Daimler sollte zahlen – Tatorte A33 und A44 – Verdächtiger gefasst
Steinwürfe auf Autobahn: Es war Erpressung

Geseke/Paderborn/Dortmund (WB). Nach einem mehrwöchigen Großeinsatz mit mehr als 100 Mitarbeitern hat die Polizei einen mutmaßlichen Erpresser festgenommen, der in OWL und im Kreis Soest Steine auf Straßen geworfen oder gelegt haben soll. Tatorte waren die A44, die A33 bei Hövelhof und der Zubringer zum Flughafen Paderborn-Lippstadt.

Donnerstag, 14.05.2020, 20:54 Uhr aktualisiert: 14.05.2020, 20:58 Uhr
Der auf der A44 beschädigte Sprinter. Foto: Polizei
Der auf der A44 beschädigte Sprinter. Foto: Polizei

Erpresst worden sei der Autohersteller Daimler, sagte der Paderborner Oberstaatsanwalt Ralf Meyer. Der Täter habe eine sechsstellige Summe gefordert – andernfalls werde er weitere Fahrzeuge vom Typ Mercedes attackieren.

Als dringend tatverdächtig nahm ein Spezialeinsatzkommando am Mittwochabend einen 21-jährigen Mann in Geseke (Kreis Soest) fest. Nach Informationen dieser Zeitung soll der 21-jährige beim Zugriff versucht haben, sich mit einer Gasdruckwaffe selbst zu verletzen. Polizei und Staatsanwaltschaft bestätigten nur, dass der Mann nach dem Zugriff in einem Krankenhaus ambulant behandelt wurde und anschließend in Polizeigewahrsam kam. Mittlerweile hat ein Richter Haftbefehl erlassen. Dem 21-Jährigen werden schwere räuberische Erpressung und versuchter Mord vorgeworfen.

Erste Tat am 28. April

Die erste Tat ereignete sich am 28. April auf der A44 zwischen Anröchte und Geseke. Dort durchschlug eine von einer Brücke geworfene Betonplatte die Scheibe eines Mercedes Sprinter auf Höhe des unbesetzten Beifahrersitzes. Die Fahrerin (25) kam mit einem Schock davon. Sie war mit Tempo 110 unterwegs gewesen.

In der Nacht zum 4. Mai fand die Polizei einen Stein auf der L776 – dem Zubringer zum Flughafen Paderborn-Lippstadt. Einen Tag lag ein Stein auf der A33 bei Hövelhof. In beiden Fällen kam niemand groß zu Schaden. Beide Tatorte liegen nur wenige Kilometer vom Wohnort des 21-Jährigen entfernt.

Verdeckter Großeinsatz

Nach Bekanntwerden der Erpresserschreiben startete die Polizei einen verdeckten Großeinsatz. „Mit einem hohen Personalaufwand fahndete die Polizei im Bereich Ostwestfalen nach dem Täter und hatte dabei besonders Straßenüberführungen als potenzielle weitere Tatorte im Fokus“, heißt es in einer Mitteilung von Polizei und Staatsanwaltschaft.

Mehrere Erpresserschreiben hatte der Täter an die Daimler-Zentrale in Stuttgart verschickt – einmal sogar als Mailkopie an die Polizei in Dortmund, wie Oberstaatsanwalt Meyer sagte. Der Erpresser habe sich offenbar sehr sicher gefühlt und habe über verschlüsselte Leitungen kommuniziert. „Er war technisch schon sehr gut. Aber die Polizei war besser“, sagte Meyer.

Die Polizei prüft nun, ob der 21-Jährige für weitere bislang ungeklärte Erpressungstaten in Betracht kommt. Der Tatverdächtige ist laut Staatsanwaltschaft bislang polizeilich nicht aufgefallen.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7410016?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198401%2F2851066%2F
Anklage fordert zehn Jahre Haft
Seit Dezember müssen sich Ismet A. (32, vorne) und sein Bruder Ferhan (34) vor der 1. Großen Strafkammer des Landgerichts Bielefeld verantworten. Die Staatsanwaltschaft will sie für zehn beziehungsweise neuneinhalb Jahre hinter Gittern sehen. Foto: David Inderlied
Nachrichten-Ticker