So., 10.11.2019

Interview mit Bürgermeister Michael Berens zu den Hövelhofer Gewerbegebieten »Bemühungen um Schierbusch nicht gescheitert«

Das Gewerbegebiet Schierbusch soll nach dem Willen von Bürgermeister Michael Berens für die Firma Hedenkamp (links) um einen Teil des Waldstücks erweitert werden.

Das Gewerbegebiet Schierbusch soll nach dem Willen von Bürgermeister Michael Berens für die Firma Hedenkamp (links) um einen Teil des Waldstücks erweitert werden. Foto: Meike Oblau

Hövelhof (WB). Hövelhof hat Platzprobleme: Seit 2009 lässt die Gemeinde nicht locker, das Gewerbegebiet Schierbusch zu erweitern, um die Expansionswünsche einiger Firmen erfüllen zu können. Über die Gründe für die Verzögerungen, den aktuellen Stand und die Perspektiven am Standort hat Hövelhofs Bürgermeister Michael Berens (CDU) mit Ingo Schmitz gesprochen.

In Ihrer Bewerbungsrede vor den CDU-Mitgliedern für eine erneute Bürgermeister-Kandidatur vor zwei Wochen haben Sie gesagt, man sei bei der Erweiterung des Gewerbegebiets Schierbusch »auf einem guten Weg«. Was konkret haben Sie damit gemeint?

Michael Berens: Wir führen derzeit gute Gespräche auf ministerieller Ebene und mit allen Beteiligten in Detmold. Es gibt einen dringenden Bedarf bei mehreren Bestandsfirmen, sich zu erweitern. Am Schierbusch versuchen wir im gesetzlich möglichen Rahmen eine gewisse Fläche des Schierbuschwaldes in Anspruch zu nehmen. Das ist aber nur bei Unternehmen möglich, bei denen betriebliche Abläufe eine Erweiterung nur in unmittelbarer Nähe unabdingbar machen lassen. Das betrifft die Firma Hedenkamp, die pharmazeutische Erzeugnisse herstellt. Hier ist die Nähe zum Beispiel durch Hygienevorschriften bedingt. Wir wollen für das Unternehmen die Möglichkeit schaffen, sich trotz der Vorgaben in der Landesentwicklungsplanung (LEP) am Rande des Schierbuschs erweitern zu können. Wir haben die Hoffnung auf eine großzügige Auslegung des LEP.

 

Worauf beruht Ihre Hoffnung?

Berens: Wir haben seinerzeit für den Schierbusch eine große Lösung angestrebt und wollten die gesamten Waldflächen für den Bedarf der Firmen nutzen. Die Chancen waren damals gut. Man hat uns seitens der Bezirksregierung suggeriert, dass wir das gemeinsam hinbekommen. Mit dem Regierungswechsel 2010 in Düsseldorf von Schwarz-Gelb auf Rot-Grün wurde der LEP allerdings deutlich rigider ausgelegt. Mit dem erneuten Regierungswechsel 2017 in Düsseldorf hoffen wir nun wieder auf eine großzügigere Auslegung. Ich widerspreche daher hiermit ausdrücklich der Darstellung, dass unsere Bemühungen für das Gebiet Schierbusch gescheitert seien. Aktuell geht es um eine Teilfläche, für die wir gemeinsam einen Kompromiss suchen.

 

In der Schierbusch-Frage bekommt man den Eindruck, dass das Verhältnis zwischen Gemeinde und Bezirksregierung seit geraumer Zeit sehr angespannt ist. Worauf führen Sie diesen Zustand zurück?

Berens: Unter der rot-grünen Landesregierung hat man uns mitgeteilt: »Gewerbe im Schierbusch geht auf gar keinen Fall.« Für Hövelhof bedeutet das, dass sich die Gemeinde nicht weiter entwickeln kann. Das können wir für die weitere wirtschaftliche Entwicklung für die Gemeinde so nicht akzeptieren. Da jetzt wieder das Wirtschaftsministerium in Düsseldorf in allen Fragen des LEP zuständig ist, sind wir zuversichtlich, dass wir für Bestandsfirmen wie der Firma Hedenkamp individuelle Lösungen für deren Expansionswünsche finden werden. Das gilt aber auch für andere Firmen, wie das Beispiel Senne Products zeigt, für die wir uns bemühen, in unmittelbarer Nähe ihres bisherigen Sitzes Investitionsmöglichkeiten zu schaffen.

 

Das Unternehmen hat in dieser Woche mitgeteilt, an der Gütersloher Straße erweitern zu wollen. Acht Jahre hat es nach Auskunft von Geschäftsführer Carsten Fest gedauert, bis man Grundstücke für die dringend notwendige Erweiterung bekommen hat. Was hat die Gemeinde zum Ergebnis beigesteuert?

Berens: Es gab mehrere Gespräche mit der Bezirksregierung über den Standort Schierbuch für die Firma Senne Products. Da jedoch der unmittelbare betriebliche Zusammenhang der Produktionsabläufe eine Inanspruchnahme des Walds für Senne Products nicht rechtfertigte, war es für diese Firma im Schierbusch leider nicht möglich zu bauen. Es wurde daher nach Alternativen gesucht, die auch von der Bezirksregierung mitzutragen waren. Die Idee für die Fläche an der Gütersloher Straße kam aus meinem Hause, nachdem sie uns aufgefallen ist. Die gesamte Verwaltung einschließlich Wirtschaftsförderung war beteiligt, um den Standort gemeinsam mit der Bezirksregierung realisieren zu können. Sie hat unserer landesplanerischen Anfrage nach intensiven und konstruktiven Gesprächen mit Schreiben vom 13. Februar 2019 zugestimmt. Die Gemeinde hat auch bei den dann anstehenden Grundstücksverhandlungen dazu beigetragen, um für Senne Products eine Lösung vor Ort zu erreichen. Wir werden dem Rat am 12. Dezember vorschlagen, einen Einleitungsbeschluss zur Änderung des Flächennutzungsplanverfahrens sowie des Bebauungsplanes zu fassen.

 

Wie soll es angesichts der Flächenknappheit in Hövelhof weitergehen?

Berens: Freie Gewerbeflächen sind der größte Standortfaktor einer Gemeinde. Das Interkommunale Gewerbegebiet Senne ist vor allem interessant für Firmen, die sich neu ansiedeln oder mit ihrem kompletten Standort umziehen wollen. Unsere Bestandsfirmen brauchen etwas in ihrer Nähe! Viele Betriebe müssen und wollen investieren. Wie es mit der Teilfläche des Schierbusch weitergeht, wird sich im nächsten halben Jahr zeigen. Und ich stehe zu meiner Aussage, dass wir in guten Gesprächen stehen und hoffnungsvoll sind.

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