Kunde an Krücken in Hövelhofer Supermarkt abgewiesen
Kein Zutritt ohne Einkaufswagen

Hövelhof (WB). Klaus Kruse ist nach einem Fahrradunfall derzeit auf zwei Krücken angewiesen. Als der Hövelhofer jüngst eine Kleinigkeit im Netto-Markt im Ortskern besorgen wollte, wurde er am Betreten des Supermarkts gehindert. Grund: die neuen Corona-Bestimmungen. Netto schreibt seinen Kunden derzeit die Nutzung eines Einkaufswagens vor.

Montag, 30.03.2020, 14:59 Uhr aktualisiert: 30.03.2020, 15:04 Uhr
Wer im Netto-Supermarkt in Hövelhof einkaufen möchte, muss derzeit zwingend einen Einkaufswagen mit ins Geschäft nehmen. Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes kontrollieren das im Eingangsbereich. Foto: Meike Oblau
Wer im Netto-Supermarkt in Hövelhof einkaufen möchte, muss derzeit zwingend einen Einkaufswagen mit ins Geschäft nehmen. Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes kontrollieren das im Eingangsbereich. Foto: Meike Oblau

Am Eingang des Marktes sind Mitarbeiter eines Security-Dienstes postiert, die das überwachen sollen. Bei Klaus Kruse aber schossen sie offenbar übers Ziel hinaus. „In Ausnahmefällen, zum Beispiel bei Kunden mit Gehhilfen oder Kinderwagen, wird der Zutritt zur Filiale auch ohne Einkaufswagen gewährt. Wir bedauern die Situation, die in Hövelhof passiert ist, und besprechen die Thematik nochmals mit den Kollegen vor Ort“, hieß es auf WV-Anfrage aus der Netto-Pressestelle.

„Ich habe das als Diskriminierung empfunden“

Klaus Kruse hatte für das Verhalten des Sicherheitsdienstes wenig Verständnis. „Um überhaupt einkaufen zu können, musste ich eine Krücke ins Auto zurückbringen, um mir dann einen Einkaufswagen zu holen. Eigentlich soll ich meinen Fuß noch nicht so stark belasten, aber anders wäre ich in den Laden nicht reingekommen. Ich habe das als Diskriminierung empfunden. Meine Frau sitzt im Rollstuhl, sie hätte auch keinen Einkaufswagen benutzen können, ebenso wenig wie ältere Menschen mit Rollator.“

Christina Stylianou, Leiterin der Unternehmenskommunikation bei Netto, erklärt die neue Einkaufswagen-Pflicht: „Einige Städte schreiben durch eine Verordnung vor, dass ein Einkauf nur mit Einkaufswagen möglich ist. Wir halten uns an alle Vorgaben und haben unternehmensintern nationale Sicherheitsmaßnahmen umgesetzt. Darüber hinaus gibt es auch je nach Standort und Kundenfrequenz weitere Unternehmensentscheidungen, die durchaus über den Anforderungen der Gemeinden liegen können.“

Auch im E-Center sind Einkaufswagen derzeit Pflicht

Auch am E-Center an der Ferdinandstraße sind in den vergangenen Tagen neue Maßnahmen in Kraft getreten. So wurde der Eingang am Parkplatz Ferdinandstraße geschlossen, und auch im E-Center gilt eine Einkaufswagenpflicht. Unternehmenssprecherin Julia Knapp von der Lüning-Gruppe erklärt, warum: „Die Reglementierung der Regierung, dass sich nur ein Kunde auf zehn Quadratmetern Ladenfläche aufhalten darf, regeln wir mit Hilfe der entsprechend abgezählten Anzahl an Einkaufswagen. Somit erhält jeder Kunde einen Einkaufswagen. Diese werden mehrmals täglich kon­trolliert.“ Zu den Stoßzeiten stehe immer ein Mitarbeiter bei den Einkaufswagen, um die Ausgabe zu kontrollieren. „Natürlich steht bei uns der individuelle Kundenbedarf im Fokus und somit vor der Regelung“, ergänzt Knapp. „Sofern es dem Kunden nicht möglich ist, einen Einkaufswagen zu schieben, machen wir in diesen Sonderfällen selbstverständlich eine Ausnahme.“

Es gibt in Hövelhof übrigens auch nach wie vor Geschäfte ohne Einkaufswagenpflicht – zum Beispiel die Drogerie Rossmann oder Ingos Naturkost.

Kommentar

Ja, in der aktuellen Lage sind gewisse Regelungen aus gesundheitlichen Gründen unumgänglich. Es sollten aber Augenmaß und gesunder Menschenverstand gelten. Dass Kunden, die an Krücken laufen oder im Rollstuhl sitzen, nicht in der Lage sind, einen Einkaufswagen zu schieben, sollte Mitarbeitern eines Supermarktes und auch dort eingesetzten Sicherheitsunternehmen klar sein. Hier auf eine Verordnung zu pochen, ist sinnfrei und führt nur zu völlig verständlicher Verärgerung. Die Firma Netto hat anschließend das einzig Richtige getan und sich entschuldigt. Im Eifer des Gefechts kann so ein Fall bei einer neuen Regelung mal vorkommen. Wiederholt sollte das aber jetzt nicht passieren. Meike Oblau

 

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