In OWL kehren die ersten Jugendlichen nach fast sechswöchiger Corona-Pause zurück
Schulstart im Ausnahme-Modus

Paderborn/Halle/Düsseldorf (WB). Halbierte Klassen, feste Sitzordnung, Mundschutz, Desinfektionsmittel und Mindestabstand: Nach einer fast sechswöchigen Corona-Zwangspause inklusive der Osterferien sind in OWL am Donnerstag die ersten Schüler in ihre Klassenräume zurückgekehrt. Größere Probleme gab es beim landesweiten Schulbeginn im Ausnahme-Modus nach ersten Erkenntnissen nicht – wohl aber weiterhin Kritik von der Lehrergewerkschaft GEW sowie Schülerinitiativen.

Freitag, 24.04.2020, 03:00 Uhr aktualisiert: 24.04.2020, 06:24 Uhr
Unterricht an der Franz-Stock-Realschule in Hövelhof in Corona-Zeiten: Sicherheitsabstand zwischen den Schülern mit fest zugewiesenen Plätzen in der Klasse und eine Schülerin live per Laptop zugeschaltet. Lehrer Rouven Dieks trägt einen Mund-Nasen-Schutz. Foto: Jörn Hannemann
Unterricht an der Franz-Stock-Realschule in Hövelhof in Corona-Zeiten: Sicherheitsabstand zwischen den Schülern mit fest zugewiesenen Plätzen in der Klasse und eine Schülerin live per Laptop zugeschaltet. Lehrer Rouven Dieks trägt einen Mund-Nasen-Schutz. Foto: Jörn Hannemann

Für die rund 308.000 Schülerinnen und Schüler in NRW, die einen Abschluss nach der Klasse 10 oder an Berufskollegs und Förderschulen anstreben, ist der Schulbesuch seit Donnerstag wieder Pflicht. Darunter sind auch 85.000 Berufsschüler, die in der dualen Ausbildung an maximal zwei Tagen pro Woche unterrichtet werden. Für die 88.000 angehenden Abiturienten ist die Teilnahme am Unterricht dagegen freiwillig. Sie können sich so auf die am 12. Mai beginnenden Abi-Prüfungen vorbereiten.

In den Schulen werden diverse Sicherheitsmaßnahmen ergriffen, um die Infektionsrisiken zu minimieren. Klassenverbünde werden geteilt und auf mehrere Räume verteilt, um Mindestabstände zwischen den Schülern zu gewährleisten. Deshalb auch ist Mundschutz für Schüler in den Klassenräumen nicht Pflicht, im Schulgebäude aber gerne gesehen. Die Sitzplätze sind fest zugewiesen, um im Falle einer Infektion mögliche Kontaktpersonen sofort zu identifizieren. An manchen Schulen dauert die Schulstunde nun 60 statt 45 Minuten. Pausen fallen vielerorts aus oder müssen – wie am Berufskolleg in Halle – mit dem Lehrpersonal in den Klassenräumen verbracht werden. Auch so sollen Begegnungen und Kontakte unter den Schülern reduziert werden. Viele Schulen in OWL sprechen von einem disziplinierten Verhalten der Schüler.

80 Prozent der Abiturienten nutzt das freiwillige Angebot

Die Bezirksregierung Detmold als obere Schulaufsichtsbehörde befragte „stichprobenartig“ Schulen in OWL nach dem Verlauf des ersten Schultages. „Das Fazit für diesen ersten Tag ist positiv. Es sind fast alle Schülerinnen und Schüler der 10. Klasse, die Abschlussprüfungen machen, erschienen. Es gab nur wenige Ausnahmen von Schülerinnen und Schülern, die aus Krankheitsgründen entschuldigt fehlten“, teilte die Behörde mit. Auch der überwiegende Teil der Abiturienten – schätzungsweise rund 80 Prozent – hätten das freiwillige Schulangebot genutzt.

Nach Auskunft der Schulleitungen sei die Versorgung mit Lehrkräften gesichert. „Diejenigen Lehrer, die für das ‚Hochfahren‘ des Schulunterrichts gebraucht wurden, waren vor Ort im Einsatz“, heißt es von der Bezirksregierung. Nach Informationen dieser Zeitung können 60 bis 80 Prozent der Lehrer im Präsenzunterricht eingesetzt werden – die anderen gelten als Mitglieder von Risikogruppen. Sie können zum Teil aber administrative Aufgaben oder Betreuung der Schüler übernehmen, die noch zuhause sind.

Schulen und Schulträger hätten es nach eigenen Angaben gemeinsam geschafft, die geforderten Hygienestandards sicherzustellen. „Kleinigkeiten“ müssten noch nachjustiert werden, meldet die Bezirksregierung.

NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) sagte : „Die schrittweise Wiederaufnahme des Schulbetriebs für die Schülerinnen und Schüler in den Abschlussklassen ist ein wichtiges Signal in Richtung verantwortungsvoller Normalität.“ Die ersten Rückmeldungen aus den Schulen zeigten, dass der Start gut gelungen sei.

Die NRW-Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Maike Finnern, sieht dagegen hohe gesundheitliche Risiken für die Schüler. „Der Gesundheitsschutz ist in den Schulen nicht überall gewahrt. Wir gehen ein sehr hohes Risiko ein“, sagte Finnern der „Rheinischen Post“. Die Abstandsregeln könnten nicht ausreichend kon­trolliert werden, ebenso wie Hygienestandards, hätten Schulen zurückgemeldet.

Als unverantwortlich bezeichnete auch das Aktionsbündnis „Schulboykott NRW“ Schulöffnungen und Abiturprüfungen. Schulen könnten Hygienestandards so kurzfristig nicht erfüllen.

Schulministerin Gebauer hofft indes auf eine Rückkehr aller Schüler vor den Sommerferien Ende Juni. Das sei aber eine große Herausforderung und hänge ganz entscheidend von der Weiterentwicklung der Pandemie ab – und von Entscheidungen der Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU).

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