entschließt, das in Paderborn und Salzkotten genutzt wird: »Das erscheint uns sinnvoll, denn eine Hövelhofer Insellösung könnte auf zu geringe Akzeptanz stoßen«, mutmaßt Schlüter.

2,8 Milliarden Einwegbecher

Einer aktuellen Studie des Umweltbundesamtes (UBA) zufolge werden pro Jahr im Außer-Haus-Verkauf in Deutschland 2,8 Milliarden Einwegbecher für Heißgetränke genutzt. Das sind statistisch 34 pro Kopf. Mehr als die Hälfte sind kunststoffbeschichtete Papierbecher, der Rest reine Kunststoffbecher. Hinzu kommen noch einmal 1,3 Milliarden Plastikdeckel. Pro Stunde werden demnach in Deutschland 320.000 Einwegbecher weggeworfen.

Unkomplizierte Abwicklung

Harald Laufs, Geschäftsführer der Salzkottener Bäckerei Lange, die auch ein Café in Hövelhof betreibt, hat in seiner Heimatstadt und in Paderborn bereits Erfahrungen mit den Mehrwegbechern gemacht: »Die Abwicklung ist sehr einfach und wir müssen finanziell nicht in Vorleistung treten. Der Becherlieferant stellt uns die Becher für einen Euro pro Stück zur Verfügung und wir berechnen dem Kunden ebenfalls einen Euro. Eigentlich gibt es für Händler keinen Grund, da nicht mitzumachen und wir würden es unterstützen, wenn dieses System auch in Hövelhof eingeführt würde«, sagt Laufs.

Von der Resonanz bei der Kundschaft in Paderborn und Salzkotten sei er indes eher enttäuscht: »Obwohl unsere Mitarbeiter den Becher gezielt empfehlen und es den Kaffee im Mehrwegbecher sogar zehn Cent günstiger gibt als im Einwegbecher, könnte die Nachfrage besser sein«, sagt Harald Laufs. Was im Fußballstadion oder auf Konzerten geübte Praxis sei – nämlich, aus Mehrwegbechern zu trinken und diese zurückzugeben – lasse sich in Fußgängerzonen so leicht nicht umsetzen: »Im Stadion oder beim Open Air muss man den Pfandbecher nehmen, weil kein Einweg angeboten wird. In der Innenstadt gibt es auch andere Angebote, deswegen können wir es Kunden nicht aufzwingen. Gefühlt der weitaus größte Teil verlangt nach Einwegbechern.« Genaue Zahlen gebe es nicht.

In Paderborn ist noch »Luft nach oben«

Auch Mechthild Hopmeier, Sprecherin des Abfallentsorgungs- und Stadtreinigungsbetriebs Paderborn (ASP), bilanziert nach einem Jahr Mehrweg-System in Paderborn: »Es ist noch deutlich Luft nach oben, wobei die Aktion auf sehr unterschiedliche Resonanz stößt. Einige Betriebe berichten, dass die Mehrwegbecher kaum nachgefragt werden, bei anderen läuft es gut.« Einen Einfluss auf die in der Innenstadt anfallenden Müllmengen habe man noch nicht feststellen können.

Einfach einen eigenen Becher von zu Hause mitbringen ist übrigens schwierig, erklärt Harald Laufs: »Es ist aus hygienischen Gründen untersagt, dass wir mitgebrachte Becher hinter die Theke nehmen oder unter die Kaffeemaschine stellen. Daher machen wir folgendes: Der mitgebrachte Becher wird auf der Theke abgestellt. Dann gießt unsere Mitarbeiterin aus einer Kanne den Kaffee in den Kundenbecher, ohne Berührung. Das ist zulässig.«

Eintöpfe im Einweckglas

Mit einer anderen Art von Pfandsystem hat Ingo Theismann (Ingos Naturkost) in Hövelhof bereits gute Erfahrungen gemacht: Zweimal in der Woche bietet er frischen Eintopf an. Wer den nicht vor Ort verzehren möchte, kann das Essen in Einweckgläsern mitnehmen, für die Pfand berechnet wird. Kaffee zum Mitnehmen biete er zwar auch an, aber ungern, eben wegen des Mülls, sagt Theismann: »Mir ist es am liebsten, wenn meine Kunden einen Mehrwegbecher kaufen, was ich bereits anbiete, oder wenn sie ihren Kaffee gleich hier trinken.« Die Idee, ein Pfandsystem gemeinsam an einem runden Tisch in Hövelhof zu besprechen, unterstützt Ingo Theismann: »Da bin ich dabei.«

Kommentare

Nicht ein eigenes Süppchen kochen

Grundsätzlich ist Mehrweg sinnvoll und wünschenswert. Da ich viel unterwegs bin, möchte ich das auch gerne nutzen. Da fängt aber schon das nächste Problem an. Paderborn hat ein eigenes System, einige nutzen den bundesweiten Dienst Recup und der Kreis Höxter hat auch ein eigenes System (Immerhin kreisweit!).
Das Ende vom Lied ist, dass ich demnächst 3 verschiedene Pfandbecher spazieren fahre oder es dann gar nicht nutze. Es wird höchste Zeit, dass es ein übergreifendes Pfandsystem gibt. Am besten bundesweit!

Doppelmoral

Seit 2016 versuche ich nahezu plastikfrei zu leben. Meine Frage an Harald Lauf, Geschäftsführer der Salzkottener Bäckerei Lange, ist nun, warum er von den Bürgern enttäuscht ist. Die Bäckerei weigerte sich lange, meinen eigenen Kaffeebecher zu füllen, jedes Brötchen wird mit einem Plastikhandschuh angefasst und wenn ich sage, dass ich das Brötchen gerne so haben möchte (z.B. in der Bäckerei Hegemann war das auch nie ein Problem und ich gehe davon aus, dass die Mitarbeiter gesund sind und sich auch regelmäßig die Hände waschen), wird mir mitgeteilt, dass dieses "von oben" her nicht erlaubt sei. Kaltgetränke werden ausschließlich aus Einwegflaschen verkauft, der Orangensaft zum Frühstück kommt aus Einwegverpackungen, aber von den Bürgern enttäuscht sein... Da bin ich enttäuscht, sorry.

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