Fr., 31.01.2020

OWL-Bauernpräsident hält Hilfspaket der Regierung für nicht ausreichend – mit Kommentar „Nicht gut fürs Image“

Hubertus Beringmeier ist OWL-Bauernpräsident und Schweinezüchter im Kreis Paderborn.

Hubertus Beringmeier ist OWL-Bauernpräsident und Schweinezüchter im Kreis Paderborn. Foto: Schwabe

Von Edgar Fels

Hövelhof/Berlin (WB). Die heftigen Proteste der Landwirte in den vergangenen Wochen haben offenbar Wirkung gezeigt: Nun plant die Große Koalition, die Bauern mit einer Milliarde Euro zu unterstützen. Rechte Freude will bei den Betroffenen jedoch nicht aufkommen. „Das tut uns imagemäßig nicht gut“, sagt Hubertus Beringmeier, Bauernpräsident in Ostwestfalen-Lippe .

Beringmeier, der sich am 17. Februar in Münster zur Wahl des Bauernpräsidenten in Westfalen-Lippe stellt, gibt zu bedenken: „Das sind ja Steuergelder, die wir bekommen sollen. Das kommt in der Bevölkerung schlecht an.“ Einfach mal „eine Milliarde pauschal rauszuhauen“ – damit sei es nicht getan. Zumal derzeit auch keine konkreteren Aussagen zur Mittelverwendung vorlägen.

7000 Bauern in OWL – Tendenz abnehmend

In Ostwestfalen-Lippe gibt es aktuell rund 7000 landwirtschaftliche Betriebe. Mehr als zwei Drittel betreiben Tierzucht (Schweine, Rinder und Geflügel), ein Drittel Ackerbau. Der Strukturwandel führt dazu, dass sich die Zahl der Bauernhöfe jährlich um drei bis vier Prozent verringert. Noch vor wenigen Jahren gab es in der Region knapp 8000 Bauernhöfe. Im Wesentlichen gibt es drei Gründe, warum Bauernhöfe aufgeben. Erstens: Die Rentablität ist nicht mehr gegeben. Zweitens: die Nachfolgefrage ist ungeklärt und drittens: potentielle Nachfolger entscheiden sich für einen anderen Beruf.

Der Hövelhofer Landwirt und Schweinezüchter vermisst ein schlüssiges Konzept der Politik. „Wir brauchen bessere Rahmenbedingungen beziehungsweise ein Regelwerk für unsere Arbeit“, sagt der 58-Jährige. Dazu gehörten etwa der Insektenschutz ebenso wie das in weiten Teil der Bevölkerung diskutierte Tierwohl.

Dass die Politik nicht den umgekehrten Weg gesucht habe – also zunächst die Kosten für die unterschiedlichen Maßnahmen zu ermitteln, um dann die Hilfe festlegen zu können – stößt jedenfalls Beringmeier sauer auf, wie er sagt.

Die Landwirte seien ja bereit, die Stallhaltung der Tiere zu verbessern – ihnen mehr Platz einzuräumen. Maßnahmen, die Investitionen bedingen. „Am Ende müssen wir von unserer Arbeit leben können“, betont der OWL-Bauernpräsident aus dem Kreis Paderborn weiter. Und hier komme auch der Verbraucher ins Spiel. Dieser müsse bereit sein, deutlich mehr als bisher für das Fleisch zu bezahlen.

Ein guter Ansatz ist Beringmeier zufolge die „Initiative Tierwohl“. Die beteiligten Handelsketten zahlen seit Januar 2018 jeweils 6,25 Cent für ein Kilogramm an verkauftem Schweine- und Geflügelfleisch sowie für Wurstwaren in einen Fonds ein. Aus diesem Fonds erhalten die Landwirte ein „Tierwohlentgelt”, mit dem sie ihre Mehrkosten für mehr Platz im Stall ausgleichen sollen.

Aus Sicht von Beringmeier reichten diese 6,25 Cent aber bei weitem nicht. „Wir brauchen 30 bis 40 Cent je Kilogramm.“ Zudem dürfte der Handel nicht das billige Importfleisch etwa aus Spanien in die Verkaufsregale legen. Das hätte aber auch Folgen für den Verbraucher. Beringmeier schätzt, dass das Fleisch rund ein Drittel teuer würde.

Neben dem Westfälisch-Lippische Landwirtschaftsverband (WLV) kritisiert auch die Bewegung „Land schafft Verbindung“ die Haltung der Politik. „Die derzeit vorliegenden Vorschläge zur Verschärfung der Düngeverordnung basieren auf Daten und Berechnungsverfahren, die teilweise wenig transparent und aus fachlicher Sicht mehr als fragwürdig sind“, sagen Vertreter beider Organisationen. „Land schafft Verbindung“ ist ein Zusammenschluss von Bauern außerhalb der Verbandsstrukturen. „Wir sind einfach Landwirte, die ihr Schicksal selbst in die Hand genommen haben. Und wir sind bunt, wir kommen aus allen aus allen Bereichen der Landwirtschaft“, heißt es auf der Homepage.

Einen Kommentar zu dem Thema lesen Sie hier.

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