Beringmeier: „Noch kann es ein normales Jahr für Landwirte werden“
Bauern hoffen auf Regen

Hövelhof (WB). Nach den Worten von Hubertus Beringmeier aus Hövelhof im Kreis Paderborn, Präsident der Bauern in Westfalen-Lippe, hat die Trockenheit „das Austrocknen der oberen Bodenschichten“ zur Folge. Die Feuchtigkeit sei für das Keimen der Saat zurzeit aber dringend notwendig.

Mittwoch, 22.04.2020, 09:20 Uhr aktualisiert: 22.04.2020, 09:24 Uhr
Ein Traktor zieht einen Grubber über einen Acker und bereitet das Feld auf die Aussaat vor. Foto: dpa
Ein Traktor zieht einen Grubber über einen Acker und bereitet das Feld auf die Aussaat vor. Foto: dpa

Auch das Wintergetreide, das im Herbst ausgesät wurde, bräuchte dringend Wasser, um weiterwachsen zu können. Besonders betroffen sind Regionen mit sandigen Böden. „Die Landwirte versuchen, durch besonders schonende Bodenbearbeitung möglichst die noch im Boden verbliebene Feuchtigkeit zu halten“, sagte Beringmeier am Dienstag.

Reserven sind aufgebraucht

Auch Landwirte beobachten die Wetterlage genau. „Die Lage ist auf keinen Fall dramatisch. Regen wäre trotzdem dringend nötig“, sagt Bernhard Rüb von der Landwirtschaftskammer NRW. Nach wie vor sei reichlich Wasser im Boden. Allerdings hätten die Pflanzen, die im Frühjahr gesät wurden oder noch werden, Schwierigkeiten, an das Wasser heran zu kommen.

Gras könne bald gemäht werden. „Aber wenn das dann ab ist, kommt nicht mehr viel nach, wenn es nicht regnet.“ Wintergetreide sehe noch ganz gut aus. „Bei Sommergetreide wie Braugerste oder Hafer ist es schon schwieriger.“ Zuckerrübensamen keimten teilweise nicht, weil es zu trocken sei.

Nach den Erfahrungen der vergangenen beiden trockenen Jahre schauten die Bauern früher als sonst besorgt auf die Lage. „Noch so ein Dürrejahr würde für viele Betriebe ein existenzielles Pro­blem bedeuten.“ In vielen Betrieben seien die Reserven aufgebraucht. „Die Monate April und Mai sind für die späteren Erträge beim Getreide entscheidend. In dieser Zeit werden die Anlagen für die Getreideähren und das Korn gebildet“, erklärte Beringmeier.

Gras wächst nicht

Auch in den Wiesen und Weiden wachse das Gras aufgrund der Trockenheit nicht. „Den Aufwuchs brauchen wir als Futter für das Rindvieh“, sagte Beringmeier. Schon in den letzten zwei Jahren hätten die Rindviehhalter mit Engpässen bei der Grundfutterversorgung zu kämpfen gehabt. „Noch kann es ein normales Jahr für uns Landwirte werden, wenn bald der notwendige Regen kommt“, hofft der Vorsitzende. „Wir wünschen uns jetzt dringend schönen, ergiebigen Landregen.“

Daraus wird diese Woche wahrscheinlich nichts mehr. Bis Freitag sagt der Deutsche Wetterdienst (DWD) trockenes, sonniges und zunehmend warmes Wetter voraus. Zugleich erhöhen sehr trockene Luft und kräftiger Ostwind die Verdunstung. Das führt zu weiter sinkenden Bodenfeuchtewerten und einer hohen bis sehr hohen Waldbrandgefahr.

Sehr trockener April

Am Wochenende nimmt dann der Hochdruckeinfluss ab und Niederschläge werden lokal etwas wahrscheinlicher. „Die Regenmengen, mit denen wir ab dem Wochenende rechnen können, dürften aber vorerst nicht ausreichen, um die aktuelle Trockenheit flächendeckend und nachhaltig zu beenden“, so der DWD. Ob der Mai nach dem voraussichtlich sehr trockenen April mehr Niederschlag bringt, lasse sich zurzeit noch nicht abschätzen. Ein Blick ins Klimaarchiv des DWD zeige nur: „Nach zu trockenen Aprilmonaten traten in der Vergangenheit trockene und nasse Maimonate etwa gleich häufig auf.“

Nach Berechnungen des DWD fielen vom 14. März bis zum 18. April verbreitet weniger als zehn Liter pro Quadratmeter Niederschlag. Zugleich sorgte an vielen Tagen Sonnenschein, sehr trockene Luft und zeitweise auch frischer Wind für hohe Verdunstungsraten von etwa sechs Litern pro Quadratmeter am Tag. Der Wasserbedarf der Pflanzen war in diesem Zeitraum also deutlich höher als die Niederschlagsmenge.

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