Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge hilft bei der Suche nach Gefallenen
Hövelhofer findet Grab des Vaters

Hövelhof (WB). Seinen Vater hat Alfred Bonensteffen aus Hövelhof nie kennengelernt. Josef Bonensteffen starb am 6. Juli 1941, mitten im Zweiten Weltkrieg, als Soldat auf einem deutschen Fliegerhorst im damals besetzten Lettland. Da war Alfred Bonen­steffen gerade mal acht Monate alt. Über viele, viele Jahre hinweg hat der heute 79-Jährige vergeblich versucht, das Kriegsgrab seines Vaters ausfindig zu machen. Dies ist jetzt gelungen: Mit Hilfe des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge hat er die genauen Angaben und Daten seines Vaters über den Standort der Gedenkstätte Daugavpils (Dünaburg; Lettland) gefunden.

Montag, 13.07.2020, 10:21 Uhr aktualisiert: 13.07.2020, 10:24 Uhr
Hermann-Josef Bentler (links) und Gustav Theismann (rechts) freuen sich mit Alfred Bonensteffen – hier auf einem Foto, das vor den coronabedingten Beschränkungen entstand – über den positiven Ausgang der Suchaktion nach dem Kriegsgrab von Josef Bonensteffen. Der Hövelhofer war als Soldat im Juli 1941 auf einem Fliegerhorst in Lettland ums Leben gekommen. Foto: Jürgen Spies
Hermann-Josef Bentler (links) und Gustav Theismann (rechts) freuen sich mit Alfred Bonensteffen – hier auf einem Foto, das vor den coronabedingten Beschränkungen entstand – über den positiven Ausgang der Suchaktion nach dem Kriegsgrab von Josef Bonensteffen. Der Hövelhofer war als Soldat im Juli 1941 auf einem Fliegerhorst in Lettland ums Leben gekommen. Foto: Jürgen Spies

Es ist eine besondere Geschichte, die den soldatischen Weg von Josef Bonensteffen erzählt. Zusammen mit fünf weiteren Männern aus Hövelhof kam er als Flieger in den Einsatz. Am 6. Juli 1941 explodierte auf dem Fliegerhorst eine Bombe. Die Splitter verletzten den damals 35-jährigen Familienvater so schwer, dass er wenig später im Lazarett verstarb. Der leitende Oberarzt Dr. Leyendecker teilte die traurige Nachricht Bonensteffens Ehefrau Anna zwei Tage später schriftlich mit.

Die fünf weiteren Hövelhofer auf dem bombardierten Fliegerhorst überlebten. Zusammen mit weiteren Gefallenen wurde Josef Bonensteffen schließlich mit militärischen Ehren auf dem Soldatenfriedhof in Daugavpils beigesetzt.

Obergefreiter Josef Bonen­steffen aus Hövelhof starb am 6. Juli 1941 in Lettland.

Obergefreiter Josef Bonen­steffen aus Hövelhof starb am 6. Juli 1941 in Lettland.

„Nach dem Krieg ließ die damalige Administration alle Grabkreuze entfernen und forstete das Gelände mit Bäumen auf”, hat Hermann-Josef Bentler aus Hövelhof, seit mehr als 20 Jahren Mitglied des Kreisvorstandes Paderborn und des Bezirksvorstandes Ostwestfalen-Lippe des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge, herausgefunden.

Bentler sowie der Hövelhofer Ehrenbrudermeister der St.-Hubertus-Schützenbruderschaft, Gustav Theismann – langjähriges Mitglied des Volksbundes und schon seit 1999 Träger der Goldenen Verdienstnadel des Volksbund-Landesverbandes NRW –, unterstützten Alfred Bonensteffen in den vergangenen Monaten bei der Suche nach Spuren beziehungsweise nach dem Kriegsgrab des gefallenen Vaters. „Dadurch hat die Suche einen richtigen Schub gekriegt”, ist Alfred Bonensteffen dankbar.

Sammelfriedhof

Erst im Laufe der Vorbereitung und Durchführung der Gedenkfeier „100 Jahre Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge” im Herbst 2019 in Hövelhof hatten Bentler und Theismann erfahren, dass Alfred Bonensteffen immer wieder versucht hatte, etwas über die letzte Ruhestätte seines Vaters herauszubekommen. Sie nutzten daraufhin ihre intensiveren Kontakte und Kenntnisse bei der Vermisstensuche über den Volksbund: „Es stellte sich heraus, dass die örtliche Verwaltung in Daugavpils die Auflösung des alten Soldatenfriedhofes dokumentiert hat und dass später in Daugavpils/Dünaburg, der zweitgrößten Stadt Lettlands, ein neuer Sammelfriedhof angelegt worden war”, berichtet Hermann-Josef Bentler.

Hier wurden die Überreste der Gefallenen beigesetzt und die Namen und vorhandenen Daten auf steinernen Stelen eingearbeitet und in Gedenkbücher eingetragen. Die eifrigen Nachforschungen des Volksbundes ergaben außerdem, dass diese Bücher im Geschichtsmuseum der Stadt Daugavpils aufbewahrt werden und dass am 9. Juli 2004 die Arbeiten am neuen Sammelfriedhof abgeschlossen werden konnten.

Dankbar und glücklich

Die örtliche Dienststelle schickte wenig später drei Fotos vom Eingangsbereich des Friedhofes sowie Fotos von der Stele, auf der der Name und die Daten eingemeißelt sind: Josef Bonensteffen *25.12.1905 - 6.7.1941 †

Alfred Bonensteffen hat früher als Busfahrer auch schon mal Kriegsgräberpflegegruppen nach Lettland gefahren. „In die Nähe der Gedenkstätte Daugavpils bin ich aber nie gekommen. Ich bin glücklich und dankbar, dass ich jetzt endlich weiß, wo mein Vater zu finden ist”, sagt der 79-Jährige.

Er denkt daran, schon bald den Soldatenfriedhof zu besuchen und die 1551 Kilometer lange Reise dorthin anzutreten.

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