Sozialwerk nimmt Stellung zur Kritik an der Betreuung in der Hövelhofer Kirchschule
„OGS ist jetzt in ruhigerem Fahrwasser“

Hövelhof (WB). Seit knapp einem Jahr ist das Sozialwerk für Bildung und Jugend verantwortlich für das Betreuungsangebot der Offenen Ganztagsgrundschule (OGS) an der Hövelhofer Kirchschule. Den ziemlich holprigen Start nach der Übernahme der Trägerschaft schilderte Geschäftsführer Ulrich Diekmann am Mittwoch im Ausschuss für Bildung und Jugend. Seit Anfang des Jahres aber sehe er die OGS in „ruhigerem Fahrwasser“. Daher könne er nicht verstehen, dass die FDP nun beantragt habe, den Vertrag zu kündigen .

Donnerstag, 25.06.2020, 20:30 Uhr
In Hövelhof wird über die Qualität der Betreuung in der Offenen Ganztagsschule der Kirchschule diskutiert. Foto: dpa
In Hövelhof wird über die Qualität der Betreuung in der Offenen Ganztagsschule der Kirchschule diskutiert. Foto: dpa

Diekmann schilderte, das Sozialwerk arbeite mit 15 Kommunen und einem Kreis zusammen und betreue an 41 Schulstandorten die OGS. „So etwas, wie hier zum Start der Trägerschaft in Hövelhof passiert ist, habe ich noch nie erlebt. Das hat mich sehr erschüttert.“ Die FDP hatte in ihrem Antrag geschildert, dass es zahlreiche Klageverfahren ehemaliger Mitarbeiter gegeben habe, die auch erfolgreich gewesen seien. Zudem seien viele Eltern mit der OGS unzufrieden. Bis zum Sommer 2019 war eine Elterninitiative, der Förderverein OGS Kirchschule, für das Betreuungsangebot zuständig. Danach übernahm nach einer Neuausschreibung das Sozialwerk.

Von Klageschriften im Briefkasten überrascht

Ulrich Diekmann schilderte dem Ausschuss seine Sicht der Dinge. Das Sozialwerk habe Ende 2018 den Zuschlag bekommen, ab dem Schuljahr 2019/2020 die Kinder in der OGS an der Kirchschule zu betreuen. „Wir haben uns direkt nach dem Zuschlag mit den damaligen Verantwortlichen zusammengesetzt, um zu schauen, wie wir zusammenarbeiten können. Natürlich haben wir ein eigenes Konzept erstellt, aber wir haben die OGS nicht erfunden. Wir haben über Teamstrukturen, Vergütung und Stundenzahlen für die Mitarbeiter gesprochen. Umso überraschter war ich, als ich zwei Tage später Klageschriften von Mitarbeitern im Briefkasten fand.“ Zehn Kündigungsschutzklagen seien eingereicht worden.

Mehr als 10.000 Euro an Abfindungen bezahlt

„Dann haben wir uns wieder mit dem Vorstand des damaligen Trägervereins zusammengesetzt und überlegt, wie wir die Kuh vom Eis kriegen“, sagte Diekmann. Auch den ehrenamtlichen Vorstand der Elterninitiative habe das sehr belastet. Es sei unter anderem um die rechtliche Frage gegangen, ob ein Betriebsübergang vorliegt, wenn ein neuer Träger die OGS übernimmt. „Im vergangenen Jahr haben wir mehr als 10.000 Euro an Abfindungen bezahlt“, so Diekmann.

13 frühere Mitarbeiter übernommen

Beim früheren Träger, dem Förderverein, seien 26 Mitarbeiter beschäftigt gewesen. Elf der 26 hätten sich beim Sozialwerk nicht für eine weitere Beschäftigung beworben, sich anderweitig orientiert oder nicht weiter zur Verfügung gestanden. „Von den verbliebenen 15 haben wir 13 übernommen, darunter auch Mitarbeiter, die Klage eingereicht hatten“, schilderte Ulrich Diekmann. Durch diese ganze Dynamik sei zum Start des Angebots nach den Sommerferien 2019 „viel Unruhe dagewesen“, bilanzierte Diekmann, „es war schwer, in ruhigeres Fahrwasser zu kommen. Wir hatten anfangs nicht genug Fachkräfte und haben viel Zeit und Geld in die Suche gesteckt.“

Neue OGS-Leitung seit dem 1. Januar

Den 1. Januar 2020 aber bezeichnete der Geschäftsführer des Sozialwerkes als „Meilenstein“. Man habe sich dazu entschieden, die Leitung der OGS neu zu besetzen. „Mit der alten Leitung war es innerhalb des Teams schwierig, es war von der Leitungsseite her trotz großer Unterstützung unsererseits nicht möglich, eine gewisse Alltagsstruktur zu vermitteln“, sagte Diekmann. Daher habe sich das Sozialwerk entschieden, den Posten der OGS-Leitung neu zu besetzen, mit einer Mitarbeiterin, die bereits zehn Jahre lang ein OGS-Angebot in Paderborn geleitet habe. Mit ihr sei ein Neuaufbau gelungen: „Es läuft noch nicht alles ruckelfrei, aber wir bekommen positivere Rückmeldungen.“

Kirchner: „Diskussion ist rufschädigend“

Die Schulleiterin der Kirchschule, Christine Kirchner, sagte, sie empfinde die aktuelle Diskussion um eine angebliche Unzufriedenheit vieler Eltern „als deutliche Rufschädigung der Schule und meiner Person“. Zum Start unter dem neuen Träger im Sommer 2019 habe es mit der damaligen Leitung „bedauerlicherweise nicht geklappt, da haben Eltern auch deutliche Unzufriedenheit geäußert“. Seit Januar laufe es aber deutlich besser. „Ich verstehe nicht, wo jetzt, in dieser Situation, plötzlich die Kritik herkommt. Wir haben einen Neuanfang gemacht im Januar. Warum gibt man uns jetzt keine Chance? Ich habe den Eindruck, dass die Eltern ihre Kinder bei uns gut betreut sehen.“ Im kommenden Schuljahr würden etwa 160 Kinder die OGS und weitere 70 die Randstundenbetreuung besuchen, so Kirchner.

44 Kritikpunkte zusammengetragen

FDP-Fraktionschef André Klocksin sagte, er beschäftige sich seit mehr als einem Jahr mit der OGS Kirchschule und habe aus zahlreichen Gesprächen eine Liste mit 44 Kritikpunkten zusammengetragen: „Das ist teilweise sehr persönliche Kritik, aber eben auch Punkte, über die man sich unterhalten müsste“, so Klocksin. Zudem habe der alte Trägerverein mehr als 40.000 Euro im Zuge der Rechtsstreitigkeiten ausgeben müssen: „Das ist zum Teil Geld, das für die Kinder jetzt nicht mehr zur Verfügung steht.“

CDU hat überwiegend positive Rückmeldungen bekommen

CDU-Fraktionsvorsitzender Udo Neisens fragte, wie die FDP zu der Behauptung komme, „viele Eltern“ seien unzufrieden: „Die Rückmeldungen an unsere Fraktion waren aktuell überwiegend positiv.“ Ähnlich äußerte sich auch SPD-Fraktionsvorsitzender Mario Schäfer: „Der SPD lagen drei Beschwerden vor, die sich aber wohl auf 2019 bezogen. Die Frage ist: Wem folgt man jetzt? Denen, die am lautesten schimpfen, oder den möglicherweise vielen Zufriedenen, die sich nicht äußern?“

Kündigung des Trägers abgelehnt

Über die Anträge der FDP (Kündigung des Vertrages mit dem aktuellen Träger) und der SPD (Vertagung dieses FDP-Antrags und Durchführung einer Elternumfrage) wurde anschließend im nicht öffentlichen Teil gesprochen, da es sich um eine Vertragsangelegenheit handelt, wie Udo Neisens in der öffentlichen Sitzung auch an die zahlreichen Zuschauer gewandt erklärte. Der FDP-Antrag auf Kündigung der Trägerschaft wurde mit großer Mehrheit abgelehnt. Der Antrag der SPD soll nach WV-Informationen erneut besprochen werden.

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