Fr., 06.12.2019

Christina Berens aus Hövelhof feiert am Sonntag besonderen Geburtstag „Mühlen-Stienchen“ wird 100

Schon 99 Mal hat Christina Berens Geburtstag gefeiert – am Sonntag steht nun der 100. an. In Hövelhof ist die Jubilarin als „Mühlen-Stienchen“ bekannt. Drei Kinder, fünf Enkel, neun Urenkel und viele andere Gäste werden gratulieren.

Schon 99 Mal hat Christina Berens Geburtstag gefeiert – am Sonntag steht nun der 100. an. In Hövelhof ist die Jubilarin als „Mühlen-Stienchen“ bekannt. Drei Kinder, fünf Enkel, neun Urenkel und viele andere Gäste werden gratulieren. Foto: Jörn Hannemann

Von Meike Oblau

Hövelhof (WB). Der Erste Weltkrieg war gerade einmal ein knappes Jahr vorbei, da erblickte in Hövelhof Christina Berens das Licht der Welt. Besser bekannt ist sie in der Sennegemeinde als „Mühlen-Stienchen“ – und am Sonntag feiert sie ihren 100. Geburtstag.

„Ach was“, so beantwortet sie augenzwinkernd die Frage, ob sie vor diesem besonderen Geburtstag denn aufgeregt sei: „Ich hatte doch schon 99 Mal Geburtstag...“ Im Gespräch mit dem WV lässt die Jubilarin ihr Leben Revue passieren. Kaum einer kann mehr über die Geschichte Hövelhofs erzählen als Christina Berens.

Am 8. Dezember 1919 wurde sie unter dem Namen Christina Fockel geboren. 1926 wurde sie in der nahegelegenen Mühlenschule eingeschult, später arbeitete sie im Offizierskasino in Sennelager. Im Zweiten Weltkrieg wurde sie wie viele Frauen „dienstverpflichtet“ und musste in einem Munitionslager helfen.

Brautkleid aus Fallschirmseide

Die Hochzeit mit Bernhard Berens war ebenfalls vom Krieg geprägt, mit nur drei Tagen Vorlauf fand die Kriegstrauung in der alten Hövelhofer Pfarrkirche statt, als Bernhard Berens Fronturlaub hatte und nur wenige Tage in Hövelhof bleiben konnte. Auch ein Hochzeitskleid war mitten im Krieg gar nicht so leicht aufzutreiben, aber Christina Berens wusste sich zu helfen: „Ein Offizier konnte mir Fallschirmseide beschaffen, daraus haben wir mein Brautkleid genäht“, erzählt sie. Sie besitzt es noch immer.

Nach dem Krieg wurden die gemeinsamen Kinder Annelie (heute 73), Christel (71) und Bernhard junior (64) geboren. Bei Sohn Bernhard und seiner Frau Ulla, die das Unternehmen Bus Berens am Stammsitz der Familie am Mühlenschulweg betreiben, lebt die Jubilarin bei bester Gesundheit noch heute.

In der „Scheyer-Mühle“ Mehl und Schrot gemahlen

Der Busbetrieb geht übrigens bereits auf Christina Berens’ Mann Bernhard zurück. Der war eigentlich Müller – bereits seit 1849 wurde an der inzwischen abgerissenen „Scheyer-Mühle“ Mehl und Schrot gemahlen. Daher stammen nicht nur der Name der Mühlenschule und der Straßenname des Mühlenschulwegs, sondern eben auch der Rufname von Christina Berens: „Mühlen-Stienchen“.

Ihr Mann Bernhard kaufte Mitte der 1950er Jahre einen Bulli, um das gemahlene Korn auszuliefern. „Irgendwann wurde er gefragt, ob er damit Schulkinder befördern könne, später fuhr er auch Hochzeitspaare oder Sportmannschaften“, erinnert sich Christina Berens. Ihr Sohn Bernhard gründete dann 1978 offiziell das Unternehmen „Bus Berens“.

Auch Christina Berens war stets gerne auf Reisen und kam viel herum, bedingt auch durch ihre zahlreichen Vereinsmitgliedschaften. So ist sie bereits seit 65 Jahren Mitglied der KFD, war bei den Landfrauen aktiv und Mitbegründerin des Plattdeutschen Kreises in Hövelhof.

„Siene Puttkers“ vertonen die Heimatgedichte

Die plattdeutsche Sprache lag „Mühlen-Stienchen“ stets besonders am Herzen. Zahlreiche Heimatgedichte hat sie verfasst. Etliche von ihnen wurden von der Musikgruppe „Siene Puttkers“, der auch Bürgermeister Michael Berens angehört, vertont, darunter „So’n bitken meähr gutseyn“ und „Dät Treseken“. Mit diesem Lied nahmen die „Siene Puttkers“ 2002 sogar am Vorentscheid der Närrischen Hitparade teil.

Zum Geburtstag werden die „Siene Puttkers“ sicherlich am Sonntag auch gratulieren, ebenso wie die drei Kinder von Christina Berens nebst fünf Enkel- Und neun Urenkelkindern.

Und was ist nun der Tipp von „Mühlen-Stienchen“ für so ein langes Leben? „Ich glaube, das liegt bei uns einfach in den Genen“, sagt sie. „Mein Vater wurde über 90 und zwei meiner Schwestern leben auch noch. Sie sind 92 und 94.“

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