CDU Hövelhof und Grünen-Ratsmitglied Jörg Schlüter nehmen Stellung
„Kantiger Hermann” kommt nicht zur Ruhe

Hövelhof (WB). Hohe Wellen schlägt in Hövelhof offenbar die im Haupt- und Finanzausschuss (HFA) verlesene Stellungnahme des Ratsmitgliedes Jörg Schlüter (Grüne). Dieser hatte die in Hövelhof aufgestellte Wegmarke des „Kantigen Hermanns“ als unbedacht kritisiert .

Samstag, 23.05.2020, 00:00 Uhr
Das ist der „Kantige Hermann”, der an der Wegkreuzung Sennestraße/ Raiffeisenstraße aufgestellt worden ist. Foto: Meike Oblau
Das ist der „Kantige Hermann”, der an der Wegkreuzung Sennestraße/ Raiffeisenstraße aufgestellt worden ist. Foto: Meike Oblau

Bei dem „Kantigen Herrmann” handelt es sich um ein Projekt des Ausbildungsnetzwerkes BANG in Hövelhof ; es wurde von den Firmen ELHA und LST aus Hövelhof begleitet und von den Auszubildenden der Betriebe gebaut.

In einer Presseerklärung hat die CDU Hövelhof am Freitag zu diesem Thema Stellung bezogen. Einleitend heißt es darin: „Mit dem ‚Kantigen Hermann’ wirbt beispielsweise auch die Firma ELHA über Instagram mit dem Hashtag ‚WirbauenMaschinen‘ für Ausbildungsplätze im Maschinenbau. Diese neue Wegmarke wurde von den Betrieben als Dauerleihgabe der Gemeinde übereignet und an der Wegkreuzung Sennestraße/ Raiffeisenstraße aufgestellt. Die Statue ist an das Hermannsdenkmal angelehnt und in der heutigen Formensprache neu interpretiert worden.“

Bröckling: „Konstruierter Kontext“

CDU-Ratsmitglied Günter Bröck­ling geht noch einmal auf die Sitzung ein und schreibt: „Erst erzählte uns Herr Schlüter etwas aus seiner Familiengeschichte und von seinem Opa und zog daraus einen konstruierten Kontext des Nationalsozialismus zum Hermannsdenkmal.”

Das Hermannsdenkmal sei bekanntlich im 19. Jahrhundert in Erinnerung an die Varusschlacht im Detmolder Ortsteil Hiddesen auf der Grotenburg errichtet worden. Die Urlaubsregion Teutoburger Wald setze bewusst auf das Hermannsdenkmal und wirbt für die Region Ostwestfalen-Lippe damit aktiv. „Dem gebürtigen Lipper Jörg Schlüter dürfte es auch nicht entgangen sein, dass der Kreis Lippe mit dem Slogan ‚Land des Hermann’ für sich wirbt”, schreibt die CDU.

Ein Zusammenhang zur Nazi-Zeit sei auch in dem als Beleg aufgeführten Wikipedia-Artikel zum Hermannsdenkmal nicht zu finden, schließlich habe die damalige Propaganda den Status einer „nationalen Wallfahrtsstätte“ abgelehnt.

CDU findet die Vorwürfe „abstrus“

Der weitere Vorwurf, dass die Wegmarke möglicherweise bewusst in der Nähe des Parks Verrieres aufgestellt worden sei und das in dessen Richtung gerichtete Schwert möglicherweise die deutsch-französische Städtepartnerschaft mit der Kommune Verrieres-les-Buisson belasten könnte, sei „genauso abstrus”, steht im CDU-Schreiben. Zwar sei das Hermannsdenkmal in Detmold auch im Zeichen der damaligen deutsch-französischen Erbfeindschaft errichtet worden. Aber es sei eben ein Symbol der damaligen Zeit.

An der Stelle der früheren Erbfeindschaft stehe heute „eine unverbrüchliche Partnerschaft mit Frankreich und Verrieres im speziellen, die sich durch die regelmäßigen Besuche und Austausche bei zahlreichen Gelegenheiten mit den Menschen aus unserer Partnerkommune belegen lassen.“

Auch in Verrieres habe man „verwundert auf die von den Grünen geführte Diskussion geblickt”, bemerkt Udo Neisens, Fraktionsvorsitzender der Hövelhofer CDU. Er hatte mit Gerard Dossmann, dem stellvertretenden Bürgermeister von Verrieres, Kontakt aufgenommen.

Dank an die Auszubildenden

Die Grünen „litten wohl an dem gegenwärtigen Defizit an Aufmerksamkeit, dass sie aus dem kleinen, kantigen Hermann einen solchen ‚großen Hermann’ machten”, so die CDU weiter. Der kantige Hermann als Wegmarke an der neuen Wegführung des völkerverbindenden R1 stehe jedoch für Zukunft, Ausbildung, Zuversicht und Arbeitsplätze. „Die von Jörg Schlüter vorgetragene konstruierte Kritik war völlig daneben. Wir bedanken uns lieber bei den Auszubildenden für ihre Arbeit”, so Michael Kersting, stellvertretender Bürgermeister, abschließend.

Vorwürfe zurückgewiesen

Das Grünen-Ratsmitglied Jörg Schlüter hat darauf nun prompt reagiert. In einer persönlichen Stellungnahme schreibt er am Freitagnachmittag:

„Die CDU schreibt auf ihrer Internetseite ihre Interpretation der vergangenen Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses. Darin wirft sie mir vor, konstruierte Zusammenhänge erstellt zu haben. Ebenfalls soll ich von einer möglicherweise bewussten Ausrichtung der Skulptur gegen den Park Verrieres gesprochen haben. Weiterhin deutet die CDU an, ich habe nicht erkannt, dass anstelle der damaligen Erbfeindschaft zu Frankreich heute eine unverbrüchliche Partnerschaft zu Frankreich bestehe. Ich weise diese Vorwürfe von mir und verweise auf die Berichterstattung der beiden Tageszeitungen, die beide neutral und wahrheitsgetreu aus dem HFA berichtet haben.“

Schlüter: „Rat wurde übergangen“

Schlüter weiter: „Im Kern habe ich folgendes im Ausschuss gesagt: Man darf eine Skulptur nicht ohne Berücksichtigung der geschichtlichen Hintergründe errichten. Hier habe ich die Problematik angesprochen, dass der Erbau und die Ausrichtung gegen Frankreich des ‚Original-Hermanns‘ in Bezug auf die deutsch-französische Erbfeindschaft vollzogen wurde. Gleichzeitig habe ich auf andere Interpretationsmöglichkeiten hingewiesen. Zusätzlich habe ich den Fehler thematisiert, dass der Rat und die Ausschüsse bei der Entscheidungsfindung übergangen wurden.“

Schlüter schreibt abschließend: „Anscheinend haben zumindest Teile der CDU nicht Besseres zu tun, als populistische Halbwahrheiten zu verbreiten. Zusätzlich verschweigen sie den Fehler des Bürgermeisters, den Rat übergangen zu haben. Über die Gründe dieser hanebüchenen CDU-Mitteilung kann ich nur spekulieren und werde das hier unterlassen.”

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