52 Jahre radelte er durch 196 Länder: Hövelhofer Heinz Stücke feiert 80. Geburtstag
Ein Weltenbummler im Ruhestand

Hövelhof (WB). 196 Länder dieser Erde hat er gesehen, 52 Jahre ist er mit dem Fahrrad durch die ganze Welt gereist, insgesamt 648.000 Kilometer. An diesem Samstag feiert Heinz Stücke in Hövelhof seinen 80. Geburtstag. Doch wie lebt ein Weltenbummler, der jahrzehntelang nicht in die Rentenkasse eingezahlt hat und nach wie vor nicht krankenversichert ist, eigentlich im Ruhestand? Ein Ortstermin.

Samstag, 11.01.2020, 06:00 Uhr aktualisiert: 11.01.2020, 15:48 Uhr
Nahezu jeder Zentimeter Wand ist in der Wohnung von Heinz Stücke mit Fotos und anderen Erinnerungsstücken an seine lange Reise zugepflastert. Mehrere 10.000 Fotos hat der Weltenbummler in seinem Leben geschossen Foto: Meike Oblau
Nahezu jeder Zentimeter Wand ist in der Wohnung von Heinz Stücke mit Fotos und anderen Erinnerungsstücken an seine lange Reise zugepflastert. Mehrere 10.000 Fotos hat der Weltenbummler in seinem Leben geschossen Foto: Meike Oblau

2014 hat Heinz Stücke seine Weltreise dort beendet , wo er 1962 auch aufgebrochen war: in Hövelhof. Seitdem wohnt er in einer ehemaligen Hausmeisterwohnung nahe der örtlichen Hallenbades. An Fahrradfahren ist inzwischen nicht mehr zu denken, Heinz Stücke bewegt sich am Rollator fort und ist für längere Wege mittlerweile stolzer Besitzer eines günstig gebraucht gekauften Elektromobils.

Er kommt auch mit wenig Geld zurecht

Auf all seinen Reisen hat er gelernt, mit wenig zurecht zu kommen. Das kommt Heinz Stücke jetzt zu Gute. Nach seiner Lehre als Werkzeugmacher in Windelsbleiche hat er insgesamt nur rund zwei Jahre gearbeitet – und somit auch nur einen sehr geringen Rentenanspruch. Die Wohnung zahlt die Gemeinde Hövelhof für ihn. „Meine Rentenansprüche reichen für günstige Lebensmittel, das Abo des WESTFÄLISCHEN VOLKSBLATTES, Telefon und Rundfunkgebühren“, sagt Stücke. Nach seiner Rückkehr nach über 52 Jahren auf Tour gab es großes Medienecho – und nicht nur positives.

So schrieb Chefredakteur Hermann Beckfeld 2014 in den Ruhr-Nachrichten in einem offenen Brief an Heinz Stücke: „Jetzt, da Sie 74 Jahre alt und wohl auch ein bisschen krank sind, kehrten Sie dorthin zurück, wo Sie fünf Jahrzehnte lang nicht waren, wo Sie eigentlich auch nicht mehr hin wollten. Ins westfälische Hövelhof, in Ihr Heimatkaff, das Ihnen damals zu piefig, zu provinziell, zu eng, zu langweilig geworden war.“ Für ihn sei Stücke „ein Schmarotzer im Sattel“, der nun im Alter „die Gemeinde „anpumpen“ müsse.

Heinz Stücke sagt, er könne die Vorwürfe nicht nachvollziehen. „Ich will nicht vom Staat leben, auch jetzt nicht. Ich nehme die Rente, die mir zusteht, und wenn die Gemeinde mir eine Wohnung zur Verfügung stellt, dann tut sie das nicht komplett uneigennützig, sie haben ja auch etwas von mir.“ Er sehe sich als Werbeträger für die Radfahrgemeinde Hövelhof.

Besucher bringen Spenden oder Lebensmittel

Im Alter keine Krankenversicherung zu haben, störe ihn wenig: „Wer keine Versicherung hat, wird auch nicht krank.“ Und wenn doch, so wie vor einigen Jahren, als eine Hüft-OP unumgänglich war, dann lässt Stücke seine Kontakte spielen – die Operation führte eine Klinik in Münster seinen Angaben zufolge kostenlos durch. Auch die vielen Besucher aus aller Welt, die in seiner Wohnung zu Gast sind, lassen immer mal wieder Spenden da, kaufen sein Buch oder bringen Lebensmittel mit.

Aus den Plänen, gemeinsam mit der Gemeinde Hövelhof ein Museum zu eröffnen und seine Abenteuer hier in Wort und vor allem Bild zu präsentieren, ist in den vergangenen sechs Jahre nichts geworden: „Die erhofften Fördergelder für das Museum sind wohl nicht geflossen“, hat Heinz Stücke aus dem Rathaus gehört.

Privates Museum in vier Zimmern

Längst ist seine Wohnung nahe der Krollbachschule selbst zum privaten Museum geworden, nahezu jeder Zentimeter Wand ist mit Fotos und anderen Erinnerungsstücken an seine lange Reise zugepflastert. Mehrere 10.000 Fotos hat Stücke in seinem Leben geschossen, 15.000 Seiten Tagebücher vollgeschrieben. Vieles davon wartet noch darauf, sortiert zu werden. „Ich stürze mich hier jeden Tag in die Arbeit“, sagt der Weltenbummler auf die Frage, wie er seinen Alltag verbringt. Etwa 50 Mal im Jahr kämen Besucher, die er dann durch seine Räume führe, sagt Heinz Stücke, immer mal wieder präsentiert er sein Leben auch in Ausstellungen oder an Infoständen.

Von seinem Leben erzählen möchte Heinz Stücke auch an seinem 80. Geburtstag. Am Samstag von 11 Uhr an stehen die Türen seiner Wohnung in Hövelhof, Am Hallenbad 1, für alle interessierten Besucher und Gratulanten offen. „Gerne können die Besucher dann auch mein Buch kaufen“, sagt der Jubilar.

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